Leitartikel

Die Glocken-Geschichte von St. Salvator

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Am Sonntag, 11. April ist Kirchenpatrozinium in St. Salvator (Gemeinde Rimsting), um 8.30 Uhr wird mit Pater Joshy ein festlicher Patroziniums-Gottesdienst gefeiert. Dieser wird auch ins Freie übertragen, dort stehen Stühle zur Verfügung. Zur Einstimmung auf den Sonntag möge diese Glocken-Geschiche dienen.

Bis in das 12. Jahrhundert reicht die Geschichte der Filial- und Wallfahrtskirche St. Salvator, Gemeinde Rimsting und Pfarrverband Westliches Chiemseeufer nach den Aufzeichnungen des Priener Historiker Dr. Peter von Bomhard zurück.  Der heutige Bau entstand im 15. Jahrhundert als mittelalterliche Hostienkirche, 1472 wurde sie vom damaligen Bischof vom Chiemsee Bernhard von Kraiburg geweiht. Aus dieser Zeit stammt im Turm der 34 Meter hohen Kirche eine – im übrigen 34 Zentner schwere  – außergewöhnliche Glocke, der besonderen Geschichte dieser Glocke spürte Wolfgang Bude vom Heimat- und Geschichtsverein Aschau i. Chiemgau nach.

Bei dieser Glocke handelt es sich um eine der schönsten Glocken des 16. Jahrhunderts in der Erzdiözese München-Freising, wie Kirchenmusikdirektor Gerald Fischer vom Erzbischöflichen Ordinariat vor einigen Jahren in einem Gutachten feststellte. Für Wolfgang Bude hat sie auch noch eine ganz eigene Beziehung zum gesamten Priental. An einem Samstagnachmittag um 15 Uhr beim traditionellen Einläuten des Sonntags machte sich Wolfgang Bude in Begleitung von Mesner Wast Wimmer auf den Weg zum Glockenturm. Nach drei engen Treppen und zwei steilen Leitern war der Glockenraum erreicht. Dort berichtete Wolfgang Bude über den Spender der Glocke: „Pankraz von Freyberg (*1508 +1565), Inhaber der Hochgerichts-Herrschaften Hohenaschau und Wildenwart (seit 1540), war wohl der bedeutendste seines berühmten Adelsgeschlechts. Sein Einfluss auf die Politik im damaligen Herzogtums Bayern war maßgeblich. Den Höhepunkt seines Schaffens erreichte er in den Jahren 1550 – 1557. Vom jungen Herzog Albrecht V. von Baiern war er bereits als Rat in die Hofkammer aufgenommen worden. Von 1553 an diente er dann am Münchner Hof als Hofmarschall und bekleidete damit eines der vier höchsten Staatsämter des Herzogtums Baiern. Ein Beispiel dafür, dass er sich trotz der hohen Stellung auch um die Belange in seinem Herrschaftsgebiet kümmerte, ist die Glocke von St. Salvator“. Dass diese Glocke heute noch erklingt, hat mit Mut und Zufällen zu tun.

Die Freyberg-Glocke  von Prien-St. Salvator  –  In den Aufzeichnungen von Peter von Bomhard heißt es: „1551 schlug das `Hochwetter` in den Turm der Priener Pfarrkirche, beschädigte („erschlug“) den Helm und zerspaltete die große Glocke.“ Und Wolfgang Bude ergänzt: „Die Kirchenpröpste der Pfarrkirche unternahmen daraufhin große finanzielle Anstrengungen, um den Gesamtschaden zu beheben und u.a. eine neue Glocke gießen zu lassen. Dabei mag Pankraz von Freyberg seine Unterstützung geleistet haben, wie sein Wappen und die Inschrift auf der Glocke vermuten lassen“. In der Priener Pfarrkirche verblieb die Freyberg-Glocke als einzige Glocke als im Ersten Weltkrieg die Glocken zum Einschmelzen eingesammelt wurden. Als dann 1924 die Priener Pfarrkirche ein ganz und gar neues Geläut bekam, da wurde die Freyberg-Glocke an die Nebenkirche St. Salvator abgegeben und sie ergänzte dort   zwei weitere, dort bereits befindliche Glocken. Diese beiden Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg abgeliefert und eingeschmolzen, zurück blieb erneut die Freyberg-Glock. Zu verdanken war und ist dies dem damaligen Kirchenpfleger Andreas Fischer, Schneiderbauer von Pinswang (verstorben im Alter von 98 Jahren im Jahr 1973). Er versteckte die nicht auf der offiziellen Abgabe-Liste befindliche Glocke unter Lebensgefahr im oberen Kirchturmbereich und so konnte sie am Pfingstsonntag 1945 und im Juli 1946 bei der Primiz des Heimatpriesters Johann Möderl aus Krinning erstmals und wieder erklingen. Die alte Wetterglocke wird heute von noch zwei kleineren Glocken im Geläut ergänzt, diese wurden von der Firma Czudnochowky aus Erding gegossen.

