Freizeit

Der Hufeisenverein Prien-Kaltenbach – ein Porträt

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Ein nicht allerorten vorhandener Verein ist der Hufeisenverein, in Prien mit Sitz, Hütte und Wurfgelände in Kaltenbach. Als  Verein mit sportlicher Note ist es diesem wichtig, Freizeit und Geselligkeit gleichermaßen zu pflegen. Regelmäßige Treffpunkte sind – außerhalb der Corona-Krise-  jeden Dienstag und Samstag ab 16 Uhr sowohl für aktive als auch für passive Mitglieder.

Das Hufeisen ist für den 1992 offiziell gegründeten Verein mehr als ein symbolträchtiges Utensil, es ist schlichtweg ein wichtiges Sportgerät. Dieses gilt es im Vergleich von zwei Leuten oder von Mannschaften in einer Entfernung von 18 Metern auf einen kleinen Holzklotz („Taube“) zu werfen. Je näher das Hufeisen am Zielpunkt ist, umso besser die Bewertungen und nach mehreren Durchgängen. Entsprechend der vereinsinternen Ergebnisse werden mit jeweils vier Personen Herren- und Damen-Mannschaften zusammengestellt, die sich dann im Laufe des Jahres an rund einem Dutzend Turnieren in einem Umkreis von bis zu 60 Kilometer  beteiligen. Dabei kommen die Priener Hufeisenfreunde des öfteren zu Vergleichskämpfen über den Chiemgau hinaus und des besonders gerne nach Tirol zu dort inzwischen befreundeten Vereinen. Ein für heuer im Mai geplanter Rückkampf mit einem Hufeisen-Team im thüringischen Erfurt musste jüngst wegen der Corona-Krise abgesagt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Sportwart Manfred Zott, der für die Zusammenstellung der Wettbewerbs-Teams verantwortlich ist, hofft, dass zumindest bis zum 3. Oktober wieder normaler Wurf- und Sportbetrieb in Kaltenbach ist. An diesem Samstag ist vorgesehen, zum 3. Male die Dorfmeisterschaften für die Ortsvereine von Atzing und Wildenwart durchzuführen.

Hufeisenschmeissen in Atzing bereits in den Siebziger Jahren

Hufeisenwerfen in geselliger Runde war in Prien-Atzing schon Anfang der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts ein Thema und Vergnügen. Damals luden einige Mitglieder der Feuerwehr Atzing vor ihrem damals neuen Feuerwehrhaus in der Dorfmitte zum „Hufeisenschmeissen“ ein. Es gab noch keinen Verein, aber man traf sich am Wochenende zum Spaß und aus diesem Spaß entwickelten sich erste Turniere, an denen bis zu 15 Männer teilnahmen. Ab 1975 hat dann Josef Freund aus Siggenham, der Vater des heutigen Vorstands Peter Freund, die weiteren Aktivitäten als „Präse“  koordiniert und als neuen Treffpunkt Kaltenbach organisiert. 1986 wurde ein Verein gegründet, die ersten vier Jahre war Günter Adlwart Erster Vorsitzender, ihm folgte dann Peter Freund, der bis heute die Geschicke des Vereins mit derzeit 167 Mitgliedern leitet (mit Günter Adlwart als Stellvertreter). Nach der Vereinsgründung und insbesondere nach der Eintragung ins Vereinsregister als e.V. im Jahr 1992  wurden erste öffentliche Turniere angesetzt, die auch von auswärtigen Werfern gerne angenommen wurden. Eines der ersten Turniere war das Josef-Freund-(Gaggn-Sepp)-Gedächtnis-Turnier, dem inzwischen auch grenzüberschreitende Wettkämpfe folgten. Ein besonderer Höhepunkt des jungen Vereins war die Teilnahme an der „Bavariade“ (Olympiade) in Inzell, bei internationaler Beteiligung erreichten die Kaltenbacher einen hervorragenden 13. Platz. Seit 1997, als in Prien das Fest „100 Jahre Markterhebung“ gefeiert werden konnte, gibt es immer wieder in Kaltenbach ein großes Hufeisenturnier mit anschließendem Sommerfest.

Vereinshüttenbau brachte zusätzlichen Aufschwung

Im Zuge der gestiegenen Vereinsaktivitäten ergab sich fast zwangsläufig die Frage und der Wunsch nach einem eigenen Wurfgelände mit Hütte. Dank des Entgegenkommens der Kaltenbacher Familie Steindlmüller und mit Unterstützung der Gemeinde Prien mit ihrem damaligen Bürgermeister Lorenz Kollmannsberger konnte im Jahr 2001 der Wunsch verwirklicht und gebaut werden. Seitdem haben die Hufeisenfreunde von Prien-Kaltenbach ein Zuhause. Über Leute, ob jung oder etwas älter, freuen sich diese über jeglichen Zuspruch. „Richtiges Hufeisenwerfen fordert Geschick und Konzentration, lenkt vom Alltag ab und kann zu gemeinschaftlichen Freuden führen“, so Vorstand Peter Freund, der nunmehr seit 30 Jahren den Verein führt und der natürlich hofft, dass nach der Corona-Krise schon bald wieder „Normal-Betrieb“ in Kaltenbach herrscht.  Bei weltlichen und kirchlichen Ereignissen in Prien, Atzing oder Wildenwart beteiligt sich der Hufeisenverein mit seiner im Jahr 2005  geweihten Standarte. Traurig wurde der Verein erst vor kurzem gestimmt, als der langjährige Standartenträger Hermann Rosendahl verstarb, er war von Anfang an Träger der Standarte, deren Fahnenbraut Brigitte Helmbrecht ist.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke  vom Hufeisenwerfen bzw. von Turnieren in Kaltenbach beim Hufeisenverein

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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