Brauchtum

Das reiche Musikantenleben des Alois Schlemer

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

92 Jahre ist Alois Schlemer jüngst geworden, mit seiner Frau Christl konnte er vor kurzem nach 65 Ehe-Jahren die Eiserne Hochzeit feiern und immer noch schlägt sein Herz für die Blasmusik. Bei einem Besuch in seiner Heimat am Fellerer hoch über dem Aschauer Priental mit herrlichem Blick zum Ort Aschau und zur Kampenwand erzählte Alois Schlemer aus seinem ungewöhnlich reichen Musikantenleben.

Begonnen hat dieses 1950 in Prien a. Chiemsee als die Familie von Vater und Baumeister Balthasar Schlemer in Oed bei Greimharting und später in einem Zuhäusl in Rimsting wohnte.  Aufgrund von späteren Wohnungswechseln kam es auch zu aktiven Blasmusikeinsätzen in Bad Endorf, in Bernau, Flintsbach, Aising und Aschau i. Chiemgau. „Die ersten Proben in Prien waren mit einem Musikmeister Hans Scherbaum, einem Flüchtling von der Eger, da trafen wir uns in der Schreinerei Möderl und da haben wir uns notdürftig hinsetzen können, wo es gerade ging. Mein erster Einsatz war dann bei der Priener Fronleichnams-Prozession. An Fronleichnam gab es damals den `kleinen` Umgang zum Friedhof und zum Neugarten, später wurde dann der `große` Umgang zum Krankenhaus Richtung Bernau über die kleine Bahnunterführung bei der Hochriesstraße zurück zur Kirche genommen“ – so Alois Schlemer, der sich noch gerne erinnert, dass zu seiner Anfangszeit eine blasmusikalische Extra-Vorbereitungszeit für die Primiz des Priener Neupriesters Engelbert Wallner notwendig war. Weiters erinnert er sich: „Nach dem Krieg war in Prien Toni Mayer (Wagner-Toni) Musikmeister, dann kam für etwa 20 Jahre Ludwig Strohmayer als Dirigent. In dieser Zeit war viel los für die Priener Blasmusikanten: im „Bayerischen Hof“ waren zahlreiche Bayerische Heimat- und Begrüßungsabende, mit dem Priener Trachtenverein und mit zehn Musikanten ging es zu einem Trachten- und Musikfest nach Kufstein, einige Male wurde nach Gstadt ausgerückt, unter anderem einmal im Fasching mit Bulldog und Schlitten, dabei wurde auch „Umgeschmissen“. Spannend war auch das Ochsenrennen auf der sogenannten „Pfarrwiese“ (heute Franziska-Hager-Schule), das vom Rimstinger Wirt  Heuberger organisiert wurde. Einmal in der Woche wurde geprobt, von der Schreinerei wurde hierfür bald in den damaligen Saal des Gasthofes St. Salvator gewechselt. Für Alois Schlemer, der damals als Maurer unterwegs war, waren Proben und Auftritte nicht leicht unter einen Hut zu bringen, aber mit seinem „Schnauferl“ kam er überall rechtzeitig hin.

