Natur & Umwelt

BGL: Ein Garten für Schmetterlinge

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Schmetterlinge gehören zweifellos zu den auffallendsten und schönsten Erscheinungen der Tierwelt. An ihren prachtvollen Farben, ihren beeindruckenden Zeichnungen und ihrem sorglosen Treiben können wir Menschen uns über fast keine andere Insektengruppe mehr erfreuen als über Schmetterlinge. Durch menschengemachte Umwelteinflüsse, vorrangig der Faunenveränderung sowie durch Düngung in der Kulturlandschaft ist auch ihr Bestand stark rückläufig: Zwei Drittel der Tag- und die Hälfte der Nachtfalterarten in Deutschland gelten mittlerweile als gefährdet. Dabei kann jede/-r Gartenbesitzer/-in mit der richtigen Pflanzenwahl und Gartengestaltung geeignete Bedingungen schaffen und sich von Frühling bis Herbst an den „fliegenden Blumen“ erfreuen.

Die Dauer der einzelnen Lebensphasen ist unter den Schmetterlingsarten so verschieden wie die Farben und Zeichnungen ihrer Flügel. Bei den meisten allerdings überwiegt die Lebenszeit im Raupenstadium. Das Kleine Nachpfauenauge oder der Braune Bär (Schmetterling des Jahres 2021) leben als Falter sogar nur so kurz, dass sie gar keine Nahrung benötigen und entsprechend nicht einmal Mundwerkzeuge besitzen. Das Falterleben eines Zitronenfalters hingegen kann einschließlich Winterstarre bis zu zehn Monate andauern. Jedes Schmetterlingsleben beginnt mit einem Ei, meist in großen Mengen – bis zu 3.000 Eier legen Weibchen einiger Eulenarten an der spezifischen Wirtspflanze ab. Die meisten Falter bevorzugen sonnige Standorte zur Eiablage. Nach dem Schlüpfen beginnen die Raupen sofort, die Blätter ihrer Wirtspflanze zu fressen. Bis zur Verpuppung schafft es jedoch nur ein kleiner Teil der Raupen, da sie leichte Beute für Vögel, Spinnen, Wespen und Parasiten sind. Nach der letzten Häutung wandelt sich die Raupe zur Puppe, die an Ästen und Gräsern angeheftet, in Ritzen von Baumrinden oder lose in der Erde liegend die Hülle für die Verwandlung zum Falter bildet. Bis in der Puppe aus einer Raupe ein Schmetterling wird, können Monate bis Jahre vergehen. Wenn der Falter schließlich schlüpft, muss er seine laschen Flügel mit Luft und Blut „aufpumpen“, bevor er sich in die Luft erheben kann.

Schmetterlinge siedeln sich dort an, wo sie Blütennahrung für sich- und Futterpflanzen für ihre Raupen vorfinden. Nahrung für Raupen bieten vor allem heimische Wildstauden und Gehölze. Wer genügend Platz hat, kann mit einer frei wachsenden Hecke aus Schlehe, Faulbaum, Kreuzdorn, Liguster und Weißdorn für Raupenfutter sorgen, während die Blüten der Sträucher erwachsene Falter anziehen. Unter den Gehölzen ist die Salweide hervorzuheben. Sie bietet frühfliegenden Schmetterlingen, wie Tagpfauenauge und Kleinem Fuchs, sowie auch anderen Insekten und Wildbienen im Vorfrühling wichtigen Nektar. Vor allem aber dienen die Blätter der Salweide vielen Raupen, wie der des Grünen Schillerfalters, des C- Falters und vielen Nachtfaltern, als Futter.

Bezüglich Futter für Falterraupen darf unter den Wildkräutern die Brennnessel nicht ungenannt bleiben. Nur an ihr fressen die Raupen des Admirals, des Kleine Fuchs, des Distelfalters. Einige Arten bevorzugen schattige, andere sonnige Brennnesselstandorte. Auch Ackerkratzdisteln, Knoblauchsrauke, Weidenröschen, Mädesüß, Labkraut und Blutweiderich oder hohe Wildgräser werden von verschiedenen Arten gerne mit Eiern belegt. Die Spezialisierung einiger Arten auf Brennnesseln ist kein Einzelfall. So ernähren sich die Raupen des Zitronenfalters überwiegend von Blättern des Faulbaums, die Raupen des Aurorafalters von Wiesenschaumkraut und anderen Kreuzblütlern, während Luzerne und Hornklee die Nahrungsgrundlage für verschiedene Bläulingsarten bilden. Schwalbenschwanzraupen fressen nur Doldenblütler wie Wilde- und Gartenmöhre, Dill, Fenchel, Liebstöckel spezialisiert.

