Brauchtum

Bayer. Waldgau-Jugend auf Grüner Woche

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Berlin, deutsche Hauptstadt und Stadt mit vielen Schauplätzen der Geschichte, war auch in diesem Jahr eine Reise wert für die Gaujugendtanzgruppe des Bayerischen Waldgaues, die zusammen mit 27 Jugendlichen und 18 weiteren Begleitpersonen, darunter der zweite Vorsitzende des Bayerischen Waldgaues, Adolf Breu, in die Weltmetropole reiste, um jenseits der weißblauen Landesgrenzen die Vielfalt bayerischen Brauchtums zu zeigen und ihre Heimat zu präsentieren. Reichlich Proviant und mehrere Kaffeepausen am und im Bus verkürzten Hin- und Rückfahrt der dreitägigen Fahrt. Die Reiseleitung hatte Gaujugendreferent Marco Peschl (Frauenau), seine Stellvertreterin Petra Eggersdorfer (Kötzting) sowie Monika Hutterer (Beisitzerin Jugend) übernommen. Sie kümmerten sich um das Wohl der jungen Trachtler, die aus den Vereinen Gotthardsbergler Kirchberg, Pastritztaler Schafberg, St. Englmar, D’Walderbuam Kötzting, Heimatverein Frauenau, Kreuzstraßler Patersdorf und Plattnstoana Raindorf kamen.  Schon bei der Anreise im Bus am Samstag ging es lustig zu, denn es wurde gesungen, musiziert, gelöffelt und somit auf Berlin eingestimmt. Gegen Mittag erreichte die 45-köpfige Reisegesellschaft dann Leipzig. In „Auerbachs Keller“, einem historischen Restaurant im Herzen der Altstadt, das auch schon Johann Wolfgang von Goethe besuchte, wurde das Mittagessen eingenommen. Bewunderung fand beim Verdauungsspaziergang auch das im Renaissancestil errichtete Alte Rathaus und die spätgotische Thomaskirche, in der Johann Sebastian Bach begraben liegt, sowie die Nikolaikirche. Über den ehemaligen Grenzübergang Dreilinden erreichte man schließlich gegen 16 Uhr das Reiseziel und schnupperte erstmals Berliner Luft. Im Central-Hotel Tegel wurden dann die Zimmer bezogen. Nach dem Abendessen, das man im „Erdinger“ am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte einnahm, stand die Zeit zur freien Verfügung. Viele nutzen dies zur Erkundung der Stadt oder setzten ließen bei einem gemütlichen Zusammensein im Hotel den Tag ausklingen.

