Corona-Krise

Corona-Tagebuch: Normalität mit neuer Urbanität

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Aus dem Corona-Tagebuch von Karl Stankiewitz: Während die Spekulationen mit Hilfe von allerlei Zahlenspielen wild um sich greifen und immer dringender gefragt wird, wann endlich die vorletzten Hürden des Lockdown fallen („keinen Tag länger,“ fordert forsch die FDP), gehen in den noch seuchenbeladenen Städten womöglich dauerhafte Veränderungen vor sich. So bemerke ich iIn der Münchner City nicht nur ein Zurück zu einer gewissen Nornalität, sondern auch einen Trend zur Urbanität, zu mehr städtischer Atmosphäre. Die Aufhebung der Testpflicht und die Neuöffnung von Hotels machen es des trotz schlechten Wetters möglich, dass wieder Leben dort einkehrt, wo Experten eben noch befürchtet hatten, dass viele Einzelhändler und Gaststätten vielleicht für immer zumachen müssen,

Die Gefahr, dass die Altstadt regelrecht veröden könnte, scheint aber fürs Erste gebannt. Etwa 70 000 mehr oder weniger kauflustige Stadtbewohner und erste Touristen sollen am vorigen Wochenende das Zentrum überflutet haben, schätzt Wolfgang Fischer vom Verband der City-Partner. Die Schaufenster füllen sich, fast so wie im Juni 1948 nach der Währungsreform. Die auf 30 Prozent oder noch tiefer gefallenen Umsätze steigen wieder. Man muss ja nicht gleich von einem Pfingstwunder sprechen..

Nicht zuletzt dank einer Ausdünnung des Autoverkehrs hat Münchens City neue Urbanität gewonnen. Aus einigen Fahrtrassen wurden Pop-up-Radwege und zahlreiche Parkplätze haben sich in sogenannte Schanigärter verwandelt. Diese sollten eigentlich nur während der Pandemie erlaubt sein, um die Wirte ein wenig zu entschädigen. Inzwischen wurden immer mehr davon amtlich zugelassen, einige haben sich sogar schon spezialisiert. Jetzt sieht es danach aus, dass sich das ansprechende Wiener Vorbild gänzlich in München durchsetzen werde.

Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU), dem nun zwei Mal das Oktoberfest entgangen ist, will mit mehreren Organisationen demnächst einen „City-Gipfel“ einberufen, der über weitere Attraktionen zur Wiederbelebung des größten Einkaufszentrums Bayerns nachdenken soll. Man sollte allerdings nicht nur ans Einkaufen denken. Unter dem Motto „Rasten ohne Konsumzwang“ hat das städtische Baureferat auf Anregung von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bisher 400 Parkbänke irgendwo in der Isarstadt aufgestellt: die Bezirksausschüsse stehen Schlange. Somit scheint die böse Pandemie schließlich auch für ein bisschen mehr Ruhe in rastloser Stadt zu sorgen.

Beitrag: Karl Stankiewitz

Fotos: Thomas Stankiewicz – ein “netter” Schanigarten in der Amalienstraße

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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