Corona-Krise

Das Nachtleben ist zurück – Interview

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Ab dem heutigen 1. Oktober dürfen Clubs und Discos in Bayern wieder öffnen. Die Freude darüber auf Seiten der Betreiber ist groß. Einer davon ist Franz Fischer vom Nerdz Club in der Samerstraße in Rosenheim. Im Interview mit Rosenheim Innformativ spricht der 35-jährige darüber, was er die vergangenen Monate erlebt hat, auf was sich seine Gäste jetzt freuen dürfen und warum das Nachleben in Rosenheim so überschaubar geworden ist.

Frage: Herr Fischer, in wenigen Stunden kehrt in den Nerdz-Club wieder Leben ein. Wie groß ist die Freude darüber?
Antwort: Die Freude ist beim gesamten Team riesig. Man muss sich vorstellen, es ist der erste offene Tag nach 18 Monaten! Frage: Als im März 2020 der Lockdown kam, konnte noch keiner damit rechnen, wie lange Clubs und Bars geschlossen bleiben müssen.
Antwort: Damit haben wir nicht mal annähernd gerechnet. Am Anfang dachte ich noch, das dauert jetzt vielleicht sechs Wochen, im schlimmsten Fall 2 Monate, und dann läuft alles wieder normal.

Frage: Wie haben Sie die lange Zeit überstanden?
Antwort: Der Nerz Club ist für mich und meinem Geschäftspartner zum Glück ein Nebenerwerb. Wir hatten also trotzdem viel zu tun und waren finanziell gesichert. Am Anfang macht man sich an ein paar kleinere Ausbesserungsarbeiten, die man eh schon immer machen wolle. Anfangs lief das auch gut. Lediglich als sich dann langsam abgezeichnet hat, dass es 2020 wohl gar keine Öffnung mehr geben wird, fiel die Motivation ins Bodenlose. Denn man stellt sich natürlich die Frage, warum man jetzt Arbeitszeit investieren soll, wenn man den Club am Schluss nicht halten kann. Anfang 2021 kam die Motivation wieder zurück und wir nutzten die restliche Zeit für einige größere Änderungen. So haben wir eine neue Lüftung samt Klimaanlage installieren lassen, das DJ Pult im Clug umgezogen, die Sanitäranlagen erneuert und die Getränkekarte überarbeitet.

Frage: Meinen Sie, dass der Club nach der Wiedereröffnung nun gleich wieder so gut von Publikum angenommen wird wie zu Zeiten vor der Pandemie?
Antwort: Ja, ich bin mir sicher, dieses Wochenende wird es bei uns sehr voll. Viele unserer Stammgäste freuen sich mit uns schon riesig darauf, dass es endlich wieder ein Nachtleben geben darf.

Frage: Und die Corona-Regeln, sprich 3 G bereiten auch keine Probleme?
Antwort: Umsetzung und Einhaltung der Regeln bereitet Clubs und Discos kein Problem. Bei uns gibt es ja immer schon Türsteher, die auf Grund von Jugenschutz die Gäste beim Einlass kontrollieren. Im Prinzip wird hier neben dem Personalausweis also nur ein Dokument zusätzlich überprüft.

Frage: Wird die Wiedereröffnung Ihres Clubs besonders gefeiert?
Antwort: Natürlich haben wir uns da etwas überlegt. Das erste Bier, beziehungsweise den ersten Cider gibt es für jeden Gast gratis.

Frage: Haben Sie nicht Angst, dass es für die Bars und Diskos augrund steigender Zahlen bald wieder zurück in den Lockdown gehen könnte?
Antwort: Die Überbrückungshilfen von Seiten des Staates für unsere Branche gelten sowieso noch bis Ende des Jahres. Sollte das also wirklich passieren, werden unsere Fixkosten gedeckt. Also bin ich aktuell sehr gelassen, was das anbetrifft.

Frage: Wie schaut es eigentlich generell mit dem Rosenheimer Nachtleben aus?
Antwort: Es gibt nur noch sehr wenige Clubs und Diskos. Es fehlt an Abwechslung. Eigentlich passt das nicht zu einer Stadt, die sich Studentenstadt nennt. Studenten wollen nicht um 10 Uhr ins Bett gehen, die brauchen eine lebendige Stadt. Und zwar Tag und Nacht.

Frage: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Zahl an Clubs und Diskos in der Stadt so überschaubar ist?
Antwort: Man findet keine Gebäude mehr, in der sich derartige Gastronomie realisieren lässt. Wir hätten noch einige sehr gute Konzepte für Nacht-Gastronomie auf Lager und suchen jetzt sogar schon nach geeigneten Räumen in Bad Aibling und Kolbermoor. Es findet sich einfach nichts Passendes.

Frage: Verändert sich das Nachtleben von Generation zu Generation?
Antwort: Die Art der Werbung verändert sich. Während man früher seine Events noch mit Plakaten und Flyern bewerben musste, spielt sich die Werbung heute zu 100 Prozent auf Social Media ab. Und natürlich ändert sich der Musikgeschmack von Generation zu Generation. Aber das Fortgehen und Feiern, das unterscheidet sich meiner Meinung nach nicht von früheren Zeiten.

Frage: Ich stelle mir das Leben als Nachtclub-Betreiber anstregend vor. Was gefällt Ihnen daran?
Antwort: Man erlebt Lustiges, Trauriges, Dramen..also quasi die ganze Bandbreite des Lebens. Und man lernt viele Menschen kennen, führt interessante Gespräche. Natürlich gibt es Nächte, da hat man überhaupt keine Lust darauf, wieder die ganze Nacht zu arbeiten, aber wenn die Nacht dann vorbei ist und man tritt den Heimweg an, während die Sonne schon wieder langsam aufgeht, hat man einfach ein unglaublich gutes Gefühl.

von Karin Wunsam / Blog: https://rosenheiminnformativ964131957.wordpress.com/

Foto: Franz Fischer (links) und sein Geschäftspartner Alexander Stöhr freuen sich schon riesig auf den Neufanfang ihres Clubs Nerdz nach den langen Lockdown-Monaten.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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