Kirche

Die Geschichte der Wallfahrtskirche St. Salvator

Die Wallfahrtskirche St. Salvator im Rimstinger Ortsteil Sankt Salvator liegt an der Straße von Prien nach Wildenwart.

Der Legende nach geht die Gründung der Kirche von St. Salvator auf einen Hostienfrevel zurück. Eine mit Schuld schwer beladene Frau aus Siggenham soll die heilige Kommunion in Prien empfangen haben. Sie hat die Hostie jedoch nicht verzehrt, sondern diese heimlich aus dem Mund genommen und in ihrer Hand aufbewahrt haben.

Auf dem Heimweg legte die Frau das hl. Brot in einem unbeobachteten Moment auf den Boden. Im selben Augenblick versank die Hostie vor den Augen der zu Tode erschrockenen Frau in der Erde. Die verschwundene Hostie wurde als Wunder gedeutet, was zum Bau der Kirche St. Salvator führte. Eine Grube an der Rückseite des Altars erinnert bis heute daran. Heilungssuchende haben früher daraus Erde entnommen, um damit ihre Gebrechen zu behandeln.

Bezeugung des ersten Baus reicht bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. So erscheint im  Traditionskodex des Stiftes Herrenchiemsee die Kirche als  „Sancti Salvatoris“. Der heutige Bau entstand im 15. Jahrhundert. Während das Äußere noch von dieser Bauphase zeugt wurde der Innenraum umgestaltet und erhielt im Großen und Ganzen sein Aussehen im 17./ 18. Jahrhundert.

Ursprünglich  stand die Kirche ganz frei inmitten von Äckern und Wiesen. Erst im  19. Jahrhundert begannen Menschen sich um die Kirche herum anzusiedeln. Der so entstandene Ort nennt sich ebenfalls St. Salvator.

Im Zentrum der Kirche steht der prachtvolle frühbarocke, im 17. Jahrhundert geschaffene Hochaltar, er steht  genau auf der Stelle, an der die Hostie im Boden verschwunden sein soll.

In der Mitte des Hochaltars zeigt  eine Schnitzgruppe der Krönung Mariens durch die heilige Dreifaltigkeit (um 1520).  Von 1655 bis 1959 befand in der Mitte des Altares das Wallfahrtsbild, „Der leidende Heiland“, heute –leider- seitlich in der Kirche.

Die Schnitzgruppe wird durch die Wetterpatrone St. Johannes und Paulus (röm. Stadtheilige, nicht die Apostel!) flankiert. Der Aufsatz des Altars zeigt ein Bildnis der hl. Maria Magdalena ebenfalls aus der Barockzeit. An der Stelle der 1959 entfernten Seitenaltäre befinden sich zwei Statuen aus dem 17. Jahrhundert: Links die Schmerzhafte Mutter Gottes, rechts das Gnadenbild der Kirche.

Im Turm befindet sich eine Glocke von 1552, auch „Freyberg Glocke“ genannt, ehemals im Turm der Pfarrkirche Prien. Sie kam im Zuge der Säkularisation 1803 vom Dom auf der Herreninsel nach Prien. Sie wurde in München gegossen und ist einer der schönsten Glocken des 16. Jahrhunderts in der Erzdiözese München und Freising. Sie wiegt 1.300 Kilogramm und  wurde von „PANGRATZ VON  FREYBERG ZV ASCHAV UND WILTENWART“ gestiftet, so steht es auf der Glocke. 1924 kam sie nach St. Salvator zu neuen großen Ehren als Haupt- und Wetterglocke.

Im 2. Weltkrieg sollte sie für Kanonen eingeschmolzen werden. Der Kirchenpfleger  Andreas Fischer hängte  zusammen mit Vertrauten die „Freyberg Glocke“  im Turm ein Stockwerk höher und versteckt sie dort. Am Pfingstsonntag 1945 erklang die „Freyberg Glocke“ wieder als Haupt-und Wetterglocke, zur Messe und wenn Sturm und Gewitter aufzogen.

Der Mesner von St. Salvator, Wast Wimmer, kennt seine Kirche in und auswendig und weiß viele Details zu erzählen. Er weiß auch, dass sich die dort lebenden Menschen bei Bedrohungen in die Kirche zurückgezogen haben. Bei längeren Belagerungen nutzten sie das Erdloch hinter dem Hochaltar, wo die Hostie verschwunden war. Von dort hatten sie einen unterirdischen schmalen Gang am Steilabfall runter zur Aumühle an der Prien als Fluchtweg gegraben. Damit konnten sie sich mit Essen und Wasser versorgen. Dieser Gang ist heute noch größtenteils erhalten, auch der Eingang unten an der Prien ist noch zu sehen. Dort haben jetzt viele Fledermäuse ihre Nistplätze.

Die Wallfahrt zu “Unserm lieben Herrn ober Prien” blühte nachweislich schon im Spätmittelalter und erreichte bis zu Säkularisation 1803 ihren Höhepunkt, als alljährlich 18 Pfarreien und Kreuztrachten hierher kamen. Sie zählte seinerzeit  zu den meistbesuchten Gnadenstätten im Chiemgau. Später sind  die Wallfahrt immer weniger geworden. Heute kommen lediglich einmal im Jahre noch Pilger aus den Pfarreien Halfing, Höslwang und Rimsting.

Bericht und Fotos: Johann Nußbaum

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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