Tourismus

Fachforum Wandern: Wanderboom positiv lenken

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Währen der Corona-Pandemie hat das Wandern nicht nur in der Bevölkerung Deutschlands einen kräftigen Boom erlebt. Auch in den Niederlanden wird seit Beginn der Pandemie häufiger gewandert. Das stärkt die Gesundheit, hat aber auch Nachteile etwa in Form von mehr Müll. Nötig ist deshalb eine „positive“ Besucherlenkung: So etwa lassen sich die Ergebnisse des gestrigen Fachforums Wandern zusammenfassen.

Aufgrund der Corona-Pandemie fand die gemeinsam vom Deutschen Wanderverband (DWV) und der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) organisierte Veranstaltung in diesem Jahr nicht wie gewohnt als Präsenzveranstaltung während der ITB statt, sondern virtuell mit rund 400 Teilnehmer*innen. Dass die Nachfrage nach Wanderwegen aufgrund der Corona-Pandemie im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 stark angestiegen ist, haben zwei DWV-Befragungen im Sommer und Herbst vergangenen Jahres ergeben: 92 Prozent der Befragten registrierten im Jahr 2020 eine sehr hohe oder hohe Frequentierung auf Wanderwegen. Gefragt hat der DWV auch nach Konflikten zwischen Wanderern und anderen Nutzern von Wanderwegen sowie Umweltbeeinträchtigungen. 53 Prozent der Befragten sahen verstärkte Umweltbeeinträchtigungen wie mehr Müll und höheres Verkehrsaufkommen durch die stärkere Nutzung der Wanderwege. Die Mehrheit der Befragten (56%) beobachtete mehr Nutzungskonflikte.

Dass sich das Wandern auch in den Niederlanden immer größerer Beliebtheit erfreut, berichtete während des Forums Michaela Klare von der DZT. „Im Deutschlandurlaub der Niederländer*innen gehört Wandern mit 53 Prozent zur beliebtesten Aktivität, deutlich vor dem Radfahren.“ 2020 hätten sich die Urlaubsaktivitäten nochmals mehr auf die Natur konzentriert. Eine veränderte Altersstruktur, das steigende Gesundheitsbewusstsein und das Bedürfnis nach Ausgleich in der Natur werde den Wandertrend auch zukünftig unterstützen. Die mit dem Wanderboom verbundenen Nebeneffekte wie Nutzungskonflikte oder vermehrtes Müllaufkommen besonders an den Hotspots machten neben einem verstärkten Perspektivwechsel und Dialog aller Beteiligten eine „positive“ Besucherlenkung nötig, so Erik Neumeyer, stellvertretender DWV-Geschäftsführer. Diese sei besonders in der zu Ostern beginnenden Wandersaison unverzichtbar, um Probleme zu vermeiden. Neumeyer definiert Besucherlenkung als „Qualitätsmanagement, bei dem Wegenetze und weitere Infrastruktur unter Wahrung von Naturschutzbelangen so angelegt werden, dass sie Wandernden ein möglichst schönes Wandererlebnis bieten“. Dabei seien indirekte Lenkungsmaßnahmen wie Anreize und Informationen besonders geeignet. „Anreize sind besser als Verbote! Nur transparente und im Einzelfall gerechtfertigte Einschränkungen werden akzeptiert“, so Neumeyer. Außerdem dürfe das freie Betretensrecht nicht in Frage gestellt werden. Dies gelte auch bei intensiver Nutzung des Wegenetzes, wie während der Corona-Pandemie.

Den Praktikern vor Ort empfiehlt Neumeyer eine Angebotsanalyse unter der Frage „Wo kann es voll werden?“. Das könne Wege oder Wegepassagen ebenso betreffen wie Wanderparkplätze oder den ÖPNV. Um Abhilfe zu schaffen, seien zusätzliche Ausgangspunkte für Wanderungen denkbar, ebenso wie eine räumliche Entflechtung. Hier schaffe besonders ein gut organsiertes Wanderwegenetz wie in den „Qualitätsregionen Wanderbares Deutschland“ echte Flexibilität. Um Ansammlungen von Wandernden zu vermeiden, könne es auch sinnvoll sein, auf besonders beliebten Routen Gehrichtungen zu empfehlen. Würden die Parkplätze knapp, könnten Kooperation mit Supermärkten und Firmen sowie die Nutzung von deren Parkplätzen am Wochenende sinnvoll sein, ebenso wie zusätzliche temporäre Haltepunkte im ÖPNV oder zusätzliche digitale Tourentipps auf dem bestehenden Wegenetz. Nicht zuletzt würden die Angebote des DWV und seiner Mitglieder praktisch dabei helfen, die Lage zu entzerren. Das Wanderportal www.wanderbares-deutschland.de etwa enthalte eine riesige Auswahl von Wanderwegen und -Regionen sowie Fernwegen mit der Beschreibung einzelner Etappen. Selbst ein Kurs zum Kartenlesen sei dort als Video zu bekommen. Neumeyer: „Mit  einer Wanderkarte können Wandernde völlig unabhängig weniger besuchte und dennoch schöne Routen für sich entdecken.“ Um das Infektionsrisiko während der Pandemie gering zu halten, habe der DWV unter https://www.wanderverband.de/corona-wegweiser zudem Corona-Wegweiser veröffentlicht.

 Auch die anderen Referate des Fachforums Wandern beschäftigten sich mit der Besucherlenkung. So sprach Liane Jordan, bei der Deutscher Wanderverband Service GmbH zuständig für die Qualitätsinitiative „Wanderbares Deutschland“ über „Angebot in der Fläche – Best Practice Qualitätsregion“ und Eric Magut, der bei der Deutscher Wanderverband Service GmbH Zuständige für das Thema Digitales Wegemanagement, stellte vor, wie das Online-System „NatursportPlaner“ die Arbeit bei der Besucherlenkung erleichtert. Eine Vorschau auf das kommende Magazin „Wanderbares Deutschland“ schließlich gab dessen Herausgebe Uli Pramann.

Bericht: www.wanderbares-deutschland.de   – Foto: Hötzelsperger – Wandern zur Wildbichlalm 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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