Sport

Das Bobteam Hirnböck aus Oberaudorf

Bei manchen Menschen wird aus Spaß plötzlich Ernst. Und bei anderen wird aus Gaudi sogar ein Bobteam. Wie bei Anian und Andreas Steiner, Johannes Hirnböck und Josef Fröhler. Die vier Freunde waren im Fasching 2019 auf der Suche nach passenden Kostümen für den Oberaudorfer Faschingsball, auf dem Speicher von Johannes wurden sie fündig. Dort lagerten noch die Bob-Rennanzüge seines Vaters Stefan, der einst selbst die Eisbahnen des Landes herunterrauschte. Anian erzählt: „Wir haben uns also in diese hautengen Anzüge gequetscht, fanden das richtig witzig und sind so zum Fasching gegangen.“

Damit war die Lunte gelegt. Das Feuer entfachte dann schließlich Stefan Hirnböck. Der Bob-Veteran fühlte sich wieder an frühere Zeiten erinnert, in denen er 1995 und 1997 sogar bayerischer Meister im Zweierbob wurde. Er schwärmte seinem Sohn und dessen Kumpels von diesem faszinierenden Sport so lange vor, bis sie es schließlich selbst einmal wagen wollten und das „Bobteam Hirnböck“ gründeten.

Dadurch ist den vier Jugendfreunden gleich etwas ganz Besonderes geglückt: Sie sind derzeit das einzige Bobteam im ganzen Inntal. Und beim WSV Oberaudorf rannten sie damit offene Türen ein: Schließlich blickt der Verein auf eine lange Bobfahrer-Tradition zurück. So gehört Zweierbob-Fahrerin Ulrike Holzner, Silbermedaillen-Gewinnerin bei der Olympiade 2002 und Weltcupsiegerin 2003, ebenfalls zum WSV. „Diese Geschichte ist wirklich ein Riesenglück für uns. Denn hier ist alles da, was man als Bobfahrer braucht. An der Anschubbahn, die neben dem Sportplatz liegt, steht immer noch die Bob-Garage des Vereins mit allen wichtigen Utensilien und Werkzeugen für den Bob. Das können wir alles voll nutzen.“, so Pilot Johannes.

Auch bei ihren ersten zaghaften Anschubversuchen im Training hatten die Burschen Glück: Ein Trainer des bayrischen Bobverbands hat ihnen eines Tages zugeschaut. „Der fand das wohl nicht so ungeschickt wie wir uns angestellt haben und hat uns zum Training an die Bobbahn am Königssee eingeladen“, sagt Andreas. Dort konnte der Vierer aus Oberaudorf viel von erfahrenen Bob-Teams lernen. So viel, dass für alle feststand: Ihre bisherigen Sportarten wie Skifahren, Natureisrodeln, Kampfsport, Fußball und Leichtathletik spielten ab sofort – wenn überhaupt – nur noch die zweite Geige. Der Bobsport war von nun an klar die Nummer Eins.

Allerdings gab es für das junge Team auch einige Rückschläge zu verkraften. Denn als im Frühjahr 2021 endlich die ersten Fahrten durch die Eisrinnen des Landes anstanden, machte ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung. Nichts ging mehr. Und in diesem Jahr dann der Super-Gau: Die Bobbahn Königssee fiel dem Juli-Unwetter zum Opfer. Training auf der Strecke ist dort bis auf weite Sicht undenkbar. Johannes Hirnböck: „Für uns heißt das, dass wir zum Trainieren nach Winterberg oder Altenberg fahren müssen. Das geht nicht mal eben unter der Woche.“ Dafür müssen die vier Studenten dann komplette Wochentrainingslager einschieben.

Doch auch das konnte das Team nicht abschrecken. Inzwischen haben die Oberaudorfer ihre ersten Fahrten hinter sich und gestehen: „Wir haben uns das am Anfang ganz anders vorgestellt, so etwa wie Achterbahnfahren.“ Anian Steiner: „Tatsächlich ist es ist anders. So ein Bob ist nicht gefedert und man bekommt jeden Schlag extrem mit. Als Anschieber sieht man nichts und wenn man die Strecke noch nicht kennt, haut es den Helm nach rechts und links oder auf die Knie. Das ist schon gewöhnungsbedürftig.“

Trotzdem hat das Quartett jetzt Blut geleckt und will Großes erreichen. „Wir planen Stück für Stück“, sagt Josef Fröhler. „Zuerst wollen wir die Bahnen sicher runterkommen, uns weiter verbessern und dann bei den deutschen Meisterschaften dabei sein.“ Bei diesen Zielen können ihnen schon wieder glückliche Umstände behilflich sein: Zum einen haben sie das Glück, mit Europacup-Teilnehmern trainieren zu können. Zum anderen sind sie im bayrischen Landeskader und haben dadurch eine erfahrene Trainerin wie Maria Adela Constantin-Bosch an ihrer Seite. „Durch Corona und die zerstörte Bobbahn am Königssee ist es nicht leichter geworden für uns als Nachwuchssportler“, erzählt Anian Steiner. „Und im Bobfahren zählt man bis 26 Jahren noch zur Jugend. Man achtet im Verband deshalb darauf, dass wir nun auf so viele Bahnzeiten wie möglich auf den verbleibenden deutschen Bahnen kommen. Ein weiterer Vorteil: Wir sind bereits ein Viererteam das gemeinsam Einsteigt, was in diesem Sport auch nicht die Regel ist.“ So kann es also gut sein, dass die Bob-Burschen aus Oberaudorf demnächst bei den deutschen Meisterschaften für Furore sorgen und dann eine Stufe weiter nach oben klettern und am Europacup schnuppern könnten. Und dann kann aus Spaß tatsächlich richtig Ernst werden…

Text: af – Fotos: Bobteam Hirnböck

Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger – www.wendelstein-anzeiger.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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