Land- & Forstwirtschaft

BDM Bauern im Dialog mit Andrea Wittmann

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

In ihrem Bestreben, sich den Belangen der Bauern anzunehmen, hatte die FW Kandidatin für die Bundestagswahlen, Andrea Wittmann, neulich einen Dialog mit BDM (Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V.) Bauern im Gasthaus „Alpenblick“ in Weibhausen. Der Kreisvorsitzende des BDM Traunstein, Sepp Hubert, hatte Wittmann eingeladen, sich einen Überblick über die Probleme der Milchbauern unter den gegenwärtigen Gegebenheiten zu verschaffen. Begrüßen konnte Hubert zu diesem Treffen seine Stellvertreterin Maria Mayer, sowie die Kreisvorsitzende im BGL, Liesi Aschauer und ihren Vertreter, Albert Aschauer und etwa 20 weitere Milchbauern aus beiden Kreisen. Hubert meinte, die Anliegen der Milchbauern müssten auch im Fokus der Öffentlichkeit bleiben und Treffen wie dieses seien sehr gut dazu geeignet. „Wir müssen uns immer präsent zeigen“.

Wittmann sagte in ihrer Einführung, sie sei sehr an der Erhaltung einer gesunden, lebens- und zukunftsfähigen Landwirtschaft interessiert. Im Falle einer erfolgreichen Premiere in der Politik will sie einen Posten, der sich mit Landwirtschaft befasse, sagte Wittmann. Dies sei einer der Gründe, warum sie schon vorab der Landwirtschaft so viel Aufmerksamkeit widme und sich ein umfassendes Bild machen wolle. Sie meinte, die Landwirtschaft sei sehr wichtig, in erster Linie natürlich, um die Versorgung mit Lebensmitteln zu gewährleisten, aber ebenso in kultureller Hinsicht. Zudem spiele sie einen wichtigen Teil im Tourismus und durch sie sei unsere Gegend eine der gefragtesten darin. „Ohne Bauern können wir zusammenpacken“ beteuerte sie. Aus ihren bisherigen Erfahrungen könne sie urteilen, es sei vieles falsch gelaufen in der Landwirtschaft und sei entschlossen, sich für eine Landwirtschaft im Sinne der Bauern einzusetzen, falls gewählt.

Vor Allem die Mitglieder der Vorstandschaften des BDM aus den Kreisen BGL und Traunstein stellten daraufhin Probleme und Forderungen der Milchbauern dar. Viele Dinge seien falsch gelaufen in den vergangenen Jahren, insbesondere durch Entscheidungen, Vorschriften und Erlässe aus allen Regierungsstädten, von München bis Brüssel. Regularien sollten viel mehr durchdacht, auf bestimmte Regionen abgestimmt und nicht nach dem „Gießkannenprinzip“ angewandt werden. Ein Beispiel dafür sei die Subventionsverteilung. Obwohl kürzlich etwas verändert, würden sie immer noch zu sehr nach Fläche bemessen. Weit mehr sollten dabei Kriterien wie Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit, Tierwohl und Arbeitsleistung in Betracht gezogen und belohnt werden. Eigentlich wollten die BDM Bauern gar keine Subventionen, sagten sie, sondern lediglich einen fairen Preis für ihre Milch, der ihnen Überlebenschancen und die Weiterführung ihrer Höfe ermöglichen würde.

Sepp Hubert brachte den Import von Palmöl zur Sprache. Es gehe nicht an, meinte er, Palmöl zu importieren, es in Milchpulver zu mischen, das dann nicht als solches deklariert und als Billigware in dritte Welt Länder verramscht würde und die dortige Landwirtschaft ruiniere. Insbesondere sei dieser Import von Palmöl auch zu verurteilen, weil dabei Menschen, wie dem brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, Ausreden geliefert würden, gegen den Klimawandel wichtige Regenwälder zerstören zu lassen. Diese Methode sei auch widersprüchlich für die hiesigen Bauern, denn durch die Konzentration auf den Export in ferne Länder entstehe Überproduktion hier und der damit einhergehende Preisverfall. Dabei seien es nicht Industrie, Handel und die Molkereien, die diesen Preisverfall zu absorbieren hätten, sondern die Bauern. Wittmann warf hier ein, sie verstünde nicht, wie viele Lebensmittel importiert würden, denn „wir haben doch fast alles“ und müssten eigentlich sehr wenig importieren. Die Regionalität sollte gestärkt werden.

