Leitartikel

Der stille, aber wichtige Freundeskreis für das Kloster Frauenwörth

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Frauenchiemsee (hö) – Die gewöhnliche Stille der Insel Frauenwörth im Chiemsee – insbesondere in dessen Kloster – ist in Corona-Zeiten noch größer geworden. So ist es auch stiller geworden um den Freundeskreis Frauenwörth, dessen Aufgabe und Ziel es ist, die Benediktinerabtei auf ihrem Weg in die Zukunft zu unterstützen. Die Abtei ist, in Fortführung der zwölfhundertjährigen benediktinischen Tradition, ein religiöser und geistiger Mittelpunkt in den Strömungen einer spannenden Zeit und zugleich eine Insel für Besinnung, Bildung und Dialog. Vorsitzende des Freundeskreises ist Annemarie Biechl, vormalige Abgeordnete des Bayerischen Landtags und Ehren-Landesbäuerin von Bayern. Mit ihr trafen wir uns im Kloster Frauenwörth und konnten nachfolgendes Interview führen:

Frage: Wie und wann kam es zur Gründung des Freundeskreises Frauenwörth?

Antwort: Durch die schrittweise Schließung des Schulbetriebes in den Neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, erst das Gymnasium und dann die Berufsfachschulen ,hat sich die Einkommenssituation des Klosters sehr zugespitzt. Lorenz Kollmannsberger, damals Bürgermeister von Prien und Zweiter Landrat von Rosenheim hat die Sorgen des Konvents aufgegriffen und mit dem Chef der Messe München, Herrn Gerd vom Hövel unter dem Vorsitz von Alois Glück 1994 den Freundeskreis gegründet. Es wurden mit dem Klosterladen und dem Seminarbetrieb neue Einkommensmöglichkeiten geschaffen. Ziel des Vereins war und ist, das Kloster auf dem Weg in die Zukunft zu unterstützen und zu begleiten. Noch heute sind wir sehr dankbar für diese mutige und erfolgreiche Initiative, die es seit nunmehr 27Jahren gibt.

Frage: Wieviele Mitglieder hat der Freundeskreis derzeit und wer kann sich dieser Gemeinschaft anschließen?

Antwort: Der Freundeskreis hat im Moment exakt 852 Mitglieder und Jeder, dem wie uns, das kulturelle Kleinod im Chiemsee und die Unterstützung der benediktinischen Gemeinschaft am Herzen liegt, ist bei uns als Mitglied herzlich willkommen.

Frage: Wie kann man sich anmelden und was kostet der Beitrag?

Antwort: Der Mindestjahresbeitrag ist 25 €.

Die Anmeldung kann entweder direkt über unsere Hompage www. freundeskreis-frauenwoerth.de erfolgen, bei einem Besuch auf der Insel einen der Flayer ausfüllen oderdurch persönliche und telefonische Kontakte.

Frage: Welche Informationen erhalten Mitglieder zum Verein und Kloster und welche Aktivitäten werden angeboten?

Antwort: Mitglieder erhalten, soweit wir im Besitz der E-Mail-Adressen sind, unseren Freundeskreis-Newsletter. Da erfahren sie in der Regel alles, was sich im Freundeskreis, aber auch im Kloster getan hat und was für die nächste Zukunft geplant ist. Einmal jährlich gibt es die „Grüße aus der Abtei“, in denen alles Wissenswerte des letzten Jahres aus dem und ums Kloster zu erfahren ist. Außerdem kommt per Post der Mitgliederbrief und die Einladung zur jährlichen Mitgliederversammlung auf Frauenwörth. Nach dem diese ja pandemiebedingt 2020 und 2021 ausfiel, planen wir die nächste für den 14. Mai 2022.

Frage: Welche Aufgaben hat das Kloster in der heutigen Zeit?

