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Bürgermeidaillenträger Georg Poll von Neubeuern

Der Schmiedemeister Georg Poll war ein Handwerker vom alten Schlag, der sich viele Jahrzehnte mit Leidenschaft für seine Gemeinde Neubeuern eingesetzt hat.

Von 1956 bis 1990 saß er für die Freien Wähler im Gemeinderat. Für diese Tätigkeit und sein breites Engagement für das Gemeinwohl verlieh ihm der Markt Neubeuern am 8. Mai 1990 die Bürgermedaille.

In jungen Jahren war er im Trachtenverein als Plattler und Theaterspieler aktiv, in der Freiwilligen Feuerwehr fungierte er als langjähriger Schriftführer und zweiter Kommandant. Daneben war er aktiv bei den Altschützen, marschierte als Gründungsmitglied bei den Gebirgsschützen und trug mit Freude das Beurer Gwand.

Georg Poll wurde 1927 geboren und ist im alten Schmied-Anwesen in Holzham aufgewachsen. Über zwölf Schmiedegenerationen lassen sich in der Familiengeschichte zurückverfolgen.

Bei seinem Onkel in Flintsbach hat Georg Poll das Schmiedehandwerk erlernt.

1947 übernahm er die Schmiede am Marktplatz 6, 1952 legte er die Hufbeschlags- und Schmiedemeisterprüfung in München ab. In seinen frühen Berufsjahren war er als Wagenmacher und Hufschmied eine wichtige Anlaufstelle für die hiesigen Bauern. Der Hauptverband für Zucht und Prüfung deutscher Pferde e. V. verlieh ihm die Goldene Plakette für hervorragende Leistungen als Hufbeschlagmeister.

Seine große Leidenschaft gehörte dem Kunstschmiedehandwerk, das er sich mit den Jahren selbst beigebracht hat. Treppengeländer, Lampen, Grabkreuze, Kerzenleuchter und viele andere Objekte entstanden in seiner Werkstatt. Das helle rhythmische Klingen seiner Hammerschläge auf dem Amboss gehörte über 65 Jahre zum Marktplatz wie der Schlag der Kirchturmuhr.

Auch wenn er seine Arbeit allein in seiner Werkstatt verrichtete, so konnte jeder an seinem Tagwerk teilhaben. Es war oft die Schmiede, wo Marktplatzbewohner, Durchreisende oder Handwerker zusammenkamen, wo kaputte Töpfe, Schirme oder Messer auf Reparatur hoffen konnten und wo man sich gerne auf einen Ratsch getroffen hat.

Ganz besonders sind den Einheimischen noch die vielen, teils wunderschönen Pferde in Erinnerung, die vor der Schmiede geduldig auf ihren Hufbeschlag warteten.

Seiner Heimat Neubeuern war der „Schmied Schorsch“ aus tiefstem Herzen verbunden. Kurz vor seinem Tod im Oktober 2015 sagte er: „Es wird nicht viele geben, die ein so schönes Leben gehabt haben wie ich.“

Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger – www.wendelstein-anzeiger.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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