Leitartikel

Chiemgau-Gedenken auf der Kampenwand – I

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Seitdem am 26. August 1951 von Höslwanger Kriegsheimkehrern unter der Leitung von Franz Schaffner das eiserne Kreuz auf dem Gipfel der Kampenwand eingeweiht wurde, gibt es alljährlich ein Gedenken bei der Kapelle „Maria, Königin des Friedens“   nahe der Steinlingalm. Heuer war die Gemeinde Grabenstätt Ausrichter der Gedenkenmesse, zu der sich 92 Fahnenabordnungen aus den Veteranen-Kreisverbänden Traunstein und Rosenheim sowie aus den Ortsvereinen der Gemeinde Grabenstätt und viele Hundert Gläubige eingefunden hatten.

Zelebrant des heurigen Festgottesdienstes war Pater Gabriel, zuständiger Geistlicher für Grabenstätt und Chieming. Er erinnerte gleich zu Beginn der Feier daran, dass auch er persönlich allen guten Grund hat, an dieser Stelle Gott zu danken als er sagte: „Ich danke meinem Opa, er war nach dem Krieg sieben Jahre in Sibirien in Gefangenschaft, er hatte das Geschenk, wieder nach Hause zu kommen. So konnten meine Mutter und später auch ich geboren werden“. Der rumänische Landsmann bezeichnete die Kampenwand als Heiligen Berg und er bat frohe und dankbare Kinder und Söhne Gottes zu sein. „Jeder noch so kleine Teil Gutes auf Erden wird im Himmel groß belohnt werden und so wollen wir barmherzig und gerecht sein sowie Frieden stiften“, so der Geistliche, der anstatt einer Predigt aus den Reihen der Gottesdienstbesucher persönliche Bitten vortragen ließ. Diese dann auf kleinen Zetteln niedergeschriebenen Wünsche, die insbesondere den Frieden, die Gesundheit, die Dankbarkeit, den Familiensinn, das Ehrenamt und den Zusammenhalt zum Inhalt hatten, wurden auf ein vom Pater mitgebrachtes Holzkreuz festgenagelt. Mit dem vielfältig auslegbaren Satz „Habe die Ehre“ bat Pater Gabriel, stets den Blick auf Gott und auf die Mitmenschen zu richten und auf die gastgebende Gemeinde Grabenstätt gerichtet sprach er dessen Bürgermeister Georg Schützinger mit den Worten an: „Es ist mir eine Ehre und Freude, so einen Bürgermeister zu haben, der zum Abschied seiner 36jährigen Amtszeit nach 1995 noch einmal das innere Bedürfnis hatte, das Chiemgau-Gedenken auf der Kampenwand auszurichten“.

Bürgermeister Georg Schützinger selbst bat nicht zu vergessen, dass in Deutschland und Bayern seit 74 Jahren Frieden herrscht. Zugleich konnte er eine große Anzahl von Ehrengästen aus den Reihen der Politik, der Kommunen, den Veteranen-Vereinen sowie der Bundeswehr begrüßen. Schützingers besonderer Dank galt den Veteranen-Obmännern Pius Graf vom Landkreis Rosenheim und Michael Bernauer vom Landkreis Traunstein sowie den Gemeinden Aschau und Höslwang für das stets gute Miteinander bei den Vorbereitungen. Ein weiterer Dank galt der Musikkapelle Grabenstätt, den Aschauer Alphornbläsern sowie dem Salutzug der Gebirgsschützenkompanie Aschau für deren Mitgestaltung des Gottesdienstes. Dessen Abschluss bildeten eine Kranzniederlegung sowie die Bayernhymne. Dabei erinnerten die beiden Vorsitzenden der SKK Grabenstätt Michael Jendrischewski und der KSK Bernhard Hennes daran, dass der I. Weltkrieg 17 Millionen und der II. Weltkrieg 60 Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Zugleich baten sie darum, die Gründung der Bundesrepublik Deutschland vor 70 Jahren und den Fall der innerdeutschen Mauer vor 30 Jahren nicht zu vergessen indem sie sagten: „Auch 100 Jahre nach Ende des I. Weltkrieges ist der Frieden noch sehr zerbrechlich, es ist somit die Aufgabe, dass sich jeder Einzelne für den Friedenserhalt einsetzt und dass wir stets und auch fortan Ermahnen und Gedenken“, so die Veteranenvorsitzenden. Michael Bernauer als Vorsitzender der Veteranenvereine im Landkreis Traunstein sagte seinerseits Dank der Gemeinde Grabenstätt für die Übernahme der Gesamt-Organisation, der Gemeinde Aschau für die Vor-Ort-Unterstützung, den Obst- und Gartenbauvereinen sowie den Feuerwehren von Grabenstätt und Erlstätt für Blumenschmuck und Ordnungsdienste, der Bergwacht und der Sanitätsbereitschaft und auch der Kampenwandbahn für dessen großzügiges Entgegenkommen.  Unter den Teilnehmern am Gedenken war auch Paul Kink senior aus Aschau, er war einer von fünf Aschauer Männern, die 1951 das große und schwere Kreuz zusammen mit zwei Höslwanger Männern und mit zwei Mullis zum Steinling-Alm-Gebiet brachten. Das Aufstellen des Kreuzes und den Transport von Zement, Sand und Wasser auf den Gipfel übernahmen dann die Höslwanger federführend. So wie es für Paul Kink all die Jahre seit 1951 eine Selbstverständlichkeit ist, bei der Chiemgauer Gedenkfeier dabei zu sein, so war es auch für Bürgermeister Georg Schützinger in allen 36 Jahren ein Anliegen, dieses große Erinnern zu bewahren. Nächstjähriger Ausrichter der Gedenkmesse für die Gefallenen und Vermissten des Chiemgaus in zwei Weltkriegen ist die Gemeinde Schnaitsee.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke  vom Chiemgau-Gedenken auf der Kampenwand

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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