Brauchtum

Brauchtum-Erlebnisse mit dem Trachtenverein Prien

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

In Prien am Chiemsee sind bayerische Traditionen und Feste tief in der Dorfgemeinschaft verankert. Der Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Prien am Chiemsee pflegt und fördert seit über 120 Jahren die heimatliche Kultur und ist Treffpunkt für alle Generationen. „Das Schöne an unserem Trachtenverein ist, dass man nie zu jung oder zu alt dafür ist. Die Gepflogenheiten und Bräuche werden in den Familien weitergegeben und letztendlich bleibt so auch die Priener Kultur lebendig“, meint Claudia Rabe, Mitglied der Vorstandschaft des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins Prien am Chiemsee. Sie selbst konnte sich auch durch ihre Großeltern „für die Trachtensache begeistern“ und ist seit ihrem 16. Geburtstag aktives Mitglied im Verein. Was es Wissenswertes rund um Priener Tracht, Maibaumfest & Co. gibt, weiß Claudia Rabe am besten.

Priener Trachtenkult

Heimat, Bodenständigkeit und Lebensgefühl – die Tracht ist für viele Priener mehr als nur ein Kleidungsstück. „Früher war die Tracht die Sonntagskleidung. Heute wird die eigentlich „richtige“ Tracht nur noch zu besonderen Anlässen getragen“, erklärt Rabe. Die Priener Tracht ist keine Uniform und kann je nach Geschmack unterschiedlich gestaltet und ausgestattet werden. Trotzdem achten die Vereinsmitglieder auf eine bestimmte Linie: So ist beispielsweise die Joppe, der Trachtenjanker der Männer, immer grau und die Seidenschürze der Frauen und Mädchen immer hellblau. „Auch der Anlass unterscheidet die Wahl der Ausstattung. An kirchlichen und traditionellen Festtagen tragen die aktiven Frauen lange rote Ärmel, während bei Tanzveranstaltungen zur weißen Dirndlbluse gegriffen wird“, erzählt die Trachtlerin. Das wirklich Besondere der Frauen- und Dirndltracht ist jedoch der „Priener Hut“. Von der Priener Modistin Anna Brunnhuber entworfen, ist er seit den 1920er Jahren fester Bestandteil des Trachtengewands. „Die Unterseite der Krempe ist goldbestickt, auf dem Hutkopf befinden sich meist vier Goldquasten und am Hinterkopf wird er mit einer langen schwarzen Schleife festgehalten“, erklärt Claudia Rabe. Der Priener Hut ist über die Grenzen des Chiemsee-Alpenlandes hinaus bekannt und aus der Priener Tracht nicht mehr wegzudenken. Noch heute fertigt oder restauriert die Inhaberin des Hutgeschäfts Brunnhuber Monika Voggenauer die Trachtenhüte nach alter Handwerkstradition in ihrer Hutwerkstatt in Prien.

Trachtentänze: Schuhplatteln & Dirndldrahn

Ursprünglich als frei gestalteter „Balztanz“ eines einzelnen Buam gedacht, entwickelte sich das Schuhplatteln Mitte des 19. Jahrhunderts zum Schautanz der Männer, der unter anderem auch bei hohem Adelsbesuch vorgeführt wurde. „Vögelfanga“, „Sterntanz“ & Co. – beim Schautanz folgt das Platteln einer Choreographie, die alleine getanzt oder vom Vorplattler des Vereins vorgegeben wird. „So wie sich Tracht und Brauchtum regional unterscheiden, ist auch die Art und Weise zu tanzen und zu platteln charakteristisch für eine Region“, weiß Claudia Rabe. „In Prien platteln die Trachtler nach der Chiemgauer Art, die sich vor allem durch ihre Eleganz und kraftvollen Schläge auf Schuhen und Hosen auszeichnet.“ Das Dirndldrahn ist wiederum ein gemeinschaftlicher Tanz: Nach dem Walzer dreht sich das Mädchen um den Jungen, der zur Melodie plattelt. Schon die Kleinsten lernen im Trachtenverein das Schuhplatteln und Dirndldrahn.

Maibaumtraditionen in Prien am Chiemsee

Das Maibaum-Aufstellen ist ein beliebtes Brauchtumsfest in der Seegemeinde, das meist alle vier Jahre – abhängig vom Zustand des alten Maibaums – am 1. Mai mit Blasmusik und Volkstänzen begangen wird. Doch schon weit vor dem Festumzug beginnen die Vorbereitungen. Der bereits im Winter geschlagene Baum wird traditionell im Januar von einem Trachten-, Jungbauern- oder Burschenverein der Umgebung gestohlen, versteckt und bewacht. Im Februar laden die Räuber schließlich einige Mitglieder des Priener Trachtenvereins ein, um in gemeinschaftlicher Arbeit den Baum für seinen großen Auftritt vorzubereiten. Beim festlichen Einzug am ersten Mai präsentieren die Diebe ihre „Beute“ und der mit Girlanden und Kränzen geschmückte Maibaum wird mit einem Pferdegespann zum Priener Marktplatz gefahren. Hier beginnen die Verhandlungen: Bürgermeister, Vorstand & Co. feilschen mit den Maibaumdieben um die Auslöse des Maibaums. „Bezahlt wird schließlich in Naturalien mit reichlich Brotzeit und Bier“, so Claudia Rabe. Unter großen Anstrengungen und mit bloßer Muskelkraft übernehmen die Priener Trachtler dann das Aufstellen. Unter lauten Zurufen des Fachmannes wird der Baum mit einem Tusch an seinen vorgesehenen Platz auf dem Marktplatz versenkt. Bei bayerischen Schmankerln, Schuhplattler-Einlagen und Dirndldrahn genießen Gäste und Einheimischen anschließend die Festlichkeiten

Weitere Informationen über Prien am Chiemsee sind beim Kur- und Tourismusbüro Prien unter info@tourismus.prien.de oder +49-(0)8051 6905 0 sowie im Internet unter www.tourismus.prien.de erhältlich. News, Live-Berichte, Bilder und Videos auch auf Facebook oder You Tube.

Copyrights der Bilder: © Prien Marketing GmbH / Tanja Ghirardini

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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