Landwirtschaft

Bernauer Ausstellung: Bienen im Pelz

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Am vergangenen Samstag wurde im Bernauer Rathausfoyer wieder eine Ausstellung auf Zeit eröffnet. Bürgermeister Philipp Bernhofer dankte in seiner Begrüßung dem BUND Ortsverband Bernau, mit dieser Ausstellung zum ersten Mal ein ökologisches Thema im Rathaus zu präsentieren. Die Wildbienen und Hummeln beschäftigen seit einigen Jahren die Gemeinde selbst, so wandle sie seit geraumer Zeit mehrere der häufig gemähten Freiflächen in Nutz- und Futterflächen für wildlebende Insektenarten um.

Ortsvorsitzende Pia Ostler war froh, dass es in Zusammenarbeit mit der BUND-Kreisgruppe Rosenheim und dessen Vorsitzendem Peter Kasperczyk gelungen sei, diese Ausstellung nach Bernau zu holen. Die Anlieferung der Schautafeln hätte zwar etwas Probleme bereitet, aber zusammen mit der Vorstandschaft und der Mithilfe der Gemeindebediensteten sei dann ein reibungsloser Aufbau möglich gewesen. Die Zeit der Präsentation sei geradezu ideal, da momentan die Gartensaison beginne und seit ein paar Tagen auch die ersten Hummeln nach Nistplätzen in den Gärten suchen würden. Vielleicht kann durch die erklärenden Texte und die Anschauungsobjekte der ein oder andere Gartenbesitzer diesen Insekten hilfreich zur Seite stehen. Sie dankte außerdem dem Klarinettenduo Almer-Schlemer für die musikalische Umrahmung der Eröffnung und leitete dann zur Referentin des Vormittags über.

In ihrem Kurzvortrag zum Thema Hummeln ging Ursula Fees, Umweltpädagogin und Gartenbauingenieurin in der Kreisgruppe des BUND Rosenheim, neben den Erkennungsmerkmalen und der Entwicklung eines Volkes im Jahreslauf besonders auf die Bedeutung der Wildbienen und hierbei vor allem der Hummeln ein. In Europa gäbe es derzeit neben der Honigbiene etwa 550 Wildbienenarten, zu denen die 41 Hummelarten gehören. Den Wert der Bestäubungsarbeit in der Landwirtschaft kann man jährlich mit etwa 14 Milliarden Euro beziffern. Bei der Tomatenzucht werden z.B. in vielen Gewächshäusern Hummeln als Bestäuber eingesetzt, um die Pflanzen zu befruchten. Leider seien aber durch die industrielle Landwirtschaft mit dem immensen Pestizideinsatz und der Zerstörung wichtiger Lebensräume viele Wildbienen- und Hummelarten vom Aussterben bedroht. Jeder könne aber dazu beitragen, den Fortbestand der Arten zu sichern, indem er etwa passende Nisthilfen zur Verfügung stellt oder ihnen pollenreiche, vorwiegend einheimische Blühpflanzen und Sträucher anbietet. Ein „g‘schlamperter Garten“, in dem Vieles wachsen und blühen könne und auch mal etwas liegen bleiben darf, sei der beste Naturschutz. Wichtig sei auch darauf zu achten, dass keine Pestizide im Garten eingesetzt werden. Zum Abschluss wies Fees noch darauf hin, dass der BUND Naturschutz und das Institut für Biodiversitätsinformation (IfBI) eine bayernweite Mitmachaktion mit dem Titel „Wer brummt denn da?“ gestartet hat. Handyfotos (WhatsApp an das Hummeltelefon 0163/9631987 oder per Mail an hummelfund@ifbi.net) von den ersten Hummeln werden dabei von einem Expertenteam bestimmt und mit Informationen zu der jeweiligen Art beantwortet. Ziel hierbei ist es, herauszufinden, welche Hummeln in einer Region auftreten.

In einer anschließenden Diskussionsrunde wurde erwähnt, dass Landwirte durch Satellitenüberwachung förmlich gezwungen seien, ihre Grundstücke bis zur Grenze zu mähen, um nicht staatliche Fördermittel zu verlieren. Somit gingen viele Hecken- und Randbereiche verloren, die bisher Insekten und anderen Wildtieren als Nist- und Futterplätze dienten. Andererseits würden aber immer neue staatliche Schutzprogramme aufgestellt, die z.B. das Anlegen und die Pflege solcher Randstreifen fördern. „Das ist doch ein Witz!“, wie es ein Anwesender auf den Punkt brachte.  Mit angeregten Gesprächen bei Häppchen und Getränken klang der Vormittag aus.

Die Ausstellung ist noch bis Anfang Mai während der normalen Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen.

Bericht und Fotos: Georg Leidel – Hoffen auf eine große Resonanz der Ausstellung in der Bevölkerung (von links): BUND Ortsvorsitzende Pia Ostler, Bürgermeister Philipp Bernhofer, Referentin Ursula Fees und Kreisvorsitzender Peter Kasperczyk.

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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