Wolfgang Bude fasst seine Eindrücke nach seinem Turmbesuch wie folgt zusammen: „Die Freyberg-Glocke ist eine wahre Schönheit aus der Renaissance. Drei Bilder sind auf ihr eingegossen: ein Kreuz, eine Muttergottes und das Wappen des Pankraz von Freyberg (Aschauer Dreiberg kombiniert mit den drei Sternen der Freyberg) mit der Jahreszahl 1552. Darunter: „PANGRACZ VON FREIBERG ZU ASCHAU UND WILTENBART“. Sie wiegt 1.3 t und stammt aus der bekannten Münchner Glockengießerei Steger.  Unter Kreuz und Muttergottes hat sich der Gießer verewigt: „AM G H WOLFGSTEG DER IUNGER GOSEN MICH IN MINCHEN AO DI MDLII IAR“ (Wolfgang Steger der Jüngere, goss mich in München im Jahr des Herrn 1552). Die lateinische Inschrift am unteren Rand, geprägt in Großbuchstaben heißt frei übersetzt etwa: „Die mit himmlischen Segen getaufte Glocke vertreibe durch ihre göttliche Kraft alle Unwetter und Dämonen“.

Eine besondere Rarität aus der Freyberg-Zeit des 16. Jahrhunderts  –  Wolfgang Bude als excellenter Kenner der Prientaler- Wildenwarter und Aschauer Herrschafts-Geschichten erklärt die besondere Bedeutung der großen Wetterglocke von St. Salvator noch in folgendem Zusammenhang: „Außer dieser Glocke existieren nicht mehr viele dreidimensionale originale Gegenstände aus der Hohenaschau-Wildenwarter Freyberg-Zeit des 16. Jahrhunderts. Das in Eisen gegossene Freyberg-Wappen am unteren Tor der Burg Hohenaschau z.B., ist noch eines der wenigen Zeugnisse. Es stammt von 1561 und Pankraz ließ es nach Fertigstellung der Bastei anbringen. Ansonsten sind die schönsten und sicher wertvollsten  Exponate aus der ehemaligen Rüstkammer der Herren von Freyberg (15./16. Jhdt.) im New Yorker Metropolitan Museum und in der Wallace Collection in London zu besichtigen. Umso erfreulicher, dass es diese ehrwürdige Glocke in unserer Chiemgauer Heimat noch gibt.“

Mesner Wast Wimmer zum Verlust eines Glockenschwängels  –  Der seit 35 Jahren ehrenamtlich dienstleistende Mesner Wast Wimmer weiß unter anderem diese Glockengeschichte von St. Salvator zu erzählen: „Die Freyberg-Glocke verlor einmal in voller Aktion ihren Glockenschwängel! Dieser segelte durchs Turmfenster und schlug unmittelbar neben der an der Kirche vorbeiführenden Straße ein. Zum Glück kam niemand zu Schaden. Der Schwengel wurde durch einen etwa 10 kg leichteren ersetzt. Das wirkte sich aber nur ein bisschen auf den Klang aus“

Fotos: Hötzelsperger – 1. Mit Wolfgang Bude und mit Mesner Wast Wimmer auf dem Glockenturm von St. Salvator –  2. Die Freyberg-Glocke  – 3. Die Kirche St. Salvator – 4. Blick von Glockenturm nach Pinswang bzw. zum Friedhof.

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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