Tourismus

Die Heimat als Reiseziel, für Deutsche immer beliebter

Immer mehr Deutsche machen Urlaub im eigenen Land. Die Ferien vor der Haustür zu verbringen, scheint mehr und mehr beliebter zu werden. Mit einer nationalen Tourismusstrategie unterstützt auch der Bundestag diese Entwicklung. Denn längst ist der Tourismus für Deutschland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Was die Deutschen dazu bewegt, ihre Heimat als Urlaubsort wieder zu entdecken und wie hierzu die ländlichen Regionen attraktiver gemacht werden können, war Thema einer Podiumsdiskussion im Steigenberger Hotel am Kanzleramt. Eingeladen hat Gerhard Kirsch vom TourismusDialog Berlin, am 13. November 2019.

Gesprächspartner waren Karl Holmeier, Mitglied des Deutschen Bundestages und Sprecher der CSU-Landesgruppe für Wirtschaft, Energie, Verkehr, digitale Infrastruktur, Bildung, Forschung und Tourismus, Norbert Kunz, Geschäftsführer vom Deutschen Tourismusverband DTV und Ernst-August Winkelmann, Inhaber des Spargel- und Erlebnishofes Klaistow/Brandenburg. Moderiert wurde das Gespräch von Elke Bitterhof, Journalistin und Dipl.-Ing. Ökonomin für Fremdenverkehr.

Herr Kirsch begrüßte die Gäste auf das Herzlichste und bedankte sich bei der Leiterin des Steigenberger Hotels, Frau Gabriele Maessen, für die Gastfreundschaft in Ihrem Hause.

Für die Deutschen ist inzwischen das eigene Land beliebtestes Urlaubsziel, mit 27 Prozent, vor Spanien und Italien. Das Potential hierzu ist aber noch lange nicht ausgeschöpft. Deshalb hat die Bundesregierung im Koalitionsvertrag vereinbart, eine nationale Tourismusstrategie zu erarbeiten. Diese soll dazu beitragen, den Tourismus u.a. auch nachhaltig zu gestalten. Herr Kunz zeigte sich erfreut, dass sich der Bund erstmals seit 1975 wieder dem Tourismus annimmt und hierfür auch Fördermittel bereitstellt. Der DTV hat seine Forderungen formuliert und wird damit in den Dialog mit eintreten.

Darüber hinaus besteht zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) ein Förderprogramm für strukturschwache Regionen, das auch dem regionalen Tourismus zu gute kommt. Hierzu meldete Herr Holmeier einen Erfolg für die 5G-Versorgung im ländlichen Raum. So werden z. B. in seiner Region die Bundesstraßen 20 und 85 als wichtige Verkehrsadern bevorzugt für diesen Mobilfunk-Standard erschlossen. Zudem ist eine Bundes-Mobilfunk-Infrastrukturgesellschaft im Entstehen, um noch die „weißen Flecken“ zu erschließen, die für Anbieter unrentabel sind. Dazu liegt auch ein Vorschlag von Herrn Holmeier auf dem Tisch, hierzu die private Wirtschaft mit einzubinden. Wir kommen schneller voran, wie in der Öffentlichkeit dargestellt, so Herr Hohlmeier.

Bis zum Jahr 2025 will die Deutsche Telekom 99 Prozent der Bevölkerung und 90 Prozent der Fläche mit 5G versorgen. Als weiteren Erfolg meldete Herr Holmeier eine Vereinbarung zwischen der deutschen und der tschechischen Netzagentur, zur Verbesserung der Mobilfunkversorgung an der tschechischen Grenze. Auch der Bahnverkehr gehört mit zum Tourismus. Um entlang der Bahnverbindungen die  Mobilfunkversorgung zu verbessern, hat das Verkehrsministerium ein  50 Millionenprogramm aufgelegt.

