Kultur

Die Reinlichkeit betreffend! Museum Wasserburg mit neuer Ausstellung: Vom früheren Umgang mit der Hygiene

Rainer Nitzsche
Veröffentlicht von Rainer Nitzsche

Eine heiße Dusche, die Wäsche schnell in die Maschine werfen oder einfach nur Händewaschen vor dem Essen gehören heute zum Alltag. Vor nicht einmal 60 Jahren gab es aber noch nicht in jedem Haushalt ein eigenes Badezimmer, geschweige denn eine Waschmaschine. Deswegen vertrat man früher ganz andere Vorstellungen von Reinlichkeit und Hygiene als heute. Das Museum Wasserburg zeigt ab dem 8. März unter dem Titel „Die Reinlichkeit betreffend!“ die vielfältigen Ideen … und kreativen Lösungen, wie man früher badete, welches Puder gegen „Gerüche“ half und mit welchen Gerätschaften der anstrengende Waschtag bewältigt wurde.

Bis weit ins 19. Jahrhundert führten gerade in den dicht besiedelten Städten ein sorgloser Umgang mit Ausscheidungen, eine dichte Nutztierhaltung und eine ungeregelte Entsorgung von Abfällen zu verdreckten Straßen, verseuchtem Trinkwasser und der Ausbreitung von Krankheiten.
Doch wie sah die Situation in einer oberbayerischen Kleinstadt aus? Auch in Wasserburg wurden im Jahr 1885 noch über 2.000 Nutztiere auf der Halbinsel gehalten, deren Dung auf öffentlichen Plätzen abgelagert wurde. Bei Regen spülte das Wasser Fäkalien und Unrat aus den Reihen zwischen den Häusern auf die ungepflasterten Straßen und die stinkenden Abortgruben der Altstadthäuser waren ein Grund für wiederkehrende Streitereien unter Nachbarn. Das Wasser aus den Brunnen war genauso ungenießbar wie das aus der hölzernen städtischen Wasserleitung, in der sich die vielfältigsten Tierchen tummelten.

Die Seuchenzüge der Cholera ließen die Verantwortlichen aufhorchen. Die Hygiene wurde als Wissenschaft an der Universität etabliert, Ärzte entwickelten Möglichkeiten, Hände und Wunden zu desinfizieren, Louis Pasteur erkannte die Bedeutung der Mikrobiologie und Robert Koch konnte zum ersten Mal einen Erreger außerhalb des menschlichen Körpers erforschen.
Staatliche und kommunale Behörden unternahmen große Anstrengungen. Die Städte erhielten Kanalisationen und eine Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Ärzte, Hebammen und Lehrer bemühten sich um gesundheitliche Aufklärung und eine Straßenreinigung wurde eingeführt. Auch in Wasserburg waren diese Anstrengungen von Erfolg gekrönt.

Neben der öffentlichen Hygiene wirft die Ausstellung auch einen Blick ins Private. So wird die Kulturgeschichte des stillen Örtchens erzählt und die Besucher können auf einem Plumpsklo Platz nehmen. Zu sehen ist sowohl der Toilettentisch der feinen Damen als auch die Sitzbadewanne des kleinen Mannes. Der Besucher erfährt, wie es damals um die persönliche Körperhygiene bestellt war, was die Damen und Herren eigentlich darunter trugen und wie anstrengend ein Waschtag war. Viele der Ausstellungsstücke lassen uns dabei schmunzeln, andere eher schaudern. Kleine Mitmachstationen gestalten den Besuch für Kinder abwechslungsreich und unterhaltsam.

Begleitprogramm

Immer schön sauber bleiben! – Ausstellungsführung

Sonntag, 18.3., 15.4. und 1.7.2018 um 14.30 Uhr, Museum Wasserburg

Hygiene umfasst die Gesundheitsfürsorge und die Reinlichkeit. Zwei Bereiche, die sich in den letzten Jahrzehnten gänzlich revolutioniert haben. Ausgehend vom 19. Jahrhundert werden Veränderungen in der Körperhygiene sowie der öffentlichen Gesundheitsfürsorge und die damit einhergehende Verbesserung der Gesundheit aufgezeigt. Der Besucher kann ebenso erfahren, was die Damen und Herren eigentlich darunter trugen und welche Puder gegen „Gerüche“ half.