„In Prien war viel zu spielen – bis die kleinen Kapellen kamen!“  –  Die Musikanten in Prien hatten viel zu spielen, so für den örtlichen Trachtenverein, bei vielen Hochzeiten und in den Nachbarorten. An den Saal des Gasthofes Bufler in Hittenkirchen erinnert sich Schlemer noch besonders gerne, da dort der Boden nachgab und mitschwang und die Musikanten wie auf einer Hühnerleiter platziert wurden. „Es gab Zeiten in Prien, da zogen wir vom Garten des Bayerischen Hofs zur Seestraße und zum Marktplatz und gaben dort jeden Sonntag ein Standkonzert, da viele `Fremde` da waren, auch mit der Chiemsee-Schifffahrt und mit den Veteranen waren wir unterwegs, da gab es überaus lustige Ausflüge“ – so Alois Schlemer zu seinen Priener Musikanten-Jahren und er fügte hinzu: „Aber als die kleinen Kapellen aufkamen, in Prien unter anderem die Hefter-Buam, da kam die große Musikkapelle in die Krise; erst als unter anderem Hans Sewald, Hermann Deiss und Peter Huber dazu kamen, ging es wieder aufwärts“. Auch für Alois Schlemer endete die Priener Zeit, da er beruflich zur Eisenbahn und wohnungsmäßig nach Fischbach wechselte, dazu sagte er: „Anfangs blieb ich noch bei der Priener Kapelle, unter anderem fuhren wir zweimal zum Lindenkeller nach Freising und einmal zu einem Auftritt nach Kaiserslautern. Aber zwischenzeitlich gründeten wir in Aschau eine kleine Schrammelmusik. So kam es, dass ich zeitgleich auch noch für Flintsbach und Aschau spielte, denn in der Musikkapelle Aschau übernahm Hans Mielenz die Dirigenten-Aufgabe und dessen Stil gefiel mir sehr gut“. Als in Bad Endorf und Bernau Musikanten ausfielen, da sprang Alois Schlemer als Aushilfe ein, das war unter anderem möglich, weil er inzwischen mit einem Isetta noch mobiler wurde. Dazu weiß er zu erzählen: „Mit Aschau erreichten wir einmal in Brünn einen viel beachteten zweiten Platz bei einem Musik-Wettbewerb und mit Bernau waren wir bei den Olympiaden 1972 in München und Kiel“. In und mit der Blaskapelle Bad Endorf spielte Alois Schlemer ebenso bis zu seinem 90. Lebensjahr wie für die Kapelle „Bachecker Blech“ von Hirnsberg. In dieser fing er auf Empfehlung des bereits verstorbenen Vorbild-Musikanten Schorsch Hogger noch mit 75 Jahren an und entwickelte diese als Dirigent in 15 Jahren zu einer original bayerischen Blasmusik. Nach seinem 90. Geburtstag 2019 übergab er den Dirigentenstab an Hannes Lang. Natürlich gab es viele Ehrungen und Auszeichnungen bei einem fast 70 Jahre andauernden Musikanteneinsatz, unter anderem auch vom Musikbund Ober- und Niederbayern und dessen Bezirk Inn-Chiemgau. Alois Schlemer war nicht nur vielseitiger Musikant mit „tiefem Blech“, er setzte sich lange Zeit mit der von Hans Mielenz detailliert erlernten Dirigenten-Kunst in Aschau, Bad Endorf und in Hirnsberg als Dirigent ein, eine Saison war er auch Dirigent in Prien nachdem dort Ludwig Strohmayer aufgehört und dessen Nachfolger Wenzel Czesky noch nicht angefangen hatte.

Ehefrau Christl: „Blasmusik war und ist sein Leben“ – Ein so vielseitiges Musikantenleben war natürlich nicht einfach zu bewerkstelligen: Familie mit Ehefrau, vier Kindern und seit 1963 mit der übernommenen Landwirtschaft am Fellerer im Nebenerwerb sowie der Beruf galt es bei allen Entscheidungen und Terminen zu berücksichtigen. „Ich habe alles gerne gemacht, deswegen ist es gegangen!“ – das war immer eine gute Devise für Alois Schlemer, der immer noch sein erstes ihm zur Verfügung gestelltes Instrument, eine Posaune besitzt. „Mein erstes Tenorhorn, Marke Alexander und Baujahr 1935 spiele ich immer noch, darauf bin ich auch recht stolz“ – so Alois Schlemer zufrieden zurückblickend auf sein Musikantenleben auf seiner Hausbank und von dort hineinschauend in das Priental mit seinem derzeitigen Frühlingserwachen.

Fotos/Repros: Hötzelsperger/Antretter– 1. Alois Schlemer (92) in Fellerer mit Blick ins Aschauer Priental. 2. Alois Schlemer 1996 mit der Aschauer Musikkapelle. 3. 1990 mit der Gemeinde Aschau nach dem Mauerfall in Leipzig. 4. Mitte der 60er Jahre mit der Musikkapelle Aschau. 5. Ohne Datum: Alois Schlemer mit den Aschauer Schrameln. 6. In den 90er Jahren: Alois Schlemer dirigiert bei ihm daheim am Fellerer Aschauer Blasmusikanten.

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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