Leitartikel

Die Liebe zur Wallfahrtskirche St. Florian

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Wallfahrtskirche St. Florian bei Frasdorf ist für das Ehepaar Hildegard (79) und Franz (82) Osterhammer aus Frasdorf eine Herzensangelegenheit. „Das Gotteshaus ist ein einzig- und großartiges Kunstwerk, das liegt uns seit unserer Hochzeit im März 1967 am Herzen, ja, wir können sagen, dass wir uns in diese unsere Kirche verliebt haben“ – so das aktive Ehepaar, das vor vier Jahren in „ihrer“ Kirche ihre Goldene Hochzeit feiern konnte.

Die Liebe zur Kirche ist für Hildegard und Franz Osterhammer nicht nur eine Leidenschaft und ein Erlebnis, sie ist auch mit überaus viel Arbeit, Zeitaufwand und Zuwendung verbunden – auch und gerade im Ehrenamt. So war Franz von 1978 bis 1994 Pfarrgemeinderat, 12 Jahre davon auch PGR-Vorsitzender, 1994 wechselte er für zwei Perioden in die Kirchenverwaltung. Seine Frau Hildegard wurde 1994 zur PGR-Vorsitzenden gewählt und hatte dieses Amt bis 2006 inne – die Kirche St. Florian betreuen sie seither nachwievor.  Intensiv wurde die Nähe und Liebe zu St. Florian als dort umfangreiche Renovierungsarbeiten des Bauwerks anstanden, um fünf Jahre später den 500. Geburtstag der Kirche feiern zu können. „Damals standen viele Maßnahmen an, zum Auftakt galt es den Boden im Kirchen-Innern auszugraben. Franz war unentwegt unterwegs, um freiwillige Leute zu finden, fündig wurde er dabei unter anderem recht gut bei der Wildenwarter Feuerwehr“. Hildegard erinnert sich auch noch gut an die Eröffnung nach den fünfjährigen Renovierungsarbeiten: „Für den 1. Mai war die Wiedereröffnung vorgesehen, an diesem Tag herrschte ein richtiges Sauwetter, Gott sei Dank war vorher schon der Eröffnungs-Termin auf Wunsch des Bischofs verschoben worden und am 8. Mai konnten wir dann bei schönstem Bilderbuchwetter mit Prälat Georg Schneider feiern“. Das Ehepaar Osterhammer entsinnt sich noch gut an die damalige Predigt des Prälaten, der unter anderem sagte: „Die Gebete unzähliger Menschen sind geradezu aufgesogen von der Materie aus Ziegel, Holz und Stein. Lassen wir unsere Gebete hineinfließen, dann haben sich alle Mühen und Kosten gelohnt“. Und der Prälat fügte noch hinzu: „Wer seine Kunstdenkmäler und Güter verfallen lässt, kann auch nicht in der Lage sein, menschliche Not zu lindern“. Diesen Grundsatz ergänzt Hildegard mit ihrer persönlichen Einstellung wie folgt: „Unsere Vorfahren haben das Gotteshaus in großer Not erbaut, da ist es für uns heute eine moralische Pflicht, unseren Beitrag für den Erhalt des Bauwerkes zu leisten“.

