Natur & Umwelt

Besondere Steinfunde in Prien a. Chiemsee

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Immer wieder finden sich zwischen dem Chiemsee-Ufer und der nahen alpinen Bergwelt besondere Steine. Zwei dieser jüngst in der Marktgemeinde Prien gefundenen Steinfunde wollen wir mit diesem Beitrag vorstellen.

1. Der Steinfund von Christoph Haenel aus Prien nahe einer Villa am Herrenberg

Aus der eingeholten, hochinteressanten und ausführlichen Expertise von dem Indologen Wilfried Huchzermeyer aus Karlsruhe erläutert Christoph Haenel wie folgt: Die Schrift auf dem Stein ist zweifellos „Sanskrit“. Genauer: es sind Zeichen aus der „Devanagari“-Schrift. In dieser Schrift werden sowohl das altindische Sanskrit als auch moderne indische Sprachen wie Hindi geschrieben. Ein besonderes Merkmal dieser Schriftzeichen ist der horizontale Balken, der über den meisten Zeichen erscheint. Ein Punkt darüber bedeutet, dass das Wort auf „m“ auslautet. Die Schrift verläuft normalerweise horizontal von links nach rechts, aber in diesem Fall sind die Zeichen vertikal untereinander angeordnet.  Die Zeichen sind nicht leicht zu entschlüsseln, schon weil sie in der steinmetzerischen Form bisweilen von der gedruckten abweichen. Am besten identifizierbar ist auf dem Stein ganz unten das Schriftzeichen „la“. Aber letztlich hat Wilfried Huchzermeyer alle Zeichen identifiziert – siehe Foto (Anlage) vom Stein mit Laute samt Umschrift. Es handelt sich jeweils um einzelne Silbenzeichen, keine Wörter. Weder für sich noch als Ganzes gelesen ergeben sie eine Botschaft. Die Zeichen werden also symbolisch eingesetzt mit Bedeutungen, die sich nur Eingeweihten erschließen. Der Stein am Herrenberg enthält wahrscheinlich ein besonderes und uraltes Element des Hinduismus, ein Mantra. Mantras sind mythische Laute, Gebete ohne Worte, geeignet zur Immer-Wiederholung des Gläubigen. Es gibt im Hinduismus eine lange Tradition dafür, im Westen ist am bekanntesten das Mantra OM, das beim Yoga zur Stütze der Konzentration dient. In seiner Expertise erinnert Wilfied Huchzermeyer bescheiden daran, dass er auf den Schultern von großen deutschen Indologen steht, die seit dem frühen 19. Jh. Sanskrit geforscht haben, z.B. von den Brüdern August Wilhelm und Friedrich Schlegel. Kenntnisse der Devanagari-Schrift waren aber stets nur einem kleinen Kreis von Fachgelehrten und deren Studenten vorbehalten.  Weitere Deutungen will Wilfried Huchzermeyer nicht geben, insbesondere nicht zur Rosette, schon weil sie sehr verwittert ist. Sein Fazit: „Der Stein am Herrenberg lädt zum Verweilen und zum Blick ins Innere ein – und zu einer Meditation über die klangvolle, uralte Sanskrit-Sprache, die demselben indoeuropäischen Zweig angehört wie unsere deutsche Sprache“.

 Information: Wilfried Huchzermeyer ist Indologe, Autor und Verleger. Zu seinen Publikationen zählen: Das Yoga-Lexikon, Erlebnis: Sanskrit-Sprache und Die heiligen Schriften Indiens – Geschichte der Sanskrit-Literatur. Websites: www.edition-sawitri.dewww.sanskrit.de)

 Fotos Christoph Haenel – Der Stein von Prien-Herrenberg bzw. Blick vom Herrenberg auf Prien.

2. Der Steinfund von Irmi Ritzinger aus Prien am Schöllkopf-Badeplatz

 Auch Irmi Ritzinger aus Prien-Bachham hat einen besonderen Stein gefunden. Dieser zeigt die Jahreszahl 1677 und die Buchstaben „C“ und „W“. Die Finderin ist noch der Ansicht, dass die eingeritzten Buchstaben an ein Marienmonogramm erinnern. Eine klare Deutung kann Kreisheimatpfleger Karl J. Aß geben, er erklärt: „Der Schöllkopfstein ist ein Grenzstein zwischen der Herrschaft Aschau (A) und der Hofmark (Herren)Chiemsee(C) von 1677, weitere Grenzsteine im Chiemgau sind aus dieser Zeit noch bekannt“.  Diese Aussage entspricht auch den Ausführungen im Bernauer Heimatbuch, dort hat Joseph Aiblinger in einem Artikel über Denkmäler und Grenzsteine Folgendes festgehalten: Am 22. Juni 1677 wurde vor dem kurfürstlichen Landgericht Burghausen ein Prozess zwischen dem Grafen Johann Maximilian II. von Preysing auf Hohenaschau und dem Fischermeister vom Chiemsee abgeschlossen, der die Gerichtsgrenze für den Irschner Winkel endgültig festlegt: Vom Schöllkopf aus in gerader Linie über den See nach Felden zur Grenzsäule. Um diese Grenze auch »für ewige Zeiten« und für jedermann sichtbar zu machen, wurde am Schöllkopf eine steinerne Grenzsäule aufgestellt (heute noch am alten Platz). Die Säule ist dreieckig und weist auf den Seiten je nach Richtung die Buchstaben »W« für Wildenwart, »C« für Frauen-Chiemsee sowie »A« für Aschau auf. Unter allen Buchstaben ist die Jahreszahl 1677 eingehauen. Diese Säule ist in einen breiten Grundstein eingelassen. Vier weitere große achteckige Steine von je 80 mal 80 cm wurden in den See entlang der Grenzlinie versenkt. Durch die Absenkungen des Chiemsees im 20. Jahrhundert sind drei dieser Grenzsteine heute sichtbar“.

Fotos: Irmi Ritzinger – Der Stein vom Schöllkopf in Prien mit der Jahreszahl 1677

Fotos: Hötzelsperger: Badeplatz Schöllkopf  –  Eindrücke vom Herrenberg

Weitere Informationen: www.prien.de   und    www.bernau-am-chiemsee.de

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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