Die Führung ist kostenlos, der Eintritt ist zu entrichten

Waschen ohne Waschmaschine, Baden ohne Wasserhahn – Familienführung

Donnerstag, 30.5.2018 um 14.30 Uhr, Museum Wasserburg

Vor etwa 100 Jahren wurde die Hausarbeit und die Körperpflege nicht eben schnell nebenbei erledig, sondern erforderte einen recht hohen Arbeits- und Zeitaufwand. Gemeinsam entdecken wir die Ausstellung und erfahren, wie man ohne Waschmaschine Wäsche wusch oder wie das Badewasser in die Wanne kam.

Die Führung ist kostenlos, der Eintritt ist zu entrichten

Führung durch das Psychiatriemuseum im kbo-Inn-Salzach-Klinikum

Sonntag, 6.5.2018 um 14:00 Uhr, Psychiatriemuseum im kbo-Inn-Salzach-Klinikum

1883 wurde in Gabersee eine „Kreisirrenanstalt“ begründet. Die „Pfleglinge“ wurden in einer „Verwahrpsychiatrie“ untergebracht. Heilung war oft nicht möglich. Erst ab den 1970er Jahren verbesserten wirksame Medikamente und eine Psychiatriereform das Leben der Patienten.

Herr Wolfgang Schmid führt durch das kleine Museum und stellt die geschichtsträchtige Einrichtung vor. Dabei wird auch das Kapitel der Euthanasie in der NS-Zeit nicht ausgespart.

Die Führung findet im Rahmen der Sonderausstellung „Die Reinlichkeit betreffend!“ des Museums Wasserburg statt.

Treffpunkt: Museumsgebäude, Gabersee Haus 23, Wasserburg

Internationaler Museumstag

Führungen und Suchspiel, Sonntag, 13.5.2018, 13 – 17 Uhr,

Museum Wasserburg und Sammlung Wasserburg aus fünf Jahrhunderten

Bei freiem Eintritt kann man in der Dauer- und Sonderausstellung dem Alltag vor 100 Jahren nachspüren. Ein kurzweiliges Suchspiel für Kinder und Führungen für Erwachsene oder Familien runden das Programm ab.

Mehr Informationen ab Mai 2018!

Schulklassen im Museum

Vor etwa 100 Jahren wurden die Hausarbeit und die Körperpflege nicht eben schnell nebenbei erledigt, sondern erforderten einen recht hohen Arbeits- und Zeitaufwand. In einer interaktiven Führung werfen wir einen Blick zurück und können damit viele heutige Verhaltensweisen und deren immense Bedeutung für das Zusammenleben erklären.

Buchungen unter: Telefon 08071 / 92 52 90.

 

Wasserburger Stimme

Über den Autor

Rainer Nitzsche

Rainer Nitzsche

Als Webseiten - Programmierer habe ich diese Internetpräsenz entwickelt und erstellt. Mit viel Sorgfalt wurde die Plattform durchdacht, optimiert, gefeilt und getunt. Bin auch für die kontinuierliche Betreuung und Pflege der Webseite verantwortlich und habe ein Auge auf die tägliche Aussendung unseres Newsletters.

Als Reportage-Fotograf möchte ich mit wenigen Bildern wiedergeben, was als geschriebener Text vielleicht Bände füllen würde. Es geht um Ereignisberichte in Bildern. Es gilt, schrittweise und in den richtigen Momenten Entwicklung und Ablauf von Ereignissen festzuhalten, die schließlich in einem Höhepunkt gipfeln. Das bedeutet, meine Fotografien sind sehr oft weniger formell und zeigen den Charakter der Menschen eher in einer pose-freien, authentischen Weise, die nicht inszeniert ist.

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