Brauchtum

Der Heilige Isidor auf Trachtler-Fahnen

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der im Jahre 1622 Heilig gesprochene Isidor gilt als Patron von Madrid,  der Bauern, der Feldmesse, der Dürre sowie für Regen und gute Ernte. Dargestellt wird der Heilige Isidor mit seinen Attributen Pflug, Dreschflegel, Sense oder Spaten und dazu mit dem Rosenkranz. Mehrfach innerhalb des Chiemgau-Alpenverbandes ist der Heilige Isidor auf den Fahnen von Trachtenvereinen abgebildet.

Rosemarie Anner vom Trachtenverein Hohenaschau, der als ältester Chiemgauer Trachtenverein 1884 gegründet wurde, fiel auf, dass manchen Vereinsverantwortlichen das Wissen fehlt, was die Motive auf ihren Fahnen bedeuten. Der Heilige Isidor gehört sicher nicht zu den bekanntesten Heiligen, sein katholischer Gedenktag ist am 15. Mai. Die mehrfache Präsenz des Heiligen Isidor auf Trachtenfahnen im Chiemgau hängt bestimmt mit der Förderung der Trachtensache durch die Familie von Cramer-Klett in Aschau i. Chiemgau zusammen. So weiß Rosmarie Anner zu erzählen, dass auf der ersten Fahne des Trachtenvereins „D´Griabinga“ Hohenaschau -er ist im übrigen der älteste Chiemgauer Trachtenverein und der drittälteste in Bayern- der Heilige Isidor dargestellt ist. Wohl aus Unwissenheit ist er bei der zweiten, 1984 geweihten Fahne nicht mehr berücksichtigt worden. Baron Theodor von Cramer-Klett war es, der bei der ersten Fahne maßgeblich für das Motiv des Heiligen Isidor plädierte. Von Cramer-Klett war ein großzügiger Gönner der Trachtensache und auch ein großer Verehrer des Heiligen Isidor. Die besondere Liebe zum Heiligen Isidor waren einige bäuerliche Elemente und der Umstand, dass Isidor sich zu seinen Lebzeiten bei einem Baron als Knecht verdingte. Isidor zeichnete sich durch treue Pflichterfüllung, durch eifrige Gebetsübungen und durch Wohltätigkeit aus. Der Gutshof blühte unter seiner Arbeit auf. Der Neid der Mitknechte ließ diese dem Herrn petzen, Isidor vernachlässigte seine Arbeit und betete stattdessen ständig. Als sein Herr feststellen wollte, ob dies stimme, sah er der Überlieferung nach zwei weiße Stiere, die von einem Engel geleitet wurden, beim Pflügen während Isidor im Gebet daneben kniete. Isidor setzte sich zusammen mit seiner Frau Maria de la Cabeza (Torribia) für die Hilfsbedürftigen ein. Er starb eines „Heiligen“ Todes. Nach 40 Jahren öffnete man sein Grab in der Andreas-Kirche zu Madrid und fand ihn unverwest.

Die pflügenden Stiere und den betenden Isidor bildeten das Motiv für einige Fahnengestaltungen wie in Hohenaschau, aber auch in Atzing,  Staudach, in Oberwössen oder in Kolbermoor. Großherzig hat zuweilen und zu damaliger Zeit die Familie von Cramer-Klett geistigen und finanziellen Beistand geleistet. Baron Ludwig Benedikt von Cramer-Klett ließ um ca. 1953 bis 1955 auf das Ökonomiegebäude in Hohenaschau das heute noch bestens erhaltene und von der Straße aus gut zu sehende Bildnis des Heiligen Isidor anbringen. Für Rosemarie Anner war Isidor immer der „Trachtler-Heilige“, weil dieser als einziger Heiliger mit kurzer Hose dargestellt ist. Dank dieser Beobachtungen und der von ihr erfolgten Aufzeichnungen ist es nunmehr leicht, bei Betrachtungen von Fahnen einen Einblick in die Geschichte des Heiligen Isidor zu bekommen.

Repros und Foto/s: Hötzelsperger

  1. Fahne von Oberwössen
  2. Fahne von Staudach
  3. Fahne GTEV Atzing mit Hl. Isidor und Hl. Notburga
  4. Bildnis am Ökonomiegebäude von Hohenaschau
  5. Gemälde Hl. Isidor (wikipedia)

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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