Leitartikel

Der Geigelstein-Herrgott ist wieder da

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Das Restaurieren von sakralen Figuren ist dem Priener Paul Panzer seit Jahrzehnten ein Herzens-Anliegen. Der pensionierte Maler und Ehrenoberleutnant der Priener Gebirgsschützen macht dies nicht nur zur Freude der Eigentümer und Betrachter, sondern auch aus Heimatliebe und  um Gottes Lohn. Jüngstes Objekt, das Paul Panzer auf Hochglanz brachte, waren Herrgott, Kreuz und Sitzbank unmittelbar vor der  Priener Hütte auf dem Geigelstein, so dass der Geigelstein-Herrgott wieder seinen angestammten Platz hat.

 Ein halbes Jahr verbrachte der Corpus Christi in der warmen Stube des Priener Restaurators, bis zur Fertigstellung informierte ein Hinweis am Kreuz, dass der Herrgott zur Erholung ist und nicht gestohlen wurde.  Die vielschichtige Bearbeitung daheim in Prien begann mit dem Entfernen von angesammelten Moos, auch mussten Flechten und angefaulte Stellen behandelt werden. „Der Geigelstein-Herrgott musste wegen der starken UV-Strahlen, die in 1.400 Metern Höhe herrschen, mit einer Spezialfarbe versehen werden“ – so Paul Panzer, der mit der Behandlung von verschiedenen Stoffen mit speziellen Methoden und Material viel Erfahrung hat. Unterstützt wurde er bei der gesamten Maßnahme vom Hüttenwart der Priener Hütte, Herbert Ass. Er war nicht nur praktisch dienend mit den Mitfahr- und Transport-Gelegenheiten, er half auch mit, das Josefs-Ruhebankerl mit der Nummer 184 vom Bankerldorf Aschau neu zu streichen. Auch das Bankerl als gerne genutzte Sitzgelegenheit vor dem Kreuz wird traditionell von der Priener Sektion des Deutschen Alpenvereins gepflegt. Das Kreuz steht bereits seit 1994, in diesen 26 Jahren haben der Zahn der Zeit und vor allem das rauhe Bergklima ihre Spuren hinterlassen. „Eigentlich war der Herrgott total kaputt, das Restaurieren war höchst überfällig, denn die Witterung ist an diesem Platz besonders angriffslustig“ – so Paul Panzer zum Kreuz, das 1994 von Friedl Obermaier aus Prien zum Dank für ihre lieben Eltern errichten ließ. „Im Vergleich zu vorher ist der Herrgott jetzt etwas Prachtvolles, der Paul ist eben ein leidenschaftlicher Könner und Gönner“ – so Herbert Ass über seinen DAV-Vereinskameraden und zu dessen Tätigkeit, die vollkommen ehrenamtlich erfolgt. Eine erste Besucherin des jetzt wieder kompletten Kreuzes mit UV-Schutz-eichenfarbenen Herrgott war die Wirtin Monika Becht von der nahen Priener Hütte, sie erinnert sich vielfältig an die Betrachtungen und Begegnungen mit dem Kreuz und sagte: „Im vorletzten Winter war der Herrgott bis zum Bauchnabel im hohen Schnee, das Kreuz ist auch eine Erinnerung an die liebe Oberkaser-Mare vom Geigelstein, die 70 Jahre allein in der benachbarten Alm lebte und an die ein Herz am Kreuzbalken erinnern soll“. Für den Alpenverein entstanden mit der Restaurierung keine Kosten, die Arbeit von Paul Panzer und Herbert Ass erfolgten ehrenamtlich inklusive dem Farbmaterial und die Verpflegung auf dem Berg an den Arbeitstagen übernahm die Hüttenwirtin. Damit entstand ein Gemeinschaftswerk von wenigen Leuten sehr zur Freude und Erbauung von bestimmt vielen Leuten, die auf dem Geigelstein Erholung und geistige Kraft suchen und finden werden.

Fotos: Hötzelsperger –   Am fertigen Kreuz mit dem Geigelstein-Herrgott Restaurator Paul Panzer (mit weißem Malermantel), Herbert Ass von der Alpenvereinssektion Prien und Wirtin Monika Becht von der Priener Hütte – Weitere Aufnahmen…

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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