Land- & Forstwirtschaft

Besuch bei der neuen Feichteckalmerin auf dem Samerberg

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Die Zahnarztpraxis mit einer Alm für einen viermonatigen Sommer lang tauschen – das war ein lange gehegter Traum von Anita Wimmer aus Palling im Landkreis Traunstein. Mit diesem Wunsch wandte sich die 25jährige zahn-medizinische Fachangestellte und weitergebildete Verwaltungs-Assistentin an den Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern. Dieser stellte den Kontakt zu Almbauer Bartholomäus Mayer in Samerberg-Schilding her, da dieser für seine Feichteckalm eine Sennerin suchte. „Nach ersten telefonischen und persönlichen Gesprächen mit dem Almbauer und mit seiner Mutter Irmi waren wir uns schnell einig und so bin ich seit dem 27. Mai hier heroben“ – so die Almerin bei einem Feierabendbesuch.

Es ist der erste Almsommer für Anita Wimmer, die immer schon viel in den Bergen zu Fuß unterwegs war und bei ihren Touren gerne bei bewirtschafteten Almen einkehrt. Dabei hat sie das starke Gefühl, auf dem Berg für sich angekommen zu sein. „Heuer ist im Tal ja auch weniger los, da versäume ich ja Nichts“ – nach diesem Motto genießt sie Arbeit, Besucher und Ruhe ganz bewusst. Im Tal gelassen hat sie auch das Internet, für ihre Familie und Freunde sowie für den Almbauern ist sie jedoch telefonisch erreichbar. Die Arbeit auf der Alm mit 48 Stück Jungkühen fällt ihr nicht schwer, zusammen mit ihren drei Schwestern ist sie auf dem Bauernhof Neubauer in Brünning bei Palling aufgewachsen, ihre ältere Schwester Regina ist jetzt die Bäuerin, ihre Eltern helfen im Austrag noch fleißig mit.

„Das Richtige für mich gefunden“

„Bevor ich den Almdienst antrat, hatte ich keine fixe Vorstellung was mich alles erwartet, aber ich habe auf jeden Fall des Richtige für mich gefunden“ – mit dieser Zwischenbetrachtung erwähnt sie auch noch, dass der Umgang mit den Tieren und die Bewirtung der Wanderer  und Mountainbiker  sehr abwechslungsreich und kurzweilig ist. Zwischen 6 Uhr und 7 Uhr in der Früh beginnt der Almtag, als Erstes wird der Holzofen eingeheizt, dann geht es hinaus zum Zählen der Rinder und zum Kontrollieren der Zäune. Meistens hat sie dabei ihre Sense zur Weidepflege dabei. Anschließend gilt es noch den Stall auszumisten und nach der Sorge um das Vieh kommen die Menschen dran. Ab 10.30 Uhr kommen die ersten Gäste, die sich mit kleinen Brotzeiten und selbstgemachten Kuchen sowie erfrischenden Getränken stärken, bedient wird derzeit wegen Corona allerdings nur im Freien. Wenn schlechtes Wetter ist, dann sind Putzen, Waschen oder Lesen angesagt.

„Keine Angst vor Gewittern, deren Hall besonders stark ist“

Heuer waren schon einige starke Gewitter, Angst hat die Sennerin davor nicht, dazu sagt sie: „Gewitter schaue ich gerne, hier heroben ist der Donnerhall vom Trockenbachtal herauf besonders stark, aber fürchten tue ich das Gewitter nicht“. Angst vor dem Wolf hat sie auch nicht, doch großen Respekt schon, wenn man von den jüngsten Schafsrissen eines Wolfs im benachbarten Tirol hört. Auf der Alm und besonders von den Samerbergern fühlt sich Anita Wimmer gut angenommen, viele Kontakte und auch Stammgäste sind schon entstanden. Für den heurigen Sommer gibt es keine weiteren großen Planungen, ein großer Almabtrieb ist nicht vorgesehen.Für Irmi Mayer vom Voggenauer-Hof in Schilding, ist die engagierte Sennerin ein Glücksfall wenn sie sagt: „Wir haben uns von Anfang an gut verstanden, sie ist geschickt im Umgang mit den Tieren und Gästen, ihre verschiedenen Käse- und Streisel-Kuchen sind sehr beliebt und sie hat immer einen freundlichen Ton drauf. Da können wir uns auf einen wirklich schönen Almsommer freuen“. Freuen wird sich auch die Kieferorthopädin Dr. Isabell Wend in Traunreut, wenn Anita Wimmer im Oktober ihre Alm-Auszeit beendet und dann wieder zu ihrem Arbeitgeber zurückkehrt.

Fotos: Hötzelsperger – Feichteck-Almerin Anita Wimmer beim Herrichten ihrer selbstgemachten Kuchen und bei ihren Rindern auf der Almweide.

 

Nähere Informationen: Almbauer Bartholomäus Mayer, Telefon 08032-8722

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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