Antwort: Das Kloster Frauenwörth mit seiner 1200jährigen Tradition strahlt mit seiner Spiritualität durch einen lebendigen und aktiven Konvent weit über den ganzen Chiemgau hinaus.  Es bietet Frauen, die nach benediktischen Regeln „ora et labora“, in einer kontemplativen Gemeinschaft leben wollen, auf der wunderbar gelegenen Fraueninsel die Möglichkeit dazu. Andererseits bietet das Kloster vielen Menschen, die auf der Suche nach Besinnung, Ruhe, Einkehr und Bildung sind, in den Seminaren oder im klostergeführten Haus „Scholastika“ entsprechende Angebote.

Frage: Wie ist es der Klostergemeinschaft in der Corona-Zeit gegangen? Welche finanziellen Nachteile hat die Pandemie dem Kloster und dem Freundeskreis gebracht?

Antwort: Gott sei es gedankt, dass alle Mitglieder des Konvents ohne Infektion durch diese Pandemie gekommen sind. Die sich durch die Schließung aller klösterlichen Betriebe ergebene, finanzielle Situation ist natürlich weniger erfreulich.

Frage: In welcher Form unterstützt der Förderverein das Kloster? Was waren die letzten Projekte?

Antwort: In unserer Satzung steht, dass der Freundeskreis den Konvent auf seinem Weg in die Zukunft begleitet und unterstützt. In erster Linie ist das natürlich finanzielle Unterstützung durch die Mitgliedsbeiträge, wir werben um Spenden und starten entsprechende Projekte. Als im Juni 2011 der Hagel die Westseite des Klosters in Mitleidenschaft gezogen hat, wurde deutlich, dass ein Großteil der Fenster erneuert oder instandgesetzt werden mussten. Da die gesamte Klosteranlage, unter Einbeziehung der Dachluken, ca. 1000 „Öffnungen“ hat und die Fenster natürlich unter Denkmalschutzbedingungen saniert oder erneuert werden mussten, kann man sich den finanziellen Aufwand vorstellen. Auch die energetische Sanierung spielte dabei eine Rolle. Daraus entstand das sehr erfolgreiche Spendenprojekt „Ein Fenster für Frauenwörth“. Aber auch einige Veranstaltungen und Konzerte hat der Freundeskreis in diesem Sinne veranstaltet, z.B. das Marienoratorium von Hans Berger in der Kirche der Fraueninsel, den Volksmusikabend in Maxelrain oder den musikalischen Frühschoppen im Bayerischen Landtag.

Frage: Welche baulichen Maßnahmen oder Sorgen hat das Kloster aktuell?

Antwort: Die Klosteranlage gehört zum größten Teil dem Bayerischen Staat, aber die gesamte Baulast liegt beim Kloster. So ist die energetische Sanierung und der Brandschutz jetzt weitestgehend abgeschlossen, die Heizanlage durch ein Blockheizkraftwerk ersetzt, das Glockentürmchen erneuert und vieles mehr. Aktuell  musste das undichte Flachdach auf der Likör-und Lebkuchenmanufaktur durch ein Walmdach erneuert werden, zwei Wasserrohrbrüche mühsam gesucht und repariert werden und eine Wasserentkalkungsanlage installiert werden. Das ganz große Projekt des Klosters, das der Konvent niemals aus Eigenmitteln stemmen könnte, ist die Sanierung des, ebenfalls denkmalgeschützten, „Beichtvaterhauses“ –heute Haus Scholastika. Der Verein bemüht sich, gemeinsam mit Sr. Elisabeth, der Cellerarin, bei verschiedenen Stiftungen ect. Fördergelder und Spenden dafür zu generieren.

Vielen Dank, Frau Biechl, für das Gespräch, Ihnen, dem Freundeskreis sowie dem Kloster weiter alles Gute.

Fotos: Nitzsche/Hötzelsperger – Eindrücke vom Kloster Frauenwörth / Vorsitzende Annemarie Biechl

Weitere Informationen: www.freundeskreis-frauenwoerth.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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