Allgemein

Brandübung mit Wildenwarter Container

„Es war ganz schön warm da drinnen, ich schwitze, ohne dass ich mich körperlich angestrengt hätte. Wenn ich mir jetzt noch vorstelle, dass ich jemand aus einem so verrauchten Zimmer, das voll brennt herausziehen müsste – das geht schon voll an die Grenzen“, fasste einer der Lehrgangsteilnehmer seine Eindrücke aus dem Brandübungscontainer am Wildenwarter Feuerwehrhaus zusammen. „600 bis 800 Grad an der Zimmerdecke und immerhin noch 150 Grad auf der Höhe des Helmes, das treibt den Schweiß gerade zu hervor, ein Saunagang ist nichts dagegen“.

60 Feuerwehrleute – alles ausgebildete und aktive Atemschutzgeräteträger (ASG) – aus dem gesamten Landkreis Rosenheim nutzten die Möglichkeit, einmal unter realen Bedingungen in einem brennenden, total verrauchten und dunklem Raum zu üben. Der große rote Brandübungscontainer ist eine deutschlandweit einmalige Einrichtung, den es in dieser mobilen Form nur in Bayern gibt. Der Container wurde durch das Bayerische Staatministerium des Inneren (BayStMI) in Zusammenarbeit mit dem Landesfeuerwehrverband entwickelt und bezahlt. Die fachliche Durchführung der Einsätze übernimmt die Firma Dräger, die weltweit Ausrüstung, vor allem Atemschutz und Bekleidung für die Feuerwehren herstellt und vertreibt. Im Gegensatz zu anderen kommerziellen Brandübungsstätten, die zumeist ortsfest sind, ist die Ausbildung im Container des BayStMI für die teilnehmenden Feuerwehrleute kostenfrei.

„Es riecht wie in einer Räucherkammer, alles ist schwarz und am Kopfende des Containers ist eine große Brandstätte; hier wird ein Holzfeuer angezündet und in kürzester Zeit heizt sich der Container auf, die Betriebstemperatur beträgt etwa 600 bis 800 Grad, auf der Arbeitsebene haben wir noch 150 Grad. Mit zwei großen Toren kann der Container geschlossen werden, damit ist vollkommene Dunkelheit hergestellt. Ein Rettungstrupp steht außerhalb unter Atemschutz bereit, um bei Notfällen sofort eingreifen zu können“.

Dominik Mauer aus Schweinfurt ist einer der Ausbilder, die den Container auf seinem Weg durch den Freistaat begleiten, jeden Tag ist er mehrfach unter Atemschutz zur Ausbildung im Container und bringt den Lehrgangsteilnehmern das richtige Verhalten im und am Feuer bei. Er ist auch im Hauptberuf Feuerwehrmann bei einer großen Firma in Schweinfurt und hat durch viele Lehrgänge die Lehrerlaubnis für diesen Container erworben. „Unser Hauptziel ist es stets, die jungen Feuerwehrleute an das Feuer heranzuführen und ihnen Vertrauen zu ihrer Schutzausrüstung zu geben. Die Gemeinden haben große Summen in die Brandschutzanzüge der Feuerwehren investiert, die Aktiven sollen sehen, dass sie durch diese Ausrüstung auch tatsächlich geschützt sind. Sie sollen erkennen, dass die körperliche Belastung in einem heißen, verqualmten und dunklen Raum extrem hoch ist und nur ständiges Fühlung halten und eingespielte Handlungen im Team zum Erfolg führen können. Echte ganz große Brandeinsätze stellen heute eher die Ausnahme im Einsatzspektrum der Feuerwehren vor Ort dar, umso wichtiger ist es, dass alle das Wesen des Feuers kennen. Zimmerbrände gehören auch heute noch zum alltäglichen Geschäft auch der kleinen Wehren, gerade diese Art von Bränden versuchen wir im Container zu simulieren. Wir wollen den eingesetzten Kräften zeigen, wie ein Feuer brennt, welche Auswirkungen der Rauch hat und wie sie ihr Material am besten zum Einsatz bringen können. Dabei versuchen wir die spektakulären Bilder aus dem Fernsehen, mit ihren Explosionen und Verpuffungen aus den Köpfen der Lehrgangsteilnehmer zu bringen. Als Ziel am Rande versuchen wir zu vermitteln, dass es bereits mit geringen Mengen an Löschmitteln möglich ist einen Brand wirksam zu bekämpfen und die Effektivität des Einsatzes nicht an der Menge des verbrauchten Wassers gemessen wird“.

Franz Siller aus Kiefersfelden ist einer der Atemschutz-Ausbilder im Landkreis Rosenheim. Er war höchst zufrieden mit dem Leistungsstand der Gruppen, die die Ausbildung im Brandübungscontainer absolvierten. „Wir müssen diese Möglichkeiten in vollem Umfang nutzen, nur mit diesen realitätsnahen Übungen können wir unseren jungen Feuerwehrleuten die Gefahren des Feuers, aber auch ihre eigenen Schutz- und Einsatzmöglichkeiten nahe bringen“. Katrin Ramsauer aus Wildenwart nahm gleich beim ersten Durchgang als einzige Frau an der Ausbildung teil: „Ich bin Atemschutzgeräteträgerin, ich habe eine gute Ausbildung durchlaufen und der heutige Tag stellt die Krönung dieser Ausbildung dar. Heute konnte ich sehen, wie gut unsere Ausrüstung ist und gleichzeitig, welche Belastungen durch Hitze, Rauch und Dunkelheit auf den Einzelnen im Einsatz zukommen“.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© Copyright Samerberger Nachrichten.