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Diakonie Herzogsägmühle: Briefmarken sichern Arbeitsplätze

Wer abgestempelte Briefmarken nicht wegwirft, sondern spendet, kann damit Gutes bewirken: Die Marken sichern die Arbeitsplätze vieler Beschäftigter in den Herzogsägmühler Werkstätten, die die Marken für den Weiterverkauf aufbereiten.

32 Frauen und Männer mit psychischen Erkrankungen arbeiten in der Diakonie Herzogsägmühle in der Briefmarkenverwertung. Sie schneiden Briefmarken aus, lösen sie vom Papier und sortieren sie nach Kriterien wie Inland, Ausland, Sondermarken oder der Art des Poststempels. Auch die fachgerechte Verpackung obliegt den Mitarbeitenden der Werkstatt. Verkauft werden sie an Sammler und professionelle Händler auf Briefmarkenbörsen und im Internet. Auch in Herzogsägmühle selbst können die aufbereiteten Marken erworben werden. 50.000 bis 60.000 Euro Ge-winn erwirtschaftet die Werkstatt pro Jahr. Der Erlös dient der Entgeltzahlung, sichert also Arbeitsplätze. Einen kleinen Teil erhalten die Mitarbeitenden als Taschengeld.

Für Manfred Baum, der die in den 1990er Jahren gegründete Briefmarkenverwertung seit 17 Jahren leitet, steht der Gewinn aber nicht im Vordergrund. „Mir persönlich ist die sinnvolle und wertvolle Beschäftigung am wichtigsten, mit der wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor allem Selbstwertgefühl vermitteln.“ Wegen der Corona-Pandemie könnten derzeit nur fünf bis zehn Personen bei ihm arbeiten, berichtet Manfred Baum. „Aber es gibt ein großes Interesse an den besonders gestalteten Arbeitsplätzen, sogar eine Warteliste.“ Doris Eichinger vom zuständigen Sozialdienst begleitet die Arbeit der Briefmarken-Gruppe. Sie kommt jeden Montag in der Werkstatt vorbei und bespricht mit den Beschäftigten, wie die Arbeit läuft und ob es Probleme gibt.

Neben Privatleuten sammeln Pfarrämter, Firmen und Behörden

Insgesamt seien durch die Digitalisierung nicht mehr so viele Briefmarken im Umlauf, so Baum. „Wir leben vor allem von den vielen kleineren Sendungen von Privatleuten, die für uns Briefmarken sammeln. Auch aus Pfarrämtern, Firmen und Behör-den kommen täglich Marken in Herzog­ sägmühle an, daneben alte Postkarten und Briefe, gelegentlich Alben und Nachlässe.“ Auch geleerte frankierte Kuverts würden angenommen. Das Ausschneiden übernähme dann die Werkstatt. „Und was die Adressen auf den Umschlägen angeht, da garantieren wir für den Datenschutz“, erklärt Baum. Nach dem Ausschneiden kämen diese in den Reißwolf und das zerkleinerte Papier an die Papierfabrik UPM Schongau. „Mit dem Erlös aus den Papierschnitzeln finanziert sich unser Sportverein“, so Baum.

Der Bezirk Oberbayern spielt in Herzogsägmühle eine wichtige Rolle, und das gleich mehrfach. Als Sozialhilfeträger finanziert er dort viele Hilfen – darunter Wohnangebote und Tagesstruktur für Menschen in besonderen sozialen Lebenslagen, Therapeutische Wohngemeinschaften, Sozialpsychiatrische Dienste und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Insgesamt erhielt die Diakonie Herzogsägmühle, die Einrichtungen in mehreren oberbayerischen Landkreisen betreibt, für ihre Arbeit im vergangenen Jahr rund 35,4 Millionen Euro vom Bezirk.

Poststelle der Bezirksverwaltung schickt Briefmarken nach Herzogsägmühle

Aber nicht nur die Sozialverwaltung des Bezirks hat einen guten Draht zu Herzogsägmühle, sondern auch die Poststelle der Bezirksverwaltung. Dort schneiden Michaela­ Elmahdi und Franziska Jais neben ihrer sonstigen Arbeit Postwertzeichen für die Werkstatt in Herzogsägmühle aus. „Das dauert nicht lange und ist gut, um zwischendurch einmal abzuschalten“, so Elmahdi. Ausgeschnitten wird aus den Umschlägen, die bereits in der Poststelle geöffnet werden. „Das sind vor allem Schreiben­ für die Sozialverwaltung, die bei uns den Großteil der eingehenden Post ausmachen“, erklärt Jais.

Auch die Mitarbeitenden des Bezirk können ihre Marken beisteuern. Seit Januar steht dafür am Personaleingang eine der speziell gefalteten „Herzogsägmühler Briefmarkenschachteln“ bereit, die die Einrichtung auf Wunsch kostenfrei zur Verfügung stellt. Bestellung über briefmarken-werkstaetten@­herzogsaegmühle.de oder Telefon ­ 08861 219-144.

Bericht: Bezirk Oberbayern

Foto: Diakonie Herzogsägmühle – Werkstatt mit Briefmarkengruppe in Herzogsägmühle noch vor Einführung des Maskengebotes.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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