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Bruckmühler Tafel: Kleine Hilfe – große Wirkung

Es ist eine Stunde in der Woche, die für manche Menschen ein kleiner Lichtblick sein kann. Diese eine Stunde findet in Bruckmühl immer donnerstags statt. Dann öffnet die Tafel von 9.30 Uhr bis 10.30 Uhr ihre Pforten und bietet bedürftigen Bürgern Lebensmittel quasi zum Nulltarif an. Für den symbolischen Preis von einem Euro können Menschen hier ihre Taschen füllen und aus einem reichhaltigen Angebot auswählen.

Damit die Regale in den Kellerräumen im Sozialhaus (Am Eichpold 10) auch stets gut gefüllt sind und die Wünsche der Tafelkunden so gut wie möglich bedient werden können, ist ein Team aus 48 ehrenamtlichen Mitarbeitern im Einsatz.

Tafelleiterin Christine Stieber erklärt die Abläufe: „Wir haben zehn Fahrer, die übriggebliebene Lebensmittel beim Bäcker, im Supermarkt oder im Großhandel abholen. Die werden dann bei uns gelagert und für die Ausgabe hergerichtet.“ Für Produkte, die gekühlt werden müssen, steht ein großer Kühlraum bereit, andere wandern wiederum ins Lager. Auf einem großen Tisch im Nebenraum kümmern sich ehrenamtliche Helferinnen und Helfer dann um frische Waren wie Obst, Gemüse oder Salat. Hier werden etwa welke Blätter entfernt oder ganz unansehnliche Stücke aussortiert.

Denn auch, wenn es meist Lebensmittel sind, die im herkömmlichen Handel aus den Regalen fliegen: Verdorbene Produkte gibt es in der Tafel nicht. „Viele Waren sind vielleicht knapp am Mindesthaltbarkeitsdatum“, sagt Christine Stieber. „Doch schlecht sind sie deshalb noch lange nicht.“

Auch wenn nicht immer alles verfügbar ist und die Tafelbesucher jeweils nur eine gewisse Menge an Lebensmitteln mitnehmen dürfen, so sind die Leiterin und ihr Team bemüht, die Wünsche ihrer Klientel nach Möglichkeit zu erfüllen. Stieber: „Wenn eine Person beispielsweise am liebsten roten Fruchtjoghurt möchte und wir haben den da, dann geben wir es auch den Wünschen entsprechend her.“

Zum Einkauf in der Tafel berechtigt sind sozial schwache und bedürftige Mitbürger. Dazu zählen zum Beispiel Menschen, die nur eine kleine Rente haben oder die Grundsicherung wegen Alter oder Erwerbsminderung erhalten. Bürger, die Arbeitslosengeld I oder II oder Hartz IV beziehen, können ebenso in die Tafel kommen wie Alleinerziehende und Familien mit geringem Einkommen. Für die Bedürftigkeit muss in der Regel am Anfang ein Nachweis erbracht werden, das wird dann in der Kartei der Tafel festgehalten. Ebenso wie die Information, für wie viele Haushaltsmitglieder Lebensmittel ausgegeben werden sollen. Doch starre Bürokratie ist den Mitarbeitern der Tafel fremd. „Wenn bei uns zum Beispiel eine Frau vorbeikommt, die kurzfristig in Not geraten ist, weil sie von ihrem Mann verlassen wurde und nun plötzlich alleine mit den Kindern dasitzt, schicke ich die nicht weg“, sagt Christine Stieber, die seit 15 Jahren die Einrichtung leitet. Sie weiß aus Erfahrung, dass es für die meisten Leute eine Überwindung ist, zur Tafel zu kommen und sie nicht deshalb da sind, um Lebensmittel-Schnäppchen zu machen. Für Menschen, die schon alt und gebrechlich oder gehbehindert sind, bietet das Tafel-Team einen Lieferservice an. Momentan sind es zwölf Haushalte, die von den Fahrern einmal in der Woche angefahren werden.

Insgesamt sind derzeit 240 Personen bei der Tafel registriert, davon 80 Kinder. Träger der Einrichtung ist die Diakonie Rosenheim. Damit das System Tafel in Bruckmühl mit der zusätzlichen Ausgabestelle Feldkirchen-Westerham so gut klappt, ist es wichtig, dass es auch Unterstützung von außen gibt. Und da kann Christine Stieber nur Positives berichten. „Die ganzen Geschäfte im Ort geben gerne und viel“, erzählt sie. „Auch Lebensmittel- und Geldspenden von Privatleuten kommen immer wieder bei uns an.“ Besonders erfreut war die Leiterin von der „Fünf-Euro-Tüten“-Aktion, die im Oktober von REWE initiiert wurde. Dabei konnten Kunden im Markt oder online fünf Euro für Spendentüten bezahlen, die mit lang haltbaren Lebensmitteln gefüllt waren. Diese Tüten wurden dann an die Tafel ausgeliefert. In Bruckmühl haben sich die Lager dadurch schon wieder gut gefüllt. Und so können sich die Tafelbesucher auch in den nächsten Wochen sicher sein, dass hier in Bruckmühl die Auswahl stimmt und der Donnerstagvormittag ein kleiner Lichtblick bleibt.

Text: af – Fotos: Baumann

Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger – www.wendelstein-anzeiger.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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