Leitartikel

Discountprodukte auf da Oim – basst des zam?

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Gastbeitrag vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern (entnommen der Zeitschrift Der Almbauer) – Do, wo‘s so guad schmeckt, do soi‘s a herkemma! Wo es einem gefällt, da schmeckt auch das Essen immer besonders gut. Das gilt für den Wein im Italienurlaub genauso wie auf der Alm! Wenn man sich die Anfänge der Bewirtung auf der Alm anschaut, dann sieht man, dass schon immer der direkte Bezug zur Region und die eigene Erzeugung der Lebensmittel das Hauptaugenmerk waren. Anderes war früher oftmals auch gar nicht vorhanden. Die Bauern suchten nach Möglichkeiten, durch Zuerwerb die Existenz des Hofes zu sichern. Und selbstproduzierte Lebensmittel aus der Region waren beim Wanderer sehr beliebt.

Heute wie früher

Der direkte Bezug zur Landwirtschaft ist auch heute noch gegeben, denn ohne die Beweidung und Pflege der Almen würde es diese ganz besondere Kulturlandschaft nicht geben. Leider ist es aber heute oft so, dass die auf den Almen angeboten Brotzeiten nicht mehr gar so viel mit der regionalen Erzeugung der heimischen Landwirte zu tun haben.

Dabei sollte es doch eine Selbstverständlichkeit sein, gerade hier – in diesem direkt der Landwirtschaft zugeordneten Bereich – darauf zu achten, dass Produkte auf den Tisch kommen, die in der Region ihren Ursprung haben: ihnen somit die Wertschätzung zukommen zu lassen, die wir auch von den Verbrauchern einfordern und ganz nebenbei die heimischen Betriebe zu unterstützen. Milch- und Milchprodukte aus der eigenen Molkerei sind hierfür das beste Beispiel.

Auf den Almen findet wohl eine der artgerechtesten Tierhaltungsformen überhaupt statt. Das Almvieh lebt dort, wo es den ganzen Tag seinen Bedürfnissen nachgehen kann und das Beste an Wiesenkräutern auf dem Speiseplan findet. Dem Verbraucherwunsch nach tierwohlgerechter Haltung wird auf den Almen in jedem Fall Rechnung getragen. Dass dann auch die auf der Alm angebotenen Produkte aus ebensolchen verantwortungsbewussten Produktionswegen kommen, sollte selbstverständlich sein. Authentizität und Glaubwürdigkeit erleichtern das Verständnis für unsere Belange. Wir finden dadurch auch bei anderen Themen (z.B. Wolf, Wandererverhalten) besser Gehör.

Verantwortung als Verbraucher

Wir Almerer und natürlich auch die Almbauern sind ebenso Verbraucher wie unsere Gäste auf der Alm. Deshalb ist es wichtig als Vorbildfunktion das zu leben, was wir uns von der landwirtschaftsfremden Bevölkerung erwarten. Jeder einzelne trägt Verantwortung und kann durch Einkäufe auf die Erzeugungsbedingungen Einfluß nehmen- je mehr Menschen sich dessen bewusst werden, umso höher der Einfluss.

Gerade in Zeiten wie diesen hat es sich doch wieder gezeigt, was wirklich systemrelevant ist – Lebensmittel stehen da ganz oben auf der Liste.

Wir als Almpersonal sind auch Botschafter unserer Bauern, wenn wir mit Gästen und Wanderern in Kontakt treten. Wäre doch schön, wenn wir diesen Menschen neben einem Stück Almglück in Form einer gscheiden Brotzeit auch ein Stück Bewusstsein für die Herkunft und Wertigkeit dieser Lebensmittel mit auf den Weg geben. Sei es als Erklärung auf der Speisekarte – und warum es dann auch ein bisschen mehr kosten darf – oder im direkten Gespräch. Der Wanderer findet es herrlich, zufrieden grasende Tiere auf der Weide zu sehen und dieses Tierwohl soll und darf auch seinen Preis haben. Und vielleicht erreicht ja hier, in dieser Umgebun, wo die Uhr noch etwas langsamer tickt, diese Botschaft die Menschen besser und manch einer macht sich Gedanken und setzt diese beim nächsten Einkauf vielleicht um. Lasst uns also bei der Bewirtung und bei Bergmessen auf der Alm Vorbild sein und heimische Produkte anbieten. Dieses Anliegen treibt uns schon seit längerer Zeit um, deshalb sind wir froh, es jetzt einmal im Almbauer allen mitteilen zu können.

Wir wünschen euch allen eine gute, gesunde und schmackhafte Almzeit. Auf der Heimseite des AVO www.almwirtschaft.net findet ihr unter Fachthemen/Almversorgung einen Liste mit Link zu regionalen Herstellern, der über die Geschäftsstelle jederzeit und aus jeder Region ergänzt werden kann.

Margit, Christiane, Conny und Sophie – vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!