Corona-Krise

Corona-Babyboom in Bayern

Der Beginn des ersten Corona-Lockdowns in Bayern (16.03.2020) liegt über ein Jahr zurück. In den vergangenen Monaten wurde viel über die kurz- und langfristigen Auswirkungen der Pandemie diskutiert. Im Interesse stand dabei unter anderem die Frage, ob auf den Lockdown – mit viel von Paaren gemeinsam verbrachter Zeit und wenig alternativen Freizeitmöglichkeiten – neun Monate später ein Anstieg der Geburtenzahlen folgen wird. Andere Überlegungen zielten auf die große wirtschaftliche und soziale Unsicherheit junger Menschen ab, die wohlmöglich zu einem Aufschub der Familienplanung und damit einem Rückgang der Geburten führen könnte.

Auf Basis von vorläufigen Ergebnissen der Geburtenstatistik bis zum März 2021 hat das Bayerische Landesamt für Statistik nun erste Auswertungen zur Entwicklung der Geburtenzahlen vorgenommen und liefert damit Hinweise zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Geburtenverhalten in Bayern.

Zwischen Dezember 2020 und Februar 2021 – und damit neun Monate nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 – sind nach bisherigem Datenstand im Freistaat insgesamt 31 023 Kinder zur Welt gekommen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Dezember 2019 bis Februar 2020 (29 719 Geburten) ist die Zahl der Geburten damit um 4,4 Prozent angestiegen.[1] Zwar war auch in den Vorjahren ein leichter Anstieg der Geburtenzahlen zu beobachten, der durchschnittliche Zuwachs belief sich in den vergangenen vier Jahren (2017 bis 2020) allerdings nur auf etwa 0,6 Prozent pro Jahr. Noch deutlicher wurden die Unterschiede bei einer Betrachtung der einzelnen Monate: Im Dezember 2020 wurden 2,7 Prozent mehr Kinder geboren als im Dezember 2019, im Januar 2020 lag die Zahl der Geburten 3,7 Prozent und im Februar 2021 sogar 7,0 Prozent über dem Vergleichsmonat aus dem Vorjahr.

Ab Juni 2020 wurden die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen im Freistaat schrittweise gelockert. Die Einschränkungen in den Bereichen Gastronomie und Tourismus blieben jedoch weitgehend bestehen. Im März 2021 – also neun Monate später – sind in Bayern 11 228 Kinder geboren worden, was im Vergleich zum März 2020 (10 415 Geburten) ein deutliches Plus von 7,8 Prozent bedeutet. Das Jahr 2021 hatte damit für den Monat März sogar die höchste jährliche Zuwachsrate der letzten zehn Jahre.

Allgemein kann ein Anstieg der absoluten Geburtenzahl verschiedene Ursachen haben. Eine mögliche Erklärung wäre eine gestiegene Anzahl junger Frauen und damit potenzieller Mütter (z. B. durch Zuwanderung). Ein anderer Erklärungsansatz besteht darin, dass sich die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau erhöht haben könnte. Auch eine Stabilisierung oder ein Rückgang des Durchschnittsalters der Frauen bei der Geburt kann phasenweise zu einer Erhöhung der Geburtenzahlen beitragen.

Der deutliche Anstieg der Zahl der geborenen Kinder in den Monaten Dezember 2020 bis März 2021 scheint auf den ersten Blick nicht ausschließlich die Folge einer größeren Anzahl von Frauen im gebärfähigen Alter zu sein. So war die Zahl der Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren in Bayern in den letzten Jahren sogar leicht gesunken (Durchschnitt 2017 bis 2020: -0,7 Prozent pro Jahr). Auch die Gruppe der Frauen im Alter von Ende 20 bis Mitte 30, die den größten Anteil an den Geburten hatte und damit das Geburtengeschehen maßgeblich prägten, ist in den Jahren 2017 bis 2020 mit durchschnittlich 0,6 Prozent bzw. 5 124 Frauen pro Jahr nur noch leicht gewachsen.

Inwieweit die deutlich erhöhten Geburtenzahlen vor allem in den Monaten Februar 2021 und März 2021 tatsächlich in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stehen, muss durch weitere Auswertungen näher untersucht werden. Offen bleibt derzeit die Frage, ob es zu einem langfristigen Anstieg der Kinderzahl pro Frau kommt oder ob ein „Vorziehen“ von ohnehin geplanten Geburten stattgefunden hat. Aufschluss hierüber werden die Geburtenzahlen der nächsten Monate liefern.

Bericht und Bildmaterial: Bayer. Landesamt für Statistik

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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