Nicht so optimistisch äußerte sich Herr Holmeier zum Thema Nachhaltigkeit.  54 Prozent der deutschen Urlauber wollen zwar nachhaltig Urlaub machen, aber nur 7 Prozent machen es tatsächlich. Da ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Für seinen Wahlkreis Cham zeigte er jedoch eine äußerst positive Entwicklung auf. Mit zahlreichen Attraktionen, wie renaturierte Seenlandschaften, Wellness-Angebote, Babyhotel, Wanderwege, Handy-freies Hotel, usw. und sogar barrierefreier „Aufstieg“ zum Arber, haben die Buchungen, die 2,5 Millionengrenze erreicht. Die besten und schönsten Hotels sind bei uns, mit 8000 qm Wellness, verkündete Herr Holmeier mit Stolz. Dazu merkte er scherzhaft an: 14 Tage Urlaub in meinem Wahlkreis, und sie kommen 10 Jahre jünger nachhause.

Insgesamt hat Bayern den Spagat zwischen authentische Tradition und den Anspruch der jungen Touristen gemeistert, gemäß dem Slogan „Mit Labtop und Lederhose“, so Herr Holmeier. Mit einem Gaststättenmodernisierungsprogramm will es Bayern auch schaffen, wieder die jungen Leute ins Dorfwirtshaus zu bringen.

Eine große Change für den Landtourismus ist die Digitalisierung, darin waren sich alle Gesprächspartner einig. Dies ist auch das Schwerpunktthema auf dem diesjährigen Tourismustag in Rostock. Herr Kunz verwies zudem auf die Bedeutung der Themen, wie nachhaltiges Reisen, barrierefreies Reisen, Arbeitszeit-Flexibilisierung im Gaststättengewerbe und Bildungsreisen. Gerade die Bildungsreisen haben sich positiv entwickelt. Man will Entspannung und Bildung gleichzeitig, so Herr Kunz. Auch ausländische Fachkräfte im Tourismus ist ein wichtiges Thema. Deutschland ist darauf angewiesen. Da sich die Touristen heutzutage auch was leisten, ist es wichtig, den Standard im Tourismus anzuheben und somit auch die Anforderungen an das Personal.

Von der Erfolgsgeschichte seines Spargel- und Erlebnishofes Kleistow berichtete Herr Winkelmann. Es ist ein positives Beispiel der Deutsch-Deutschen Wiedervereinigung vor dreißig Jahren, die menschlich wie wirtschaftlich gut funktioniert hat, entstanden im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen dem brandenburgischen Glindow und Stadt Rahden (NRW), der Heimatstadt von Herrn Winkelmann. Zusammen mit dem Gärtnermeister Jörg Buschmann nahm Herr Winkelmann nach der „Wende“ die Wiederbelebung der Tradition des Beelitzer Spargelanbaus in Kleistow in Angriff. Dies war der Grundstein für den Erlebnishofes Klaistow.  Dazu kamen dann später noch der Heidelbeer-, Erdbeer und Kürbisanbau.

Das Erfolgsrezept ist die „gläserne Produktion“. Wir möchten, dass der Gast bei uns das Land erleben, frische regionale Produkte genießen und sich rundherum wohl fühlen kann. Der Endverbraucher ist daran interessiert, was da auf dem Teller kommt, so Herr Winkelmann. Mit der vielseitigen Präsentation der Produkte Spargel, Kürbisse, Heidelbeeren, ja sogar Stroh und inzwischen auch Freilandgänse, hat es Herr Winkelmann mit seinem Team geschafft, jährlich über 10 000 Gäste ins Berliner Umland zu locken. Auch die Attraktionen in der Umgebung, wie Waldgipfelpfad, etc. haben dazu beigetragen. Je mehr um uns herum geschieht, umso mehr Gäste kommen, betont Herr Winkelmann.

Am Ende der Diskussion kamen die Gesprächspartner zu dem Resümee, dass, wenn die Politik die Rahmenbedingungen schafft und somit die Infrastruktur stimmt, bleiben viele Touristen auch im eigenen Land. Der Trend ist, dass die Leute zwar kürzer Urlaub machen, dafür aber öfter, anspruchsvoller und regionaler.

Bericht und Fotos: Helmut Amberger, Freier Mitarbeiter der Samerberger Nachrichten und Vorsitzender vom Verein der Bayern in Berlin e.V.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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