Leitartikel

Chiemgaukreuz bekommt zusätzliche Tafel

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Gedenken an die Kriegsopfer der Gemeinde Staudach-Egerndach  –   Der geschichtsbewussten Familie Schützinger, Philipp und Sohn Markus ist es zu verdanken, dass das zwölf Meter hohe Chiemgaukreuz auf der Kampenwand, ein weithin sichtbares Ehrenmal zum Gedenken der Kriegsopfer, nun um eine Tafel ergänzt wird. 76 Jahre nach Kriegsende wird nun auch den Kriegsopfern der Gemeinde Staudach-Egerndach gedacht. Während einer kleinen Feierstunde wurde die Tafel angebracht.

Wie alles begann  – Markus Schützinger bemerkte bei mehrmaligen Gipfelbesteigung der Kampenwand immer wieder, dass viele Chiemgauer Gemeinden mit Tafeln auf dem Chiemgaukreuz auf ihre Kriegsopfer aufmerksam machen. „Eine Tafel meiner Heimatgemeinde konnte ich nicht entdecken. Den Grund hierfür konnte mir auch niemand nennen“, sagte er.  Gemeinsam mit seinem Vater schmiedete er die Idee dies zu ändern. Doch vorab musste er recherchieren, wer überhaupt für das Gipfelkreuz zuständig ist und wer eine Tafel anbringen darf. Franz Schaffner, der Enkelsohn des Erbauers des eisernen Kreuzes war schnell ausfindig gemacht und gerne zu Auskünften bereit.

Wie das eiserne Kreuz auf die Kampenwand gelangte  – Das eiserne Gipfelkreuz steht bereits seit 1950 auf dem 1664 Meter hohem Ostgipfel der Kampenwand. Vorher war dort ein Holzkreuz angebracht, das jedoch einem Blitzschlag zum Opfer fiel. Als der Höslwanger Franz Schaffner aus der Gefangenschaft zurückkehrte, fasste er den Entschluss ein neues Gipfelkreuz zu bauen. Unterstützung fand er bei seinem Nachbarn und Schmid Josef Hell. Aus Altmetall, alten Sauerstoffflaschen und Panzerteilen, Material, das eben nach Kriegende vorhanden war, wurde ein eisernes Kreuz mit 12 Metern Höhe und einem 3,5 Meter langem Querbalken geschaffen. Der Transport des 54 Zentner schweren Kreuzes erfolgte mit der Bahn, danach mit Mullis und letztlich mit Muskelkraft. Franz Schaffner jun. und dessen Freund und Nachbarssohn Hermann Hell schließlich richteten das schwere Kreuz auf. Damals, so berichtet Schaffner heute, wurde festgelegt, welche Orte des Chiemgaus an das Kreuz eine Erinnerungstafel anbringen dürfen. Für diese Tafel wurde im unteren Bereich des Kreuzes eine Raute geschmiedet. Die Liste der berechtigten Orte ist leider nicht mehr vorhanden. Schaffner konnte sich aber an einen Plan erinnern, auf der auch die kleine Gemeinde Staudach-Egerndach vermerkt war.  Warum bislang keine Erinnerungstafel angebracht wurde, kann heute keiner mehr sagen. Auch Markus Schützinger fand auf diese Frage keine Antwort.

Jetzt auch eine Tafel aus Staudach-Egerndach  – „Ich habe mich schon immer für die Geschichte meines Heimatortes interessiert“, sagt Markus Schützinger. Gemeinsam mit seinem Vater Philipp wurde beschlossen nun für eine Tafel zu sorgen und diese auch zu spendieren. Bei der Krieger- und Soldatenkameradschaft Staudach-Egerndach wurde das Vorhaben sehr positiv aufgenommen und die Daten für die Tafel zusammengestellt und auch Bürgermeisterin Martina Gaukler freute sich über das Engagement der beiden geschichtsinteressierten Egerndacher. “Mir ist es wichtig das Gedenken an unsere Gefallenen und Vermissten hochzuhalten“, betonte sie und freute sich zugleich, dass ein Staudach-Egerndacher Bildhauer mit dem Auftrag betraut wurde.  Die meisten Tafeln am Kreuz fertigte der Schmid Josef Hell. Dem Staudach-Egerndacher Bildhauer Carsten Lewerentz gefiel diese Idee ebenfalls und so entwarf er die Motivtafel, die den alten Tafeln ähnlich sein sollte. Er zeichnete einen Entwurf und fertigte ein Gipsnegativ. Dieses wurde zunächst mit Wachs ausgegossen und dann das Modell überarbeitet. Abschließend wurde die Bronzetafel gegossen. Mit dem Ergebnis sind alle zufrieden. Die Tafel enthält nicht nur die Zahl der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege, sondern auch ein Flachrelief der Egerndacher Pfarrkirche. Mit ein wenig Patina könnte die Tafel den Anschein machen, als wäre sie vor 70 Jahren entstanden.

