Kultur

Chiemgauer Literaturfest „Leseglück – Grenzenlos Literatur“

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Mit einem unterhaltsamen „Abend der Sinne“ begeisterten Musikerin Andrea Wittmann aus Truchtlaching und Bierbrauer und Biersommelier Bernd Schweiger aus Hart in der Brauerei Camba Bavaria in Seeon. Da die Lesung im Rahmen des Chiemgauer Literaturfests „Leseglück – grenzenlos Literatur“ über die Bühne ging, genossen die Besucher eine bunte Mischung aus Musik, Gesang und Literatur, die viele Überraschungen parat hielt. Auch für die Lacher zwischendurch und feine Kulinarik war gesorgt. So gab es eine Bierverkostung für alle Sinne und dazu Gepäck aus der hauseigenen Bio-Bäckerei. Bierproben wurden unter anderem mit Butterbrot und Schokolade serviert. Ja es gab sogar ein Bier-Fondue.

Wenn einer seine Zuhörer begeistern kann, dann ist es der sympathische, mit allen Wassern und (mittlerweile auch) Bieren gewaschene Urbayer Bernd Schweiger, der einst Zimmerer und Bautechniker war und dann vor rund zehn Jahren eine zweite Karriere als Bierbrauer und Biersommelier startete. Wie bei seinen Brauereiführungen wurde auch beim „Leseglück“-Abend schnell klar, dass dies nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung sein muss, wenn man seine Gäste mit so viel Herzblut und Leidenschaft hintergründig in die Geheimnisse des Gerstensaftes einweiht. Schweiger zufolge seien bei der Brauerei Camba Bavaria und beim Brauereianlagen-Hersteller BrauKon, die 2016 von Truchtlaching nach Seeon umzogen, bereits 40 Braumeister und Brauingenieure beschäftigt und man habe schon über 250 verschiedene Biere hergestellt. Schon die Kelten und Römer hätten vor 2000 Jahren Bier gekannt und geschätzt, auch wenn die Geschmacksnerven bis zur Verkündung des Bayerischen Reinheitsgebotes 1516 oft auf eine harte Probe gestellt worden seien. Man müsse das Bier beim Genießen auch riechen und mit etwas Glück könne man es sogar hören, so Schweiger, der auch ein routinierter Fastenprediger und Hochzeitslader ist. Schon vor langer Zeit habe sich erwiesen, dass es von Vorteil sei, Bier und Brot unter einem Dach herzustellen, damit die Hefe ihre wundersame Wirkung so richtig entfalten könne. Dieser Tradition sei man treu geblieben.

An der Seite von Wittmann schlüpfte Schweiger im Stück „Semmelnknödeln“ in die Rolle des legendären Komikers Karl Valentin, der vor 140 Jahren in München das Licht der Welt erblickt hatte. Wie einst das kongeniale Duo Valentin und Liesl Karlstadt „dischgrierten“ sie, ob es nun Semmelknödel, Semmelnknödel, Semmelknödeln oder Semmelnknödeln heiße. Kaum ein Auge trocken blieb auch beim Valentin-Klassiker „Beim Arzt“, bei dem Schweiger den verzweifelt nach einer Krankheit suchenden Kassenpatienten spielte und Wittmann die neugierige Ärztin, die sich für alles interessiert, nur nicht für eingebildete Kranke. „Gar nicht krank, ist auch nicht gesund“, lautet passend dazu ein von Wittmann verlesenes Valentin-Zitat, von denen es an diesem Abend einige zu hören gab. Mit der humoristischen Satire  „Ein Münchner im Himmel“ erwies die studierte Kirchenmusikerin auch dem bekannten bayerischen Schriftsteller Ludwig Thoma die Ehre, dessen Todestag sich im Vorjahr zum 100. Mal gejährt hatte. Thoma sei oft im Chiemgau zu Gast gewesen, auch weil seine Mutter, die Oberförsterswitwe Katharina Thoma, Gaststätten in Prien (Zur Kampenwand), Traunstein (Zur Post) und Seebruck (Zur Post) betrieben habe. Ihre letzte Ruhestätte fand sie 1894 in Seebruck.

Für beste Unterhaltung sorgte Wittmann auch als Ziach-Spielerin und Sängerin. Die dargebrachten internationalen Klassiker reichten von einem Walzer über den argentinischen Tango und Rock ’n‘ Roll  bis hin zu Jodlern. Mit den Liedern „Ich möcht gern an Biersee“ und „In München steht ein Hofbräuhaus“ war zwischenzeitlich sogar für Bierzeltstimmung gesorgt. „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ wurde natürlich gemeinsam angestimmt. Den Optimismus sollte man auch in schwierigen Corona-Zeiten nicht verlieren, denn schon Valentin sagte: „Man soll die Dinge nicht so tragisch nehmen, wie sie sind“, „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch“ und „Die Zukunft war früher auch besser.“

Bericht und Bilder: Markus Müller

 

Foto (mmü): Musikerin Andrea Wittmann und Bier-Kenner Bernd Schweiger begeisterten mit ihrem bunten „Abend der Sinne“ im Rahmen des Chiemgauer Literaturfests „Leseglück – Grenzenlos Literatur“ in der Brauerei Camba Bavaria in Seeon. Neben Musik und  Gesang gab es bayerische Literatur. Für Witz, Humor und Kulinarik war ebenfalls gesorgt.

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Samerberger Nachrichten

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!