Kirche

Die Priener Katharinen-Predigt im Wortlaut

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Predigt zum Fest der Heiligen Katharina im Jahre 2020 – von Gemeindereferent Werner Hofmann in der Pfarrkirche “Maria Himmelfahrt” in Prien a. Chiemsee

Wir tragen in Prien in unserem Wappen das Rad der Hl. Katharina. Und zwei Bischöfsstäbe, die auf die Herrschaft des Augustiner Chorherrenstifts auf Herrenchiemsee verweisen. Zwei der drei Wappensymbole deuten also auf die Kirche, hoffentlich auch auf den Glauben hin.

Wenn ich mir so die Wirklichkeit von Prien heute ansehe, kann ich diese große Bedeutung der Kirchen nicht mehr erkennen. Schon gar nicht mehr so machtvoll wie die Äbte, Gott sei Dank nicht mehr in der gefährlichen Opossition wie in den Zeiten von Katharina von Alexandrien. Immerhin, der Pfarrer von Prien, der gilt schon noch etwas. Aber jetzt ist er ja schon seit langem nicht mehr nur Pfarrer von Prien, sondern auch von Greimharting und Rimsting, Hittenkirchen und Wildenwart, und von Bernau. Und dann auch noch von Bad Endorf und Antwort und Stephanskirchen. Kein Wunder, das Kirche da an Bedeutung verliert! Es gibt jetzt Gemeindeleitungen, die dann da kommen, wo früher der Pfarrer gekommen ist. Ich glaube, das ist immer noch eine ganz schöne Enttäuschung für viele, gerade für die, die mit dem aktiven kirchlichen Leben der Pfarrei gar nicht mehr soviel zu tun haben. Und ich sage Ihnen: es kommt noch schlimmer. Die Kirche der Erzdiözese München Freising hat errechnet, dass in 10 Jahren, also 2030, 1/3 weniger Priester, Diakone, Pastoralreferenten und -Innen, Gemeindereferenten und -Innen mehr da sind. Für unser Dekanat Chiemsee heißt das nach den momentanen Aussichten und Planungen: für das ganze Dekanat gibt es dann 4 hauptamtliche Priester und 1 hauptamtlichen Gemeinde- oder Pastoralreferenten.

Wer wird dann die 2 kirchlichen Plätze im Wappen von Prien ausfüllen?

Ich bin jetzt 25 Jahre im kirchlichen Dienst tätig. Ich glaube, es wird so sein: in den Orten, in denen unser Glaube verwurzelt ist, in denen der kirchliche Jahreskreis in der Kirche aber auch in den Häusern gelebt wird, in denen am Abend im eigenen Haus ein Nachtgebet gesprochen wird, dort wird auch die Kirche, der Glaube, noch präsent bleiben, zumindest einen Wappenplatz noch ausfüllen können.

Schon jetzt läuten wir als Seelsorger und Seelsorgerinnen diese Zeit ein: nicht nur Pfarrer Hofstetter übergibt Verantwortung an uns Hauptamtliche, nein wir übergeben auch Verantwortung an Ehrenamtliche. Das ist schon seit langer Zeit so. Nun aber hängt das sichtbar gläubige Leben der Gemeinde davon ab. Wir bilden zum Beispiel gerade in einem Ehrenamtlichenkurs 10 Menschen für unseren Seelsorgeraum aus, die sich dann einbringen werden, in Verantwortung. Unsere Pfarrgemeinderäte übernehmen viel mehr Verantwortung, leiten unsere Gemeinde schon jetzt mit und bestimmen die Richtung. Wortgottesdienstleiter gibt es seit über 20 Jahren in Prien. Noch länger besuchen Menschen aus unserer Gemeinde die Kranken im Krankenhaus, die Kranken im Altenheim oder Zuhause. Doch bis heute meinen viele Menschen immer noch, der Pfarrer ist die Pfarrei und alle anderen helfen ihm.

Wir sind mitten in einer Umbruchszeit und Corona beschleunigt diesen Vorgang. Umbruchszeiten sind schwierig, anstrengend und vor allem ungewiss. Wo geht die Reise hin? Welchen Weg schlagen wir ein? All das wird nicht in München im Ordinariat entschieden, sondern hier, von uns Prienern für unser Prien. In Verbundenheit mit den Gemeinden im Pfarrverband und Seelsorgeraum und Dekanat. Zwei Drittel des Wappens sind christliche Symbolik. Es sind ca. 5000 Katholiken noch in Prien gemeldet.  Es wird nicht genügen, wenn sich die 8% Kirchgänger um die christlichen Werte kümmern. Auch die 1485 Katholiken, die bei der letzten Pfarrgemeinderatswahl noch wählen ging, ca. 30% also, sind nicht genug.

Damit unser Priener Wappen kein leeres Zeichen ist, sondern ein Symbol für das Miteinander in Prien, ist es denke ich angebracht, dass sich alle beteiligen bei der Frage: was soll bleiben in Prien von dem, was die Kirchen repräsentieren, verwirklichen, sind. Was darf nicht verloren gehen? Wer wird für die christlichen Werte einstehen, wenn die Kirchen in 10 Jahren vielleicht nur noch 10% der Bevölkerung ausmachen? Als katholische Kirche wäre uns schon jetzt sehr geholfen, wenn die Veränderungen in unseren Strukturen mitgetragen werden. Wir sind so froh, dass immer noch so viele Ehrenamtliche der Kirche ihre Treue beweisen, so ihren Glauben ausdrücken. Wie überall haben sie nur Freundlichkeit und Respekt verdient. Ich glaube, es ist gut, wenn die alten Strukturen jetzt aufgebrochen werden, wie auch das Rad der Katharina zerbrochen ist. Daraus kann ein Aufbruch werden. Dazu laden wir als Kirche alle ein!

Foto: Hötzelsperger  –  Werner Hofmann beim Einzug in die Pfarrkirche “Maria Himmelfahrt” von Prien zusammen mit Kaplan Joshy und dem liturgischen Dienst

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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