Tief in die deutsch-deutsche Geschichte tauchten die Reisenden am Sonntag ein, denn das ehemalige Untersuchungsgefängnis des DDR-Staatssicherheitsdienstes (Stasi) in Hohenschönhausen stand auf dem Programm. Ein Zeitzeuge (ehemaliger Häftling) führte in einem 90-minütigen Rundgang durch das nahezu vollständig erhaltene Gebäude und schilderte eindrucksvoll die Geschichte der Haftanstalt und seine persönlichen, überaus leidvollen Erfahrungen. Zwischen 1945 und 1989 waren hier über 20 000 politische Häftlinge eingesperrt, bis es 1990 für immer geschlossen wurde. Festgehalten wurden hier vor allem Menschen, die versucht hatten, zu fliehen oder auszureisen oder die wegen ihrer politischen Meinung verfolgt wurden. Die Häftlinge wurden vielfach jahrelang unter katastrophalen Lebensbedingungen in gruftartigen Zellen, von der Außenwelt hermetisch abgeschnitten und von den Mitgefangenen meist streng isoliert, von Drohungen und körperlicher Gewalt begleitet, ohne Gerichtsprozess festgehalten. Durch perfide Verhöre, Schlafentzug, stundenlanges Stehen, tagelangen Arrest in völliger Dunkelheit oder Aufenthalt in Wasserzellen wurden die Inhaftierten zu belastenden Aussagen und Geständnissen gezwungen. Dieses mit Qual und Folter einhergehende Unrechtssystem der DDR ließ keinen der jugendlichen und erwachsenen Trachtler unberührt, ist es doch noch gar nicht so lange her. Nachdenkliche Gespräche arbeiteten das Gehörte bei der Weiterfahrt im Bus auf. Den Nachmittag verbrachte die Gruppe dann am Alexanderplatz in Berlin, im Volksmund „Alex“ genannt. Man genoss von der Panoramaetage (207 Meter) den Blick über Berlin vom Fernsehturm (mit 368 Meter höchstes Gebäude der Bundesrepublik), inspizierte die Weltzeituhr und das Rote Rathaus sowie den Neptunbrunnen. Fesch frisiert und in ihren schmucken Trachten waren die Trachtler ein bunter Blickfang und begehrtes Fotomotiv. Am Abend speiste man stilgerecht im „Maximilians“.  Höhepunkt am Montag war natürlich der Besuch der Internationalen Grünen Woche am Berliner Messegelände am Funkturm. Dort absolvierte die Gaujugend zusammen mit dem Trachtengau München und Umgebung einen gemeinsamen Auftritt in der Bayernhalle. Beim Auftanz mischten sich die insgesamt 21 Tanzpaare durchs Publikum. Viel Beifall bekamen auch die weiteren Tänze (Holzhauser, Feuerwehrpolka, Marschierboarisch, Sternpolka, Topporzer Kreuzpolka, begleitet von Astrid Penn auf dem Akkordeon) und die Gesangsdarbietungen das Duos Hannah Penn und Eva Schraml. Der Trachtengau München und Umgebung und der Bayerische Waldgau waren die ersten zwei Gaue, die gemeinsam auf der Grünen Woche getanzt haben. Schon an den Vorabenden wurde im Hotel viel miteinander getanzt und gelacht. Es war ein unbeschreibliches Erlebnis, das die beiden Gaue miteinander erleben durften. Die flotten Volkstänze kamen beim Publikum gut an, was der gespendete Beifall deutlich zeigte. Am Abend, nach einem ausführlichen Messe-Rundgang, verabschiedete sich die Waldgau-Gruppe aus Berlin. Bei der anschließenden Heimfahrt dankte stv. Gauvorstand Adolf Breu den Nachwuchstrachtlern. Lobend erwähnte er das saubere Auftreten und die Disziplin der jungen Trachtler. Sein Dank galt Gaujugendreferent Marco Peschl und seinen Helfern für die Organisation. Müde, aber voll unwiederbringlicher Eindrücke erreichte man gegen 2 Uhr früh heimatliche Gefilde.  (krp)

Bildunterschrift zu Waldgau auf Grüner Woche 2020-1Die Führung durch das ehemalige Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen beeindruckte nachhaltig.

Bildunterschrift zu Waldgau auf Grüner Woche 2020-2: Auf dem Neptunbrunnen vor dem „Alex“ stellte sich die Waldgau-Reisegesellschaft zu einem Gruppenfoto zusammen.

Bildunterschrift zu Waldgau auf Grüner Woche 2020-3: Viel bestaunt und beklatscht wurde der Auftritt der Gaujugendtanzgruppe in der Bayernhalle der Grünen Woche (hier beim Auftanz zusammen mit dem Trachtengau München und Umgebung).

Bildunterschrift zu Waldgau auf Grüner Woche 2020-4: Das Gesangsduo Hannah Penn und Eva Schraml wurde auf dem Akkordeon begleitet von Robert Penn.

Bildunterschrift zu Waldgau auf Grüner Woche 2020-5: Der dreitägige Ausflug nach Berlin hinterließ viele schöne Erinnerungen.

Bildunterschrift zu Waldgau auf Grüner Woche 2020-6:Mit der Sternpolka präsentierte die Gaujugendtanzgruppe des Waldgaues auf der Grünen Woche in Berlin bayerisches Brauchtum

Bericht und Fotos: Regina Pfeffer

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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