Nachfolgerin für Regina Heinze, sie war fast 60 Jahre Mesnerin von St. Florian

Die Renovierungszeit war für die Mesnerin Regina Heinze eine intensive Zeit. „Lange war die Regina als gute Nachbarin der Kirche eine verlässliche Mesnerin, beim Florians-Gottesdienst 2011 wurde sie für 55 treue Mesnerdienstjahre geehrt, als sie bald darauf erkrankte, wurde ihr die Mesnerei zu hart und ich erklärte mich bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Einen Tag nach ihrem 90. Geburtstag verstarb sie. Als ihr Leichnam im nahen Wildenwarter Friedhof ins Grab gesenkt wurde, wurde sie mit dem Glockengeläut von ihrer Florikirche verabschiedet, das ging uns damals sehr nahe“ – so die heute noch aktive Mesnerin Hildegard Osterhammer. Seit der 500-Jahr-Feier ist die Kirche St. Florian noch bekannter geworden und es kamen und kommen immer wieder Wünsche zu Ausflügen, Gottesdiensten und Führungen.  Florianer aus St. Florian bei Linz oder Feuerwehren aus Franken kamen des öfteren nach Frasdorf und von dort wallfahrteten sie zu unserer Kirche und hielten Gottesdienst. Um das Wallfahrtsziel gut in Schuss zu halten, wird die Mesnerfamilie zu besonderen Anlässen tatkräftig unterstützt. Einmal im Jahr ist großer Kirchenputz, da kommen die Leute vom Floriwinkl (Hendenham, Niesberg, Greimelberg) als Florianer zur Mithilfe zusammen. Ansonsten bei Besuchergruppen, Taufen oder Hochzeiten schauen Hildegard und Franz nach dem Rechten. Nach Ende der Winterzeit, in der die Kirche geschlossen ist, wird wieder aufgesperrt. Am ersten Sonntag im Mai wird das Patrozinium gefeiert, da am 4. Mai der Heilige Florian Namenstag hat, weitere Gottesdienste um 10 Uhr sind am Pfingstmontag, 24. Mai, am Sonntag, 25. Juli (Hl. Anna/Nebenpatronin) und am Sonntag, 31. Oktober (Hl. Wolfgang/Nebenpatron). Führungen sind ab Mai bis einschließlich September jeden 1. Sonntag im Monat jeweils um 15 Uhr und auf Anfrage, Anmeldungen sind möglich beim Pfarrbüro, Telefon 08052-958980 oder bei Hildegard Osterhammer, Telefon 08052-2452.

Eine besondere Altargeschichte von St. Florian

Der aus Prien stammende Historiker Peter von Bomhard beschreibt in seinem Buch „Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Landkreises Rosenheim, Teil II, 1957) den Hauptaltar der Kirche St. Florian wie folgt: „Der Altar von St. Florian gehört, abgesehen von den neugotischen Zutaten, zu den künstlerisch wertvollsten unter den erhaltenen spätgotischen Altarwerken Oberbayerns; im Südosten dieses Bereiches wird er nur vom Hochaltar von Rabenden übertroffen“. Eine ganz besondere Beziehung zum Nebenaltar kann die Familie Osterhammer noch erzählen: „Der Wolfgangaltar entstand kurz nach dem Hauptaltar, aber er war ab dem Jahr 1858 für lange Zeit verschwunden“. Fünf Jahre zuvor – so die weiteren Nachforschungen – ließ ihn der damalige Frasdorfer Kooperator Peter Scheurl auf eigene Kosten restaurieren. Nachdem die Kirchenverwaltung diese Kosten nicht übernahm, überließ man den Altar dem Kooperator, dieser wurde 1858 versetzt, er nahm den Altar – rechtens – mit und der Altar war verschollen, doch der Zufall, so das Ehepaar Osterhammer führte ihn wieder zurück. „Als wir 1985 das Diözesan-Museum in Freising besuchten, da entdeckten wir ihn wieder und wir erfuhren, dass er 1980 von einem amerikanischen Privatmuseum kommend in Brüssel zum Kauf angeboten wurde. Die Figuren sollten ursprünglich einzeln verkauft werden, aber der Münchner Kunsthandel konnte ihn für das Diözesanmuseum als Ganzes erwerben und so als Einheit retten. Identifizieren konnte ihn der vor einigen Jahren verstorbene Prälat Dr. Sigmund Benker“. In vielen Schreiben, Gesprächen und Sitzungen setzten sich Hildegard und Franz Osterhammer für die Rückführung des Wolfgangaltares nach St. Florian ein, die 500-Jahr-Feier war dann ein akzeptierter Anlass und seither ist er wieder als Leihgabe an seinem Ursprungsort. „Der Altar ist für uns persönlich eine hohe Kostbarkeit in einem Kirchen-Juwel, das wiederum von schönster Chiemgauer Landschaft umgeben ist“ – so die Mesnerin, die sich als glühende Verehrerin des Heiligen Florian immer wieder auf Leute freut, die St. Florian einen Besuch abstatten.

Foto: Hötzelsperger – 1. Eindrücke von der Wallfahrtskirche St. Florian  –  2. Mesnerin Hildegard Osterhammer mit ihrem Mann Franz in „ihrer“ Kirche.

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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