Kultur

Bis 26. Mai: Leuchtenberg-Ausstellung im Kloster Seeon

Betritt man den kleinen Friedhof der Kirche St. Walburg von Kloster Seeon, dann fallen sofort die russisch-orthodoxen Grabkreuze ins Auge. Sie weisen darauf hin, dass Kloster Seeon – bekannt als ehemaliges Benediktiberkloster – einst auch das Zuhause eines weit verzweigten Adelsgeschlechts war: dem der Leuchtenbergs. Mit ihnen beschäftigt sich die Ausstellung „200 Jahre Herzöge von Leuchtenberg“, die noch bis zum 26. Mai in Kloster Seeon zu sehen ist.

Mitglieder der Adelsfamilie Leuchtenberg waren es, die hier nach russisch-orthodoxem Ritus bestattet wurden. Das Herzogsgeschlecht, das mit Hochadel in ganz Europa verwandt war und dessen Familienbande bis nach Frankreich und Russland reichten, war eine der glanzvollsten Adelsfamilien Bayerns. Ihren Anfang nahm die Geschichte mit der Heirat des französischen Adeligen und Stiefsohns von Napoleon Bonaparte, Eugène de Beauharnais, mit der bayerischen Prinzessin Auguste Amalie. Um seinen Schwiegersohn nach dem Abtritt als italienischer Vizekönig zu versorgen, stattete ihn König Max I. Joseph von Bayern mit dem Titel „Herzog von Leuchtenberg“ und dem Fürstentum Eichstätt aus. Aus der Zwangsheirat wurde eine Liebesbeziehung, aus der sechs Kinder hervorgingen. Darunter Josephine, die spätere Königin von Schweden, Maximilian, der die Zarentochter Maria Romanowa heiratete, und Amélie, die durch ihre Heirat Kaiserin von Brasilien wurde. Sie war es auch, die 1854 das säkularisierte Kloster Seeon kaufte, damals ein Mineralbad.

Glanz und Elend

Nach Amélies Tod ging der Besitz an den russischen Zweig der Familie. Georg von Leuchtenberg erwählte das jetzt so genannte „Schloss Seeon“ zum Familiensitz und ließ dort eine glamouröse Zeit anbrechen – samt Maskenbällen und Theateraufführen. Lange währte die glückliche Episode jedoch nicht. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs ließ die Familie aus Deutschland fliehen. Nachdem sie durch die russische Revolution ihrer Besitztümer verloren hatte, kehrte sie Jahre später verarmt nach Seeon zurück. Das Schloss wurde zum Fluchtpunkt für russische Emigranten – und zur vorübergehenden Heimat von Anna Manahan, die als angebliche Zarentochter Anastasia weltweite Berühmtheit erlangte und deren Geschichte sogar von Hollywood verfilmt wurde. Teile der Familie, die ihre Geschichte glaubten, nahmen sie vorübergehend auf, und aus diesem Grund fand „Anastasia“ dort auch etliche Jahre nach ihrem Tod ihre letzte Ruhestätte. Nach dem Verkauf der letzten Seeoner Besitztümer lebte Olga von Leuchtenberg, Georgs Witwe, bis zu ihrem Tod 1954 in ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen Anwesen bei der Kirche St. Walburg, während ihre fünf Kinder in alle Welt verstreut wurden.

Exotische Exponate

Die Ausstellung erzählt die bewegte Geschichte der Leuchtenbergs in Bayern und in Seeon und dokumentiert zugleich ihre große Bedeutung als Sammler von Kunst und anderer Objekte. Den Machern ist es gelungen, zahlreiche verborgene Stücke aus den Depots öffentlicher und privater Sammlungen zusammenzutragen – meist kleine, aber feine Stücke aus den Bereichen Alltag, Kurioses, Gesellschaft, Jagd, Zoologie, Mineralogie, Paläontologie und Militär. Darunter beispielsweise die herzoglichen Schlittschuhe aus der Seeoner Zeit, ein von Herzog Georg gestifteter Schützenpokal für die „Klosterschützen Seeon“, Exotisches aus Brasilien und Ostindien, ein Taufkleid der Leuchtenbergs aus feinster Spitze oder auch Teile eines Prachtpferdegeschirrs. Speziell für Seeon stellte die Stadt Trostberg ein Gemälde von Nadeshda Annenkova – Mutter von Georg von Leuchtenberg – zur Verfügung. Exponate, die die kurze, aber intensive Ära des Herzogsgeschlechts Leuchtenberg wieder aufleben lassen.

200 Jahre Herzöge von Leuchtenberg

Das Fürstentum Leuchtenberg wurde vor rund 200 Jahren aus der Taufe gehoben. Eugène war einer der reichsten und großzügigsten Fürsten in Bayern. 1817 legte er den Grundstein zum Palais Leuchtenberg in München. Die Leuchtenbergs besaßen damals mit die größten Kunstschätze im Land. Diese Wanderausstellung des Freundeskreis Leuchtenberg gibt einen kleinen Einblick in die Sammelleidenschaft der Leuchtenbergs, in deren Münchner Zeit und darüber hinaus. Viele verborgene Stücke aus den Depots öffentlicher und privater Sammlungen können gezeigt werden. Da sind die herzoglichen Schlittschuhe aus der Seeoner Zeit, ein exzellenter Lampenschirm aus Schloss Malmaison von dem berühmten Pariser Aquarellisten und Miniaturisten Auguste Garneray Simeon (1785 – 1824), ein noch heute ausgeschossener und von Herzog Georg gestifteter Schützenpokal, ebenso wie Karten des Eichstätter Fürstentums, Exotisches aus Brasilien und Ostindien (der rote Ibis und ein Rotlori, der Leuchtenbergit) sowie Paradedegen aus Eugène‘s Zeit samt der Entwurfszeichnung. Nicht zu vergessen Detailpläne und Aquarelle des Münchner Palais ebenso wie ein Teil eines einstigen Prachtpferdegeschirrs aus Stein an der Traun. Begleitet wird die Ausstellung von einem kurzen Dokumentationsfilm zum Herzogshaus Leuchtenberg.

Die Ausstellung ist noch bis 26. Mai im Kloster Seeon zu sehen. Geöffnet täglich von 10 bis 17 Uhr. Begleitet wird die Ausstellung von einem kurzen Dokumentarfilm zum Herzogshaus Leuchtenberg.

Rahmenprogramm:

  • Sa, 18. Mai, 14 Uhr: Ausstellungsführung mit Hedwig Amann M. A.; Eintritt frei! Gruppenführungen (80 €) auf Anfrage: E-Mail: hamann@kloster-seeon.de
  • Sa, 18. Mai, 19 Uhr: Amelie, Prinzessin von Leuchtenberg und Eichstätt, Kaiserin von Brasilien; Vortrag mit Claudia Thomé Witte (Brasilien); Eintritt: 5 €
  • So, 19. Mai 17 Uhr: Vesper und anschl. Kleines Geistliches Konzert mit ostkirchlichen Gesängen mit dem Regensburger Sergius Chor; Eintritt frei!

Text und Foto: Kloster Seeon

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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