Natur & Umwelt

Chiemgauer Sepp Buckl: ein Leben für Bodenschätze

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Als Josef Buckl aus Pinswang bei Rimsting vor fast 60 Jahren im Jahr 1961 mit seiner Frau Anna seine Hochzeitsreise nach Frankreich in die Nähe von Lyon machte, da funkte es nicht nur beim frisch vermählten Hochzeitspaar, sondern es funkelte auch gewaltig und nachhaltig. Der Aufenthalt war der Beginn einer besonders glänzenden Leidenschaft, denn in Frankreich wurde Buckl fündig beim Suchen nach Bodenschätzen. Er fand eine Stufe Bleiglanzkristalle, für ihn ein Stein vom anderen Stern.

Josef Buckl kam 1960 zu den Isar-Amperwerken (heute bayernwerk), dort fing er mit 1,76 Mark als Stundenlohn an, war später Monteur und Kolonnenführer und blieb dem Unternehmen vier Jahrzehnte bis zu seiner Pensionierung treu. Schon in jungen Jahren war er mit Bekannten mit dabei als es darum ging, an besonderen Plätzen besondere Funde aus dem Boden zu holen und damit Erkenntnisse zur heimatlichen und geschichtlichen Entwicklung zu gewinnen. Das Interesse wuchs, erste Fachmessen wurden mit Gleichgesinnten besucht und schon bald war Josef Buckl nicht nur von den Mineralien- und Fossilienfunden fasziniert, sondern eher infiziert. Der Kreis der Bekanntschaften, die sich miteinander auf den Weg zum Mineralien suchen machten, die er bei den Messen kennenlernte und der Radius, wo sich Exkursionen und Treffen abspielten, wuchsen gleichermaßen. Letztlich wurde Josef Buckl zu einem Weltenbummler, der stets auf dem Boden, zuweilen unter diesem blieb.

„Meine Reisen unternahm ich anfangs immer als Beiprogramm innerhalb meines Urlaubs mit meiner Frau, aber im Laufe der Zeit stieg der Anteil der Zeit, die ich für mein Hobby brauchte. So waren wir unter anderem in Sardinien, auf der Insel Elba, im Zillertal, in Tirol, in Südtirol, in Jugoslawien, in Portugal, in Spanien, in Frankreich, im Salzburger Land und in Ungarn“. Die größte und abenteuerlichste Reise führte ihn zusammen mit Freunden und Gleichgesinnten 1973 nach Brasilien. „Damals bekamen wir einen Auftrag von einem Großhändler, der 30 Quadratkilometer Grund gekauft hatte und einen ganzen Trupp engagierte, der den Grund nach wertvollen und seltenen Steinen absuchen sollte. Das war das einzige Mal, wo meine Reisekosten übernommen wurden, ansonsten war es ein teures und zeitraubendes Hobby, das aber immer wieder mit schönen und kostbaren Funden belohnt wurde“ – so Sepp Buckl.

Kristallisierte Mineralien, sowie Fossilien wurden immer mehr, daraus entstand eine erste Sammlung und aus oftmals gleichen Exponaten ergab sich auch eine aktive Beteiligung an privaten Tauschgeschäften. Diese wiederum entwickelten sich zu Messe-Präsenzen, auf diesen ergaben sich wieder neue Kontakte und Motivationen. Oft war Sepp Buckl mit seinen Freunden in Regionen und Gebieten unterwegs, die heute Naturschutzgebiet sind und bei denen es deswegen nicht mehr möglich ist, zu graben oder in die Höhlen zu gehen. Gerade deswegen sind die vormals gefundenen Exponate etwas Besonderes.  Unterwegs war Buckl auch in seiner Chiemgauer Heimat, an verschiedenen Stellen fand er einen Teil seiner Seeigel. Der letzte Fund war -förmlich vor der Haustür beim sommerlichen Hochwasser im heurigen August – eine 30 cm große Koralle im Bach von Pinswang in Richtung Moar z´Bruck – was wiederum der Beweis dafür ist, dass an dieser Stelle im Priener Westen früher ein Meer gewesen ist.

Messen – Fachliteratur – Museen – Schenkungen

Mit Hammer und Meisel im Gepäck ging Sepp Buckl auf Reisen und ans Werk. Widrige Umstände galt es dabei aufgrund der geologischen Situation und des Wetters zu überwinden, aber stets galt: Je schwieriger die Bedingungen, umso mehr wurden und werden die Funde geschätzt. Alle Einzelstücke hat Sepp Buckl zu Hause beschriftet und katalogisiert, dabei werden Fundort und Funddatum ebenso festgehalten wie die fachliche Zuordnung. Hierzu haben in all den Jahrzehnten der Besuch von Fach-Börsen, von Mineralien-Messen und viel Fach-Literatur geholfen und es hat sich ergeben, sich der Vereinigung Chiemgauer Mineralien- und Fossilienfreunde Traunstein anzuschließen. Bei den jeweiligen Zusammenkünften tauschten die Mitglieder nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch Fundstücke aus. „Oft hat man gleiche oder ähnliche Kostbarkeiten mit nach Hause gebracht, das war immer eine gute Gelegenheit, zu tauschen. Das geschah auch international, auf einer Messe in Ungarn zum Beispiel freundete ich mich mit einem Sammler aus China an und wir trafen uns mehrmals bei Fach-Messen. Dabei hatte jeder von uns für den anderen etwas Interessantes zum Tauschen dabei“ – so Sepp Buckl. Zu seinen Sammlungen gehören selbst gefundene Mineralien aus den Alpen sowie aus alten Bergwerken vieler Länder, dazu kommen versteinerte Hölzer und Fossilien.

Leihgaben und Schenkungen für Urwelt- und Mammut-Museum

Viele von Buckl gefundene und gesammelte Mineralien und Fossilien hat der dem Urwelt-Museum in Kleinholzhausen zur Verfügung gestellt, dem Siegsdorfer Mammut-Museum hat er zu dessen Eröffnung eine rote Koralle geschenkt, die er im Geigelsteingebiet fand bevor dieses unter Naturschutz gestellt wurde. Zusätzlich vermachte er dem Museum einen großen Bernstein, Lazulithkristalle und Fossilien. Als ihm vor kurzem eine Sammlung eines verstorbenen Freundes aus dem Chiemgau zum Geschenk angeboten wurde, da schlug er der Witwe vor, diese Sammlung dem Traunsteiner Verein für eine Versteigerung zugunsten sozialer Zwecke zu überlassen. Zum Dank für die Beratung und Mithilfe bei der Weitergabe der Sammlung bekam er einen aus Russland stammenden Meteoriten. Dieser bereichert nunmehr seine eigene Sammlung daheim und so wie dieser Meteorit hat jedes Einzelstück seine ganz eigene Geschichte und Wertigkeit. Sammler Sepp Buckl will seine glitzernden Unikate nicht verkaufen, sie sind für ihn ein kostbarer Spiegel beim Blick zurück auf ein außergewöhnliches Leben mit und für die Schätze der Böden daheim im Chiemgau und in vielen Ländern der Welt.

Fotos/Repros: Hötzelsperger

  • Sepp Buckl (hochformatig) mit einem Calcit aus Elmwood/Tennessee
  • Sepp Buckl mit Calcit aus Kremsmünster (1972)
  • Sepp Buckl bei Grabungen in der Lettenmeyrhöhle in Kremsmünster im Jahr 1972
  • Versteinertes Holz
  • Fossilien
  • Versteinerte Korallen

 

 

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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