Kultur

Buchtipp: Harry Kämmerer, Isartod

Veröffentlicht von Günther Freund

Krimi um eine Wasserleiche in der Isar, einen zerstückelten Toten neben der Allianz-Arena und ein gigantisches Hotelprojekt im Isartal. Eine vorzügliche Mischung aus Korruption, Charakterstudie und Gesellschaftspanorama.

HauptkommissarKarl-Maria Mader,  Leiter der Mordkommission München, ist mit seinen Mitarbeitern  Klaus Hummel,  Frank Zankl und Doris Rossmeier im Dauereinsatz zwischen Fröttmaning,  Maxvorstadt, Giesing und Grünwald,  denn sie haben es mit einer Mordserie  zu tun. Zuerstgibt es eine Wasserleiche in der Isar, dann werden der Kellner eines Italieniers in der Schellingstraße sowie ein dubioser Erpresser umgebracht und schließlich sterben noch russische Geldeintreiber bei einer Schiesserei.. Die vier grundverschiedenen Polizisten hakeln sichgern, doch jetzt müssen sie sich zusammenraufen, denn es gibt alle Hände voll zu tun.  Frankreichliebhaber Mader, der in Gedanken oft bei Catherine Deneuve ist, Musikliebhaber Hummel, der sich in seiner Freizeit als Krimiautor versucht, Urbayer Zankl, der Stress hat, weil seine Frau trotz intensivster Bemühungen nicht schwanger wird und die Niederbayerin Rossmeier, die sich eines unerwünschten Verehrers erwehren muss,  geraten bei ihren Ermittlungen mitten hinein in den klassischen bayrischen Filz. Die Spuren führen in die Isarauen und zu einer Burg am Isarhochufer, einem Kristallisationspunkt der TOP 100 der Münchner Gesellschaft. Die Burg und das dazugehörige Areal im Isartal wird dringend benötigt für  ein Immobiliengeschäft des Investors  Dr.Herbert Patzer. Dieser plant ein gigantisches Hotelprojekt mit Namen ISARIA, in das allerlei Prominenz aus Politik, Wirtschaft und altem Adel verwickelt ist. Der  Burgbesitzer, Schwiegervater von Patzer, will aber nicht verkaufen.  Als er aus einem Turmfenster zu Tode stürzt, sieht es zwar aus wie Selbstmord, aber Mader und Kollegen glauben nicht daran, denn Patzer ist der große Profiteur, weil seine Frau alles erbt. Damit scheint das Projekt ISARIA gerettet. Mit bayrischer Gelassenheit, bösen Witzen und nicht immer unbedingt korrekten Dienstwegen bemühen sich die vier Ermittler gegen den skrupellosen Geschäftsmann etwas in die Hand zu bekommen.

In Harry Kämmerers neuestem Krimi geht es neben der Tätersuche hauptsächlich um die Münchner Seilschaften. Der Schriftsteller, einer der Stars der Münchener Krimiszene, versteht es mit Ironie und schwarzem Humor Milieu-Beobachtung, Seelenpanoramen und spannungsreiche Dramaturgie gut miteinander zu verbinden. Temporeich, mit lakonischem Sprachstil und brillanten Dialogen konfrontiert er seine LeserInnen rücksichtslos mit den negativen Seiten des gesellschaftlichen Lebens und dessen absurden Auswüchsen.

Buchprofile-Rezension von Günther Freund

Krimi, Nagel&Kimche,, 320 S.,  €  18,00

ISBN 978-3-312-01240-4

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Über den Autor

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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