Corona-Krise

Corona-Tagebuch vom Buchheim-Museum

Der Münchner Reisejournalist Karl Stankiewitz hält die Coronakrise mit genauen Beobachtungen fest, der jüngste Tagebuch-Eintrag lautet wie folgt:

Wie komisch Corona sein kann, konnte ich zufällig am Wochenende bei einem Ausflug an den Starnberger See wahrnehmen. Im Buchheim-Museum läuft (noch bis 11. Oktober) eine Ausstellung, die dem weltbekannten Cartoonisten Peter Gaymann gewidmet ist. Die Ausstellung „Virus Visionen“ wurde improvisiert, nachdem die zum 70, Geburtstag des Künstlers geplante Retrospektive samt Riesenparty der Pandemie zum Opfer gefallen war.

Seit Mitte März hat sich Gaymann, wie alle Künstler plötzlich isoliert, in seinem Atelier nahe dem Kloster Schäftlarn fast täglich mit einem „Trostpflaster“ beholfen, indem er einen witzigen Kommentar zur Krise aufs Papier warf. Die achtzig Aquarelle bespötteln so ziemlich alle Aspekte des pandemischen Geschehens: den Vorratskauf an Klorollen ebenso wie das Maskentreiben, die Verschwörungsspinner ebenso wie die beschwerliche Kommunikation von Balkon zu Balkon. („Immer auf den Abstand achten“).

Ein Treppchen führt ins absonderliche Corona-Kabinett hinauf vom Hauptdeck des schiffartigen Museums, wo die großen Expressionisten des Gründervaters Lothar Günther Buchheim wieder mal neu gehängt sind (und die Bildlegenden auf dem Boden besser zu lesen sind als klein an der Wand). Und wo nebenan, auch noch bis Oktober, die vom Münchner Fernsehmacher Joseph Hierling gesammelten erstaunlichen Werke des deutschen „Expressiven Realismus“ die Entdeckung wert sind.

Es konnte ja nicht ausbleiben, dass Corona ein Thema der Kunst wurde. Das World Wide Web ist bereits voller Beispiele. Beliebtestes Motiv ist die Mona Lisa mit Maske – die weltberühmte Dame hat ja schon öfter zur Persiflage bei allerlei Ereignissen herhalten müssen. Jetzt scheint die Corona-Kunst auch die Ausstellungshäuser zu infizieren. Und sogar den öffentlichen Verkehr. In Londoner U-Bahnen sollen Bilder des Streetart-Sprühers Bansky von Ratten – Gaymann lässt seine beliebten Hühner lästern – im Auftrag der Regierung an die seit Juli geltende Maskenpflicht erinnern.

Bericht und Fotos: Karl Stankiewitz

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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