Landwirtschaft

Düngeverordnung: Kompromiss mit großen Defiziten

Am Donnerstag sind Details zum Kompromiss der Berliner Regierungskoalition für eine weitere Verschärfung der Düngeverordnung bekannt geworden. Die für eine Meldung an die EU Kommission bisher bekannt gewordenen Punkte lassen zwar erkennen, dass die Kritik des Bauernverbandes und der Praxis in Berlin angekommen ist und Bewegung in die Diskussion gebracht hat. Enttäuschend ist jedoch, dass fachlich begründete Vorschläge aus der Praxis nicht aufgegriffen wurden und stattdessen lediglich Modifizierungen an den weiterhin fachlich fragwürdigen und überzogenen Auflagen gemacht wurden. „Anstatt die Novelle der Düngeverordnung für zielgerichtete Maßnahmen zu nutzen, die die enorm positiven Erfahrungen von regionalen Gewässerkooperationen aufgreifen, setzt die Bundesregierung beispielsweise weiterhin auf pauschale Regelungen und Verbote von der Nordsee bis zur Zugspitze“, bedauert Georg Wimmer, Generalsekretär des BBV.

Gespräche der deutschen Bauernverbände mit der EU-Kommission zeigen, dass zum Beispiel die Deckelung der Düngung in roten Gebieten 20 Prozent unterhalb des errechneten Bedarfs der Pflanzen keineswegs von Brüssel gefordert wird. „Die nun vorgesehene Berechnung der 20 Prozent im Durchschnitt der Betriebsflächen im roten Gebiet anstatt der ursprünglich geplanten schlagspezifischen Berechnung bringt etwas mehr Spielraum für die Praxis, ändert jedoch nichts daran, dass die Maßnahme an sich fachlich nicht zu rechtfertigen ist“, sagt Wimmer. Ein Erfolg ist jedoch, dass zumindest Grünland bei dieser Regelung außen vor bleiben soll. Grundsätzlich zu befürworten ist zudem, dass es Ausnahmen für gewässerschonend wirtschaftende Betriebe geben soll, die nicht mehr als 160 kg Gesamtstickstoff und davon maximal 80 kg mineralischen Stickstoff pro Hektar Fläche im roten Gebiet einsetzen. Hier wäre neben extensiv wirtschaftenden Betrieben jedoch eine Ausnahme auch für besonders effizient wirtschaftende Betriebe nötig.

Aufgrund der Kritik des Bauernverbandes wurden außerdem die Probleme eines Verbots einer Sommerdüngung von jungen Rapsbeständen erkannt und korrigiert. Offensichtlich soll aber nach wie vor die Düngung von Zwischenfrüchten im Sommer verboten werden. „Das konterkariert die Bemühungen der bayerischen Bauern beim Erosionsschutz und widerspricht den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes, der eine ausreichende Bestandentwicklung zur Verringerung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes durch Unkrautunterdrückung vorgibt“ sagt Wimmer. Der BBV setzt zudem darauf, dass die Bundesregierung die angekündigten Ausnahmen beim verpfichtenden Anbau von Zwischenfrüchten wegen später Ernte oder geringen Niederschlägen vorsieht. Fachlich nicht nachvollziehbar ist aus seiner Sicht außerdem die Ausweitung der Festmistsperrfrist in roten Gebieten um vier Wochen sowie der Grünlandsperrfrist um zwei Wochen. Zudem soll die organische Düngung auf Grünland ab 1. September bis zur Sperrfrist flächendeckend auf 80 kg Gesamtstickstoff gedeckelt werden.

Versäumt wurde bisher auch in der Düngeverordnung eine neue Grundlage für eine differenzierte Abgrenzung der roten Gebiete zu schaffen. Gerade vor dem Hintergrund der nun schärferen Auflagen ist die bisherige grobräumige Abgrenzung der Wasserrahmenrichtlinie nicht mehr tragbar. Es ist den Betrieben nicht erklärbar, dass Sie strengere Auflagen einzuhalten haben, nur weil eine Messstelle, die teilweise 30 und mehr Kilometer entfernt liegt, den Schwellenwert überschreitet.

Eine ausführliche Bewertung zu einzelnen Vorschlägen finden Sie auch in der Stellungnahme der Präsidentenkonferenz des Bayerischen Bauernverbandes unter Duengeverordnung.

Bericht und Foto: Bayerischer Bauernverband

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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