Land- & Forstwirtschaft

Die Krottenhausmühle in Stephanskirchen – Buchvorlage und Brauerei

Bevor wir in die Geschichte der Krottenhausmühle eintauchen, bleiben wir erst einmal im Hier und Jetzt. Weil auf dem Gelände dieser denkmalgeschützten Bauten im Mai diesen Jahres wieder Leben eingezogen ist und weil hier etwas produziert wird, das Genießer im ganzen Landkreis und darüber hinaus immer mehr schätzen lernen: Die Biere der Simsseer Braumanufaktur.

Auf der Suche nach einem größeren Gebäude, in der die kleine Privatbrauerei die steigende Nachfrage nach Zwickl, Weißbier, Pils und Co. befriedigen kann, wurde das Team hier vor den Toren der Gemeinde Stephanskirchen fündig. In einem Gebäude direkt neben der Krottenhausmühle fühlten sich Thomas und Erika Riedrich mit ihren Leuten sofort wohl. Strahlt doch das Areal und dieses Kleinod an den Ufern der Sims genau das aus, was auch die Simsseer Biere auszeichnet: Tradition, Ursprünglichkeit und dieser gewisse Schuss Einzigartigkeit.

Tatsächlich: Wer einmal hier war, kann sich dem Zauber dieses Ortes nur schwerlich entziehen. Es ist vor allem das Ensemble von Gebäuden, das Denkmalschützer begeistert: Auf der einen Seite das imposante Bauernhaus, und direkt gegenüber die Mühle, die von außen zwar baufällig wirkt, im Inneren jedoch ein halbes Museum ist. Alle Gerätschaften sind noch original erhalten und wirken so, als ob der Müller nur mal eben kurz zum Brotzeit machen weggegangen wäre und gleich wieder das Mahlwerk anwerfen würde. Der Eindruck täuscht nicht. „Man könnte hier sofort wieder zum Mahlen anfangen und Mehl machen“, sagt Thomas Riedrich. Auch ihn zieht es in die Mühle. Er plant, in dem alten Gemäuer, bald einen Rampenverkauf zu machen und seine Bierspezialitäten vor Ort zum Mitnehmen anzubieten. Den Segen von Besitzer Konrad Lindner hat er bereits. Verändert werden soll in der Mühle jedoch nichts. Zu viel Historie steckt hier drin.

Tauchen wir jetzt also ein in vergangene Zeiten. Da wird die Krottenhausmühle erstmals in Dokumenten des 16. Jahrhunderts erwähnt. Geschichtsforscher stießen allerdings auch auf eine Urkunde aus dem Jahr 1492, in der von einem Rosenheimer Bürger namens Konrad Krottenhauser die Rede ist. War er der Namensgeber?

Andere Forscher gehen eher davon aus, dass dabei eher die Kröten an und in der Sims für den Namen verantwortlich waren. So wird der Ort im Jahr 1806 als „Krottenhausen“ bezeichnet und das soll sich vom althochdeutschen Wort „Krota“ (Kröte) ableiten.

Wie dem auch sei: Sicher ist, dass der erste Müller „Georg Khrotnhauser von Prugg“ hieß. Er wurde urkundlich 1580 erwähnt und er musste Pacht an den Grundherrn von Schloss Neubeuern abtreten, der damals Eigentümer war. In den Jahrzehnten und Jahrhunderten danach kamen die Besitzer der Mühle meist von den anderen Mühlen, die sich hinter der Krottenhausmühle entlang der Sims angesiedelt haben. Natürlich gab es an der Mühle immer wieder Um- und Ausbauten. So entstand 1864 das dazugehörige Bauernhaus neu, es war zur damaligen Zeit ein echtes Prunk-Gebäude, das für den Reichtum seiner Besitzer stand. Die letzte bauliche Veränderung stammt aus dem Jahr 1877.

Denkmalschutz und eine lange Geschichte sind das eine Thema der Krottenhausmühle – die Verbindung zu den Büchern des Wahl-Stephanskirchners Otfried Preußler das andere. Der manchmal düstere und fast unheimliche Eindruck der Mühle nährte nämlich das Gerücht, dass dieser Ort den Schriftsteller einst zu seinem Erfolgsroman „Krabat“ inspiriert hätte. Schließlich ging Preußler oft in der Gegend spazieren. Experten vermuten die geografische Heimat von „Krabat“ allerdings eher in der Nähe von Böhmen, dem Geburtsort des Autors. Kann sein. Doch Thomas Riedrich ist sich sicher: „Der „Krabat“ mag woanders beheimatet sein. Aber der „Kleine Wassermann“ spielt genau hier. Das zeigen auch Textabschnitte im Buch, in denen von einer nahegelegenen Pulvermühle die Rede ist – und die liegt tatsächlich gleich nebenan.“ Wer also einmal auf Otfried Preußlers Spuren wandeln will, sollte unbedingt einen Ausflug zur Krottenhausmühle machen. Und sich vorab über die Rampenverkaufszeiten der Simsseer Braumanufaktur erkundigen. Dann gibt’s zur Besichtigung der Buchvorlage gleich das passende Getränk. Authentischer geht’s kaum.

Text: af – Fotos: re

Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger – www.wendelstein-anzeiger.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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