Natur & Umwelt

Die Geier kommen

Veröffentlicht von Günther Freund

Am 10. Juni 2021 ist es soweit: Dann werden im Nationalpark Berchtesgaden erstmals zwei junge Bartgeier aus spanischer Nachzucht ausgewildert. In Kooperation mit dem bayerischen Naturschutzverband LBV beteiligt sich der Nationalpark damit an einem internationalen Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen. Über 100 Jahre nach seiner Ausrottung kehrt der große, aber völlig harmlose Greifvogel wieder zurück in die deutschen Alpen. Interessierte Naturfreunde können die Auswilderung live im Internet verfolgen.

Der Auswilderungstag junger Bartgeier glich in der Vergangenheit in vielen Regionen der Alpen einem Volksfest. „Leider ist es uns aufgrund der aktuellen Corona-Bedingungen nicht möglich, ein großes Fest für alle zu veranstalten“, bedauert Nationalparkleiter Dr. Roland Baier. „Die aktuellen Auflagen erlauben uns leider nur einen sehr kleinen Kreis geladener Gäste, dafür bitten wir um Verständnis“.

Doch fest steht: „Das Projekt zwischen LBV und Nationalpark Berchtesgaden ist auf zehn Jahre angelegt und wir gehen davon aus, dass wir schon im kommenden Jahr alle interessierten Natur- und Vogelfreunde zu der nächsten Auswilderung einladen können“, erklärt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Für alle Interessieren, die am Auswilderungstag vor Ort nicht dabei sein können, haben sich Nationalpark und LBV alternative Angebote einfallen lassen: So wird das kleine Team, das die Geier zu Fuß in die in ausgesetzte, im alpinen Gelände gelegene Auswilderungsnische trägt, mit einer Livekamera begleitet. Die Daten werden in Echtzeit per Videostream auf die Facebookseite des Nationalparks Berchtesgaden übertragen. Detailinformationen gibt es rechtzeitig auf den Webseiten von LBV und Nationalpark sowie im Nationalpark-Facebook. Je nach Verlauf wird die Auswilderung hier ab ca. 12:45 Uhr live übertragen. Außerdem ist eine Webcam direkt in der Freilassungsnische im Einsatz, die unter www.lbv.de/bartgeier-webcam rund um die Uhr aufgerufen werden kann. Ab sofort bieten LBV und Nationalparkverwaltung außerdem regelmäßig geführte Wanderungen an, bei denen das Projektteam über die Wiederansiedlung informiert. Mit etwas Glück können dabei auch die jungen Bartgeier beobachtet werden. Am Halsalmweg auf rund 1150 m Höhe richtet die Nationalparkverwaltung darüber hinaus dauerhaft eine personell betreute Beobachtungsstation für Gäste ein. Hier können interessierte Naturfreunde mit leistungsstarken Fernrohren einen Blick in die Auswilderungsnische werfen und sich aus erster Hand über Bartgeier, Steinadler und Co. informieren. Informationen zur Anmeldung zu Führungen und zur Besetzung der Beobachtungsstation gibt es auf den Webseiten von LBV und Nationalpark. „Ende Juni werden die jungen Bartgeier flügge sein und ihre Auswilderungsnische verlassen. Dann können die Vögel voraussichtlich bis zum Herbst im Klausbachtal und in der näheren Umgebung auch selbstständig beobachtet werden“, ergänzt Nationalparkmitarbeiter und Greifvogel-Experte Ulrich Brendel.

 

Die beiden jungen Bartgeier aus einer spanischen Aufzuchtstation sind wohlbehalten in der Quarantänestation des Tiergartens der Stadt Nürnberg eingetroffen. Hier werden die beiden Jungvögel untersucht, besendert, beringt und einzelne Federn zur verbesserten Wiedererkennung im Flug gebleicht. Am Donnerstag machen sich die Tiere auf die Reise zur Auswilderung im Nationalpark Berchtesgaden.

 

Inzwischen sind die jungen Bartgeier aus Spanien nach einer dreitägigen Reise in einem klimatisierten Spezialfahrzeug für Tiertransporte in der Quarantänestation des Tiergartens der Stadt Nürnberg in Schwaig eingetroffen, wo sie vom stellvertretenden Direktor Dr. Jörg Beckmann in Empfang genommen wurden. Im Alter von rund 90 Tagen hatten sie zuvor ihre Voliere in einer Zuchtstation der Vulture Conservations Foundation (VCF) in Andalusien/Spanien verlassen, wo sie jeweils von einem Zuchtpaar ohne menschliche Einflussnahme großgezogen wurden. In Nürnberg werden sie nun auf die Auswilderung am Donnerstag im Nationalpark Berchtesgaden vorbereitet und dafür beringt, markiert und besendert. „Wir sind ausgesprochen glücklich und begeistert, dass die beiden jungen Bartgeier nun in Bayern angekommen sind und es nur noch wenige Tage bis zur Auswilderung dauert. Für uns als Artenschützer ist das wie das schönste Weihnachtsfest kurz bevor das Christkind kommt – so fühlt sich diese Ankunft an“, sagt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Die ersten beiden zukünftigen bayerischen Bartgeier sind derzeit wohlauf und akklimatisieren sich.

 

LBV-Vorsitzender Dr. Norbert Schäffer (r.) überreichte kürzlich eine Bartgeier-Skulptur an Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel (l.). Die originalgroße Holzskulptur hat der Berchtesgadener Holzschnitzer Marinus Brandner (Mitte) in Handarbeit angefertigt.  

Der Bartgeier ist der größte Vogel der Alpen. Um die Dimensionen dieses eindrucksvollen, aber völlig harmlosen Aasverwerters deutlich zu machen, überreichte LBV-Chef Schäffer kürzlich eine Holzskulptur an Projektleiter Ulrich Brendel. Die Bartgeier-Skulptur ist eine Original-Arbeit des Berchtesgadener Holzschnitzers Marinus Brandner. Die Skulptur, die Brandner aus dem weichen Holz einer Weymouth-Kiefer aus Österreich geschnitzt hat, ist ab Donnerstag in der Nationalpark-Informationsstelle Hintersee („Klausbachhaus“) zu besichtigen, ebenso wie der Holzschnitt eines fliegenden Bartgeiers. Die Skulptur ist Teil einer öffentlichkeitswirksamen Wanderausstellung zum Bartgeier, die derzeit konzipiert wird und künftig in Bayern und darüber hinaus auf Reisen gehen soll.

 

Pressemitteilung Nationalparkverwaltung Berchtesgaden vom 07.06.21

Über den Autor

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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