Bezüglich der Milch sagte Hubert, der BDM habe schon sehr einleuchtende Strategien entwickelt, um Miseren für Milchbauern zu entschärfen. Diese seien zudem auf EU Ebene und sogar im bayerischen Landtag größtenteils beschlossen worden. Leider seien diese Beschlüsse aber sowohl bei der EU, als auch in Bayern, offensichtlich durch Lobbyismus des Handels, der Industrie und der Molkereien bei zuständigen Politikern, ignoriert und nicht umgesetzt worden. Handelsketten und Industrie bestimmten den Preis, meinten mehrere der Anwesenden. Dabei entstünden oft Produkte, für die der Verbraucher den doppelten Preis bezahle, aber nur die halbe Qualität erhalte, wenn diese in Betracht gezogen werde. Albert Aschauer meinte zu den Vorschlägen des BDM, nicht immer sei Brüssel schuld, wenn dessen Vorschläge nicht angenommen würden. Wie einige der dortigen Abgeordneten und nicht nur sie, glaubhaft versicherten, sei es nicht selten die deutsche Landwirtschaftsministerin, Julia Klöckner, die bei solchen Vorhaben ein Veto einlege. Aschauer argwöhnte auch, Bauern könnten sich nicht absolut auf ihren größten eigenen Verband verlassen, wenn die Obersten dieses an Aufsichtsräten großer Konzerne säßen. Einer der Anwesenden meinte auf etwas grobe Weise, er habe das Vertrauen in die Politik verloren und zitierte das Sprichwort; „Alle Politiker sind Ferkel, der einzige Unterschied ist ihre Farbe“. Ein Anderer sagte, sogar ein Politiker habe ihm gegenüber beteuert, die Gewählten könnten nicht wirklich entscheiden, und die Entscheidenden seien nicht gewählt.

Liesi Aschauer meinte, junge Landwirte würden zwar „Top geschult in Punkto Landwirtschaft“, seien aber nicht fit für den Handel. Es sei kein Wunder, wenn viele die heimische Landwirtschaft nicht weiterführen wollten, bei dem nichtexistenten wirtschaftlichen Erfolg, der ihnen dabei bevorstehe. Bemängelt wurde zudem, durch die spekulativen Käufe von Großkapitalisten, würde auch landwirtschaftliche Fläche so teuer, dass Bauern einen Zukauf von Flächen aufgegebener Höfe nicht tätigen könnten. Insbesondere, nachdem sie für ihre Produkte so unterbezahlt würden, dass davon kaum ihr eigener Lebensunterhalt zu bestreiten sei. Maria Mayer sagte, etwa 1/3 der Bauern seien über 65 Jahre alt und hätten, wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage keinen Hofnachfolger. Es sei auch nicht möglich, zwei Jobs zu machen, wie viele das müssten, um einen annehmbaren Lebensstandard zu haben. Diesen dauerhaften Stress könne Niemand ertragen.

Es waren aber nicht nur Beschwerden über Politik, Industrie und Handel, die hier laut wurden. Einer der Anwesenden meinte, es läge auch an den Bauern selbst, wenn sie sich zum Spielball machen ließen. Es gebe zu wenig Zusammenhalt unter ihnen und manche seien zufrieden, etwas Zubrot vom Staat zu erhalten. „Die kriegen den Arsch nicht hoch“, meinte er.

Als Forderungen stellten die hier Versammelten einen „Runden Tisch“, wie er, vorgeschlagen vom BDM, unter dem vorhergehenden bayerischen Landwirtschaftsminister Brunner schon eingeführt worden war. Außerdem die europaweite Anerkennung und Einführungen der Vorschläge des BDM und endlich einen Weg, durch den auch die Bauern ein brauchbares Mitspracherecht bei Preisfragen für die Milch erhielten. Sepp Hubert sagte, seit vielen Jahren hätten die BDM Bauern versucht, die Politik dahingehend zu bewegen, ihnen eine bessere Ausgangsposition bei Preisverhandlungen gegenüber den Molkereien zu ermöglichen. Bisher ohne Erfolg. Das müsse sich ändern, wenn eine gute Milchbauernwirtschaft erhalten werden soll.

Andrea Wittmann sagte, nach den Darlegungen, die hier vorgebracht worden waren, könne sie die Frustration der Milchbauern gut verstehen. Es sei offensichtlich viel falschgelaufen, sowohl bei Milch, als auch anderen landwirtschaftlichen Produkten. Falls gewählt, würde sie sich mit aller Macht in die Bresche stürzen, um den Bauern eine bessere Stimme im Bundestag zu geben.

Dazu sagte Sepp Hubert abschließend; „Wenn Du hältst was Du versprichst, hilft uns das sehr“.

Bildtexte:     –  Aufmerksam hörte Andrea Wittmann den Ausführungen der BDM Milchbauern zu, beim Treffen in Weibhausen.

–   Die Vorsitzenden des BDM in den Kreisen BGL und Traunstein, v. l.: Ursula Ober, Maria Mayer, Martin Grammelsberger, Sepp Hubert, Andrea Wittmann, Liesi Aschauer,   Albert  Aschauer, Lorenz Hagenauer und Josef Schmid.

Bericht und Fotos: Alois Albrecht

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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