Schmetterlinge besitzen lediglich einen Saugrüssel, sodass sie nur flüssige Nahrung in Form von Nektar, Pflanzensäfte, Fruchtsaft oder Honigtau zu sich nehmen können. Obwohl Riechen der stärkste Sinn der Schmetterlinge ist, werden sie von starken Farben der Blüten angelockt. Der Nektar einiger schmal- und langröhrigen Blüten kann nur von den langen Saugrüsseln der Schmetterlinge „geerntet“ werden. Da somit öfter die gleiche Pflanzenart vom Bestäuber angeflogen wird, erhöhen diese Pflanzen ihre Bestäubungsrate. Von Faltern werden aber auch Blütenstände mit vielen kleinen Einzelblüten wie Sonnenhut oder Sommerflieder – dieser wird zu Recht auch Schmetterlingsflieder genannt – gerne angeflogen. Sträucher wie Weigelien, Kolkwitzien und Kräuter wie Minze, Lavendel, Rosmarin, Katzenminze, Thymian und Dost gelten ebenfalls als beliebtes Buffet für Schmetterlinge. Sehr frühschlüpfende Schmetterlingsarten freuen sich über die Blüten von Schlüsselblumen, Lerchensporn, Günsel, Wiesenschaumkraut, Blaukissen und Gamswurz im Frühling. Wertvolle Nektarquellen für spätschlüpfende Schmetterlinge sind: Natternkopf, Flockenblume, Moschusmalve, Wiesensalbei, Spornblume, Phlox, Sonnenhut und ganz besonders für den Herbst: die Fetthenne. Generell sollte drauf geachtet werden, dass von Frühling bis Herbst immer etwas blüht – das erfreut nicht nur Schmetterlinge, sondern alle anderen Insekten und natürlich den/die Gartenbesitzer/-in selbst.

Wildblumenmischungen für Magerstandorte erbringen Nektar für viele Falter und gleichzeitig Futter für die Raupen seltenerer Arten, wie Aurorafalter, Hauhechel- Bläuling, Schachbrettfalter oder Taubenschwänzen. Nichts tun hilft auch – zumindest mit einem „wilden Eck“, das nur selten gepflegt wird und Wildwuchs ermöglicht. Oft siedeln sich dann von selbst passende Nahrungspflanzen für Raupen und Schmetterlinge an. Viele Falter ernähren sich gerne vom Saft faulender Früchte. So wird liegengelassenes Obst zu einer willkommenen Futterquelle. Bleibt nur noch die Frage, wie die schillernden Insekten zu ihrem Namen kamen. Einige empfinden womöglich den Klang des Wortes „Schmetterling“ als sehr hart für diese sanftmütig und froh-gaukelnd anmutenden Tiere. Der Name kommt vom „Smetter“, mittelhochdeutsch für Schmand oder Rahm, an dem sich die Falter gerne bedienen. Das lässt sich ganz einfach selbst ausprobieren: Einfach ein kleines Schälchen mit flüssigem Rahm und vielleicht noch ein paar saftig-süße Früchte auf den Terrassentisch stellen und mit der Schmetterlingszählung im eigenen Garten kann begonnen werden.

Falls weitere Fragen zum Thema insektenfreundlicher Gärtnern oder bezüglich Gartenbau bestehen, steht der Kreisgartenfachberater Sepp Stein unter Telefon +49 8651 773-853 gerne beratend zur Seite. Besitzer eines bereits besonders naturnahen Gartens, können diesen vom Kreisfachberater und dem Kreisverband für Gartenbau und Landschaftspflege im Rahmen der „Bayern blüht – Naturgartenzertifizierung“ zum Naturgarten auszeichnen lassen.

Standort Raupenfutterpflanzen Nektarpflanzen
sonnig-trocken Wiesenkümmel, Wilde Möhre, schmalblättriges Weidenröschen, Labkraut, Kleine Bibernelle, Hornklee,

Weißdorn, Liguster, Schlehe, Kreuzdorn

Färberkamille, Skabiosen-Flockenblume, Spornblume, Roter Sonnenhut, Natternkopf, Moschusmalve, Katzenminze, Nachtkerze, Dost, Wiesensalbei, Purpur-Fetthenne, Thymian
sonnig-frisch

bis feucht

Wilde Möhre, Wasserdost, Mädesüß, Liebstöckel, Blutweiderich, Amperarten, Große Brennnessel,

Faulbaum, Salweide, Grauweide

Blaukissen, Flockenblume, Gamswurz, Wasserdost, Wiesenstorchenschnabel, Nelkenwurz, Schleifenblume, Blutwiederich, Baldrian,
halbschattig

bis schattig

Hopfen, Braunelle, Raues Veilchen, Große Brennnessel, Liguster, Brombeere Lerchensporn, breitblättrige Glockenblume, Nachtviole, Silberblatt, Rote Lichtnelke, Weiße Lichtnelke, Waldgeißblatt

Bildunterschriften:

Bild 1: Schwalbenschwanz, Raupe: Die auffällig bunte, bis zu 5cm lange Raupe des Schwalbenschwanzes frisst an Doldenblütlern wie Fenchel, Möhre, Dill, etc.

Bild 2: Puppe Schwalbenschwanz: Die Entwicklung von Raupe zum Falter dauert beim Schwalbenschwanz im Frühling lediglich 12-20 Tage. Verpuppt sich die Raupe im Sommer, überwintert die Puppe

Bild 3: Schwalbenschwanz: Der Schwalbenschwanzfalter gilt in unseren Breiten als einer der größten und prächtigsten Falter, hier an einer Schafgarbe

Bild 4: Kleiner Fuchs, Raupen: Die Raupen des kleinen Fuchses fressen nur an Brennnesseln

Bild 5: Kleiner Fuchs: Kleiner Fuchs leckt Mineralien an einem Stein

Bericht und Fotos: LRA Berchtesgadener Land

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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