Kirche

Die sorgenvolle Stille auf Frauenchiemsee

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Fraueninsel im Chiemsee ist ganzjährig ein beliebtes Ziel von Ausflüglern und Pilgern, um das dortige Kloster und die einladenden Gaststätten zu besuchen. Doch heuer hat aufgrund der eingeschränkten Chiemsee-Schifffahrt und aufgrund der Corona-Situation das Leben auf der Insel  einen ganz und gar anderen Charakter – besonders mit dem Konvent des Benediktinerinnen-Klosters. Darüber berichten in einem Gespräch Frau Äbtissin Johanna Mayer, OSB und in einem Brief die ehemalige Landtagsabgeordnete und Vorsitzende vom Verein Freunde der Abtei der Benediktinerinnen-Frauenwörth im Chiemsee e.V.

Die aktuelle Situation des Konvents erläutert Frau Äbtissin Johanna wie folgt: „Alle Schwestern des Konvents sind bis jetzt vor Erkrankung verschont geblieben. Dafür sind wir sehr dankbar. Wir haben in dieser besonderen Zeit unsere Tagesordnung aufrechterhalten – mit täglichem, gemeinsamen Morgen-, Mittag-, Abend- und Nachtgebet. Viele Gebetsanliegen haben uns erreicht, und wir haben versucht, in Fürbitten und persönlichem Gebet die Menschen (besonders des Chiemgaus) ins Gebet zu nehmen. Zunächst gab es keine Eucharistiefeiern, da der Priester von außen nicht kommen konnte.  Seit 5. April feiert Pfarrer Andreas Münck wieder mit uns die Heilige Messe, da wir als  Familienverband gelten und deswegen weniger Hygienemaßnahmen nötig sind – natürlich ohne Gäste von außen. Die Insel war in dieser Zeit ein idealer Quarantäne Ort von besonderer Schönheit und Stille“.

Beträchtlich sind die Reise- und Begegnungseinschränkungen für den Wirtschaftsbetrieb des Klosters, hierzu gibt es von der Äbtissin folgende Informationen: „Am 16. März mussten wir alle unsere Betriebe schließen, das betraf den Klosterladen, das Gäste- und Seminarhaus und den Klosterwirt. Alle unser Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen waren einverstanden, in Kurzabeit zu gehen. Dass wir beträchtliche finanzielle Einbußen haben werden, war von vornherein klar. Ganz wichtig ist und war uns, die anfallenden Löhne für unsere Mitarbeiter bezahlen zu können. Sehr schnell und unbürokratisch hat unser Freundeskreis  finanziell geholfen; außerdem erhalten wir auf unseren Antrag hin Geld aus der staatlichen Corona-Soforthilfe.  In einem Artikel in der Klosterpost des Freundeskreises (den alle Vereinsmitglieder mehrmals im Jahr erhalten)  habe ich auf den Online-Shop des Klosterladens hingewiesen (www.frauenwoerth.de); das hat gutes Echo ausgelöst, und es gingen viele Bestellungen bei uns ein. Mein herzlicher Dank gilt allen, die diese Möglichkeit genutzt haben und weiterhin nutzen. Trotzdem mussten wir, wie so viele andere Betriebe, einen Überbrückungskredit aufnehmen. Die finanzielle Lage des Klosters  wieder zu stabilisieren, wird uns noch lange beschäftigen“.

 Mit Vorsicht zurück in eine neue Normalität

Die vorsichtigen Öffnungen und der Weg zurück in eine neue Normalität soll nach den Worten der Klostervorsteherin wie folgt erfolgen: „Wir planen, den Klosterladen am 18. Mai wieder zu öffnen, das Gästehaus  für Einzelpersonen am 29. Mai.  Beim Seminarhaus wollen wir vorsichtiger sein und mit eingeschränktem Betrieb am Pfingstwochenende beginnen. Eine endgültige Empfehlung der Regierung steht noch aus. Da hohe Hygieneschutzmaßnahmen vorgeschrieben sind, stehen wir vor neuen Herausforderungen, die es in nächster Zeit zu meistern gilt und die wiederum nicht ohne Ausgaben zu bewältigen sind. Bei all dem wissen wir uns begleitet von vielen Menschen, die der Abtei nahe stehen und letztendlich unter dem Schutz Gottes, der uns immer wieder den Geist des Mutes und der Kraft schenkt. Wichtig ist mir, dass wir nicht aufhören, Gott zu loben und ihm zu danken. Es geht uns gut; es gibt immer neue, überraschende Wege aus einer Krise“.

Wie bereits erwähnt, hat der Verein vom Freundeskreis der Abtei Frauenwörth kurzfristig finanziell geholfen. Gewöhnlich erfolgt der jährliche Zuschuss nach der Mitgliederversammlung, die heuer am 9. Mai geplant war, jedoch áusfallen musste. Laut Mitteilung von Schatzmeister Martin Weichselgartner konnte der Verein dem Kloster für dessen weiteren Betrieb die Summe von 45.000 Euro überweisen. Weiters teilt Vorsitzende Annemarie Biechl mit: „Auch wenn in diesen ruhigen Zeiten der Konvent in einer Art Edel-Quarantäne lebt und die leere Insel sicherlich angenehm ist, so bedeutet dies anderweitig  große Herausforderungen. Zum Beispiel konnte die Wahl von Vorstand und Beirat nicht durchgeführt werden, so dass wir die Mandate ohne Wahl um ein Jahr verlängern.“ Den Corona-Umständen ist auch die Absage des heurigen Irmengardfestes und die für den Herbst nach Kremsmünster geplante Kulturfahrt des Freundeskreises geschuldet. Nähere Informationen zum Freundeskreis, zu möglichen Mitgliedschaften und zu Aktuellem gibt es auf der Seite www.frauenwoerth.de.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom Kloster Frauenchiemsee – u.a.: Frau Äbtissin Johanna Mayer, OSB mit Vorsitzende Annemarie Biechl vom Freundeskreis

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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