Tafel wurde angebracht   – Bei schönstem Bergwetter versammelten sich die Beteiligten und am Gipfelkreuz und lauschten den Klängen der Blasmusikanten, während  Markus Schützinger  gemeinsam mit Franz Schaffner die Tafel in einigen Metern Höhe anbrachten. Das siebenköpfige Wartungsteam, das sich um den Erhalt des Gipfelkreuzes und der Kapelle kümmert, war ebenfalls mit von der Partie. Vertreter der Krieger- und Soldatenkameradschaft wie auch Bürgermeisterin Martina Gaukler und der Bildhauer Carsten Lewerentz freuten sich, dass nun auch Staudach-Egerndach auf dem Chiemgaukreuz zu finden ist. Mit dem Lied vom „Alten Kameraden“ wurde abschließend den Kriegsopfern gedacht. Bürgermeisterin Martina Gaukler schrieb zudem eine Widmung ins Gipfelbuch und hielt damit den historischen Tag für Gemeinde und Chiemgaukreuz fest.

Großes Jubiläum geplant  – Vor genau 70 Jahren wurde das Chiemgaukreuz zum Gedenken unter großen Mühen aufgestellt. Seither kümmert sich die Familie Schaffner, nun mit Maximilian Schaffner bereits in der vierten Generation um den Erhalt. Unterstützung findet die Familie Schaffner beim Wartungsteam und der Gemeinde Höslwang. „Die, die sich noch an den Beginn, das Bauen des Kreuzes und die Aufstellung erinnern können, werden immer weniger“, bedauerte Franz Schaffner. Er sei auf der Suche nach Zeitzeugen, nach Unterlagen, nach Helfern, die damals mitwirkten und auch nach Erlebnissen, die im Zusammenhang mit dem Erbauen des Kreuzes stehen. Er möchte dies für das große Jubiläum in fünf Jahren zum 75jährigen Bestehen des Kreuzes und für die hierfür geplante Ausstellung in Höslwang zusammentragen. Wer hierzu beitragen kann, möge sich bei der Gemeinde Höslwang, Telefon 08055-488 oder bei Franz Schaffner, Telefon 0176-20049225 bitte melden.

Bericht: Tamara Eder

Fotos: Schützinger

KampenwandTafel1:  Franz Schaffner (rechts), Bildhauer Carsten Lewerentz (1.oben), Markus Schützinger (2.oben) freuten sich gemeinsam mit den Höslwanger Bürgermeistern Hans Murner (3.v.l.) und Josef Kink (2.v.l.), Bürgermeisterin Martina Gaukler (links unten) dem Wartungsteam und den Bläsern über die Anbringung der Gedenktafel

Martina: Bürgermeisterin Martina Gaukler hielt den historischen Tag mit einer Widmung ins Gipfelbuch fest

Chiemgaukreuz1: Franz Schaffner und Markus Schützinger montierten die mehrere kiloschwere Bronzetafel in schwindliger Höhe

Tafel 2: Nun wird auch den Kriegsopfern von Staudach-Egerndach mit einer Tafel am Chiemgaukreuz auf der Kampenwand gedacht.

Foto: Eder – Tafel: Carsten Lewerentz hat diese Tafel nach dem Vorbild der bereits vorhandenen Tafeln gefertigt. Das Flachrelief zeigt die Egerndacher Kirche

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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