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Corona-Tagebuch: Ein Dankeschön der Polizei

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Viele Mitteilungen beginnen jetzt mit dem Wörtchen „endlich“. Alles wieder offen, alles wieder gut? Folglich: allgemeine Demaskierung – wie früher auf Faschingsbällen nach Mitternacht üblich? Runter mit der lästigen Mundwindel, endlich, endlich. So sehen es anscheinend viele Mitbürger. Und schon drängen sie sich vielerorts maskenfrei, zu Hunderten, jung und alt, Frauen und Männer, meist bar jeder Vorsicht. Die so lange und so geduldig gewahrten Grundregeln der Hygiene sind offenbar weitgehend in Vergessenheit geraten. Anstand und Respekt sowieso.

Solch Verhalten könnte gefährlich werden. Es fordert Politiker ebenso heraus wie die Polizei. Beileibe nicht nur auf den berüchtigten „Hotspots“ der Bayernmetropole, sondern auch in anderen Städten kommt es bei Routine-Kontrollen – rund 5000 waren es an den „aufgelockerten“ Wochenden in München – zu andfester Gegenwehr von oft angetrunkenen Jugendlichen jeglichen Geschlechts. Polizisten beiderlei Geschlechts müssen sich anpacken lassen. Sachliche Ermahnungen werden durch Anpöbeln oder gar Anspucken beantwortet. Flaschen werden geworfen. Eine Polizistin kam deshalb ins Krankenhaus. Klar doch, die Bars bleiben geschlossen, die Burschen sind frustriert. „Das Aggressionslevel ist deutlich gestiegen,“ wird amtlich gemeldet

Dabei tun diese Beamten nur ihre Pflicht, sie müssen das Infektionsschutzgesetz durchsetzen, nach wie vor, denn die Infektionen dauern an. Sie tun das ohne Gummiknüppel oder Wasserwerfer, wenn auch manchmal, vielleicht zum Abschrecken, in Hundertschaftstärke oder auch mal hoch zu Ross. Irgendwie erinnert mich das an die Schwabinger Krawalle von 1962 und auch an die Halbstarkenkrawalle von 1956, als ich junger Reporter einen Bericht mit einem gerichtlichen Zitat des Anführers einer „Jugendblase“ betitelte: „Hauts die Blauen z’amm“. Alles schon mal dagewesen.

Dieses Mal aber zielt die allgemeine polizeiliche Sicherheitsparole ganz klar auf De-Eskalation. Mit solcher Strategie beweisen sich die Männer und Frauen in den wieder mal blauen Uniformen durchaus als Freunde und Helfer in dieser verunsicherten Zeit – gleich wie all die zu Recht so hochgelobten Ärzte, Pfleger, Wissenschaftler, Gesundheitspolitiker und sonstigen Nothelfern jeglichen Geschlechts. Es wäre doch mal an der Zeit für ein Dankeschön.

Übrigens wird uns das Corpus Delicti, die Mund-Nasen-Maske, wahrscheinlich noch lange bleiben – und letztlich schützen. Wir müssen uns einfach daran gewöhnen. so wie seit langem schon die Bewohner fernöstlicher Metropolen, um sich gegen vergleichsweise harmloser Grippewellen zu wappnen. Kein Virologe weiß, wie lange das aktuelle oder ein anderes Virus noch virulent sein wird auf diesem Planeten. Als Hinterbliebener der Kriegsgeneration sage ich mir jedenfalls: Besser diese Schutzmaske als eine Gasmaske.

Obwohl – vor einem halben Jahrhundert genau, am 25. Juni 1951, habe ich einen Zeitungsartikel veröffentlicht unter der Überschrift „Münchner klagen über Atombeschwerden“. Damals hatte die radioaktive Wolke der ersten Thermonuklearbombe, von den Amerikanern auf der Südsee-Insel Bikini gezündet, bayerischen Boden verseucht. Zehn Jahre später kam es hierzulande, nach dem Tesen von t noch stärkeren Atombomben, abermals zu panischen Reaktionen. Dem Bundesinnenminister Hermann Höccherl (CSU) oder seinen Beratern fiel dazu nur ein, eine Fibel herauszugeben mit dem schönen Tipp, man solle sich im Notfall auf den Boden werfen und den Kopf mit einer Aktentasche schützen. Der Lacherfolg war groß.

Bericht: Karl Stankiewitz – Foto: Thomas Stankiewiecz

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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