Kultur

Bernau: Erste Gedenkausstellung für W.G. Maxon

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Fast zu klein war das Foyer des Bernauer Rathauses, als Hausherr und Bürgermeister Philipp Bernhofer anlässlich der Vernissage von Architekturzeichnungen von Wilhelm Georg Maxon die anwesenden Gäste begrüßte. Neben dem Vorsitzenden des Kulturfördervereins Priens, Dr. von Daumiller, waren vor allem viele Weishamer und Hittenkirchner gekommen, die „ihren“ Maxon noch selbst kennen gelernt haben. In den einleitenden Worten dankte Bernhofer Kulturreferentin Michaela Leidel und Maxon-Nachlassverwalter Jakob Thalmayr aus Weisham für die Organisation und den Aufbau der außergewöhnlichen Ausstellung, unterstützt durch den Bernauer KunstKreis.

Leidel erinnerte daran, dass vor genau 100 Jahren W.G. Maxon erstmals nach Bernau gekommen sei und sich nun anlässlich des 125. Geburtstags des Künstlers die hiesigen Räumlichkeiten hervorragend für eine Verkaufsausstellung eignen würden. Sie freue sich, dass ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf der Gemälde zur Finanzierung der Renovierung der Maxon-Kapelle verwendet wird. Die in Weisham versteckt liegende Rundkapelle sei 87 Jahre nach der Erbauung und Ausgestaltung von Maxon und seinen Schülern ziemlich renovierungsbedürftig. Dies habe eine genauere Untersuchung im Jahre 2018 bestätigt, an der auch Jakob Thalmayr, Lehrer an der Meisterschule für das Vergolderhandwerk in München teilgenommen hat. Als Verwalter des Maxon-Nachlasses, Kunstsachverständiger und Nachbar der Kapelle sei ihm diese ganz besonders ans Herz gewachsen und es auch der Gemeinde als offizieller Besitzerin dieses Kleinods ein Anliegen sei, dass dies durchgeführt werden könne.

In seinen Ausführungen ging Thalmayr zuerst kurz auf die Lebensgeschichte des Künstlers und seinen Bezug zu Bernau ein.

1894 in Bayreuth geboren, studierte Maxon, Sohn aus liberalem Elternhaus mit schottischen, französischen und italienischen Ahnen, 1913 in München zunächst Theaterwissenschaften und später dazu noch Malerei und Grafik an der Kunstakademie. Nach seiner Hochzeit mit Clara Bender gründete er 1919 in München-Schwabing eine private Kunstschule. Noch im gleichen Jahr verlegte er die Sommersemester nach Weisham bei Bernau und bewohnte dort zunächst ein Zimmer beim „Fischerwirt“. Seitdem pendelte er immer wieder zwischen dem Chiemsee und München. Viele Studienreisen führten ihn ins Ausland, in die Schweiz, Holland, England und vor allem nach Italien und Frankreich. In den 30er-Jahren galt Maxons Kunst als „entartet“. Noch während des Zweiten Weltkrieges, nachdem 1943 eine Fliegerbombe sein Münchner Atelier zerstört hatte, zog er mit Frau und Tochter endgültig nach Weisham an den Chiemsee. Große Bedeutung hatte der Künstler für die Wiedererweckung des kulturellen Lebens im Chiemgau. Er gründete den Kulturkreis Chiemgau und war zusammen mit dem Bernauer Dr. Hugo Decker Initiator der ersten freien deutschen Kunstausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg, die am 5. August 1945 in Prien eröffnet wurde. 1954 wurde Maxon zur „Würdigung seiner künstlerischen Arbeit und der Verdienste auf kulturpolitischem Gebiet“ das Bundesverdienstkreuz verliehen. Am 12. September 1974 verstarb er in Weisham und wurde auf dem Hittenkirchner Friedhof beigesetzt

Thalmayr zufolge sei aber Wilhelm G. Maxon nie ein „Chiemgauer Künstler“ im engeren Sinn gewesen, sondern hätte sich als Europäer verstanden und war als solcher auch immer unterwegs, was seine vielen Studienreisen belegen. Während seiner langen Schaffenszeit habe der Künstler einen gewaltigen Umbruch erlebt – sowohl politisch als auch künstlerisch.

In dieser Gedenkausstellung wird ein Metier Maxons gezeigt, das vielen Besuchern eher weniger bekannt ist, die der Künstler aber schon fast mit der Muttermilch aufgesaugt hat – die Architektur. Sowohl sein Großvater als auch sein Vater waren Architekten. Der Großvater war im Bayerischen Königreich mit der Planung der Eisenbahnlinie Rosenheim – Salzburg betraut, unter der Leitung seines Vaters entstand das Münchner Armeemuseum. Von daher verwundert es nicht, dass sich auch Maxon mit Architektur beschäftigte. Ihn interessierten dabei die Körperlichkeit, die Proportionen und die unterschiedlichen Oberflächenstrukturen, auch bei Industrieanlagen.

In der Bernauer Ausstellung werden insgesamt 36 Arbeiten von Einzelgebäuden, Anlagen und Stadtansichten aus Frankreich und Italien in unterschiedlichen Techniken gezeigt. Sei es die Pariser Metro, skizzenhaft in Pastell dargestellt, ein mit Ölfarbe gestalteter Wandteppich auf der Empore des Sitzungssaales, das Aquarellbildnis mit der Piazza von Assisi oder der großformatige und sehr detailreiche Eiffelturm als Tuschezeichnung im ersten Stock. Über all diese Bilder wacht im Foyer das einzig erhalten gebliebene Selbstbildnis in Ölfarbe.

Zur Musik des „Max Resch Trios“ konnten sich die Vernissage-Besucher intensiv mit den faszinierenden Werken auseinander setzen und die ein oder andere Anekdote zur Person Maxon austauschen.

Diese Ausstellung ist der Auftakt zu einem Gedenkjahr, im Landkreis Rosenheim werden noch zwei weitere folgen. Zum einen soll in Rosenheim das noch zu Lebzeiten des Künstlers an den Landkreis vererbte Gesamtwerk „Dokumentum humanum“, das unter dem Eindruck der Münchner Bombennächte entstand, gezeigt werden. Desweiteren wird sich Prien Maxons Frühwerken aus der Zeit des Theaterwissenschaftsstudiums in der „Galerie im Alten Rathaus“ widmen.

Die Architekturzeichnungen können noch bis zum bis 21. Juni im Bernauer Rathaus besichtigt werden. Geöffnet ist Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8 bis 12 Uhr, Dienstag von 14 bis 16 Uhr und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr. Die Bilder können dabei käuflich erworben werden.

Bericht und Fotos: Georg Leidel

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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