Land- & Forstwirtschaft

Den Wald naturgemäß bewirtschaften

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Es war ein Lehrgang für eine angehende Politikerin, die Bundestagskandidatin der Freien Wähler, Andrea Wittmann, die sagt, sie wolle in ein Ressort, das Bezug zur Landwirtschaft habe, falls ihr der Sprung in den Bundestag gelinge. Deshalb zeigte sie bei einem kürzlich gehaltenen Gespräch mit BDM Milchbauern großes Interesse, auch andere Facetten der Landwirtschaft kennen zu lernen. Prompt wurde Sie vom 1. Vorstand des BDM, für den Kreis Traunstein, Sepp Hubert, zu einer Waldbegehung eingeladen, an der Waldexperte Hans Praxenthaler, teilnehmen und Erklärungen geben würde.

Diese Waldbegehung fand neulich in der Nähe Thannsberg und des Anwesens Praxenthalers, Biobauer, Waldbauer und Mitglied der Arbeitsgruppe „Naturgemäße Waldwirtschaft“ statt. In einem Vorgespräch wurde zudem über weitere Anliegen der Bauern und politische Einwirkungen auf die Landwirtschaft diskutiert. So brachte Sepp Hubert einmal mehr die Sprache auf die desaströse Praxis des Imports von Palmöl, der sowohl unseren Bauern, als auch Bauern, vor allem in Südamerika und Südostasien, sowie dem Regenwald dort zum Verhängnis werde. Hans Praxenthaler monierte das Verhältnis zwischen dem BBV, dem BJV und der Politik der Regierungsparteien in Bayern, insbesondere der Freien Wähler und meinte, die Politik lasse sich zu sehr von diesen Organisationen beeinflussen. Sowohl der BBV, als auch der BJV, hätten ein falsches Verständnis von was der Wald brauche. Dem BBV gehe es in erster Linie um den Profit aus der Holznutzung, der aus den Monokulturen von Fichten in unseren Wälder zu erzielen sei und dem BJV um unerträgliche hohe Wildbestände. Er selbst sei auch Jäger, aber Politikern und vielen der Jäger ginge es großenteils um Trophäen, nicht um einen Waldgerechten Wildbestand. Sepp Hubert und der ebenfalls an der Diskussion teilnehmende Leonhard Strasser, Sprecher des Agrarbündnisses BGL/TS, bekrittelten die Richtung, welche die Politik in Bezug auf die gesamte Landwirtschaft nehme. Einig waren sich Alle, sie wüssten nicht wirklich wen sie wählen sollten, denn keine der zur Wahl stehenden Parteien habe wirklich gute Konzepte für eine nachhaltige, vor allem für die in unserer Gegend geläufige kleinbäuerliche Landwirtschaft parat.

Bei der darauffolgenden Waldbegehung wies Praxenthaler auf die Wichtigkeit hin, die Natur „ihr Ding machen zu lassen“. Zuerst müsse, statt der Menschgemachten Monokulturen, ein Mischwald entstehen, der viel resistenter und überlebensfähiger gegen den Klimawandel sei. Wichtig sei, die dadurch entstehende anlaufende Neuverjüngung wachsen zu lassen, damit daraus ein stabiler, zukunftsfähiger Mischwald entstehen könne.

In Bezug auf die Jagd meinte Praxenthaler, das Füttern von Wild sei widersinnig. Für hunderttausende von Jahren sei Wild nicht von Menschen gefüttert worden und habe trotzdem überlebt und einen guten Bestand gehabt. „Es ist der Wald, der zeigt ob die Jagd stimmt“. Am Zustand des Waldes sei der richtige Wildbestand zu erkennen, meinte auch Strasser. Praxenthaler sagte, Manche, vor allem Jäger, beschuldigten ihn, Rehe ausrotten zu wollen. Nichts könne ferner der Wahrheit sein. Es gehe ihm lediglich darum, einen naturnahen, gesunden und nachhaltigen Waldbestand zu erreichen. Allerdings müsse dafür der Natur Zeit gegeben werden, denn sie habe ihren eigenen Zeitplan. Durch eine richtige Bejagung, könnten wir eine „Kostenlose“ Verjüngung des Waldes erreichen. Eine Möglichkeit, Milliarden von Euros einzusparen, meinte Praxenthaler. Im Gesetz heiße es ohnehin, die Hauptbaumarten müssten ohne wesentliche Schutzmaßnahmen aufwachsen können, gab Leonhard Strasser, selbst Jagdvorsteher, zu bedenken.  Praxenthaler ergänzte, wir seien von der Natur ohnehin sehr privilegiert hier, im Vergleich zu anderen Gegenden der Erde.

Bezüglich der Regeln des BJV bekrittelte Praxenthaler die politisch beeinflusste Vorschrift, Trophäenschauen veranstalten zu müssen. Das erzeuge unnötigen Druck auf Jäger und sei ein Relikt aus der Nazizeit. Wie die Bundestagskandidatin der Freien Wähler, Andrea Wittmann nach dieser Waldbegehung bemerkte, hatte sie dadurch viele weitere, ihr bis dahin unbekannte Aspekte, der Land- und Forstwirtschaft kennengelernt, und auch die teilnehmenden Bauern zeigten sich erfreut, einer Politikerin ihre Standpunkte und Ansichten mitteilen zu können.

Bericht und Foto:     Alois Albrecht –   Der 1. Vorstand des BDM Traunstein, Sepp Hubert (4.v.l.), hatte die Bundestagskandidatin Andrea Wittmann (3.v.l.), zu einer Waldbegehung eingeladen, bei der ein Experte in Bezug auf Wälder, Hans Praxenthaler (2.v.r.), über naturgerechte, nachhaltige Wälder referieren würde.

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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