Leitartikel

Bad Endorf spielt „Irmengard vom Chiemsee“ – Interview

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Unter den zahlreichen Laienspielgruppen Bayerns nimmt die 1790 gegründete und 1991 mit dem Rosenheimer Kulturpreis ausgezeichnete Theatergesellschaft der oberbayerischen Marktgemeinde Bad Endorf eine Sonderstellung ein. Alljährlich im Frühsommer lädt sie ein zum religiösen Schauspiel in das Theaterhaus an der Rosenheimer Straße. Heuer kommt das Stück „Irmengard vom Chiemsee“ zur Aufführung, Premiere ist am Pfingstmontag. Autoren für die Neuverfassung sind die Rosenheimer Kulturpreisträger Julia und Werner Hofmann, die sich im letzten Jahr mit dem Aschauer Auferstehungsspiel viel Anerkennung einholen konnten.

Über 1.200 Jahre sind seit dem Tod der Seligen Irmengard von Frauenchiemsee vergangen, sie ist nicht nur die Chiemgauer Schutz-Heilige, sondern bis heute ein Vorbild nach dem Motto „Scheue Niemand – Fürchte Gott – Tue Gutes“. Im Rahmen der Proben und Vorbereitungen konnten wir mit Julia und Werner Hofmann über ihre Gedanken und über den Inhalt des Theaters sprechen und von ihnen auf unsere Fragen folgende Antworten bekommen:

Frage: Was hat Sie dazu animiert, für die Selige Irmengard eine Theater-Fassung zu schreiben?

Antwort:

Wenn man im Münster auf der Fraueninsel die vielen Votivtafeln an die Selige Irmengard sieht, berührt das jeden Kirchenbesucher. Wir haben uns gefragt, wie man eine Verbindung zwischen den Votivtafeln des 20. Jahrhunderts zur historischen Äbtissin Irmengard schaffen könnte. Das war unser erstes Motiv. Dazu kam dann noch die Faszination an der Überlieferung: „Nach ihrer Herrschaft gab es keine Armut mehr in unserer Region.“ Was für ein Lebensweg: vom Königshaus zu den Hütten der Armen. Diese Lebens- und Glaubensgeschichte reizte uns.

Frage: Auf welche Literatur konnten Sie sich stützen?

Antwort:

Zur Seligen Irmengard gibt es kaum historische Schriftstücke. Es gibt nur wenig Literatur über ihren Vater und zeitgeschichtliche Daten über die ganze Königsfamilie. Und man kann einiges über die Verhältnisse der damaligen Zeit herausfinden. Als Vorlage gab es auch das bisherige Stück über die selige Irmengard vom Endorfer Theater. Wir haben uns aber bewusst dagegen entschieden, es vorab zu lesen. Wir wollten wirklich ein eigenständiges Stück schaffen.

Frage: Welche Schwerpunkte setzten Sie sich bei der inhaltlichen Zusammenstellung?

Antwort: Wichtig waren uns, die spirituelle Ausbildung  von Irmengard im Kloster, die Zeit ihres Insel-Aufenthaltes sowie ihr dortiges Wirken und ihre Not-Linderung. Wenn man so will, gibt es neben Irmengard eine zweite Hauptrolle: das arme Volk. Wir haben versucht, Votivtafeln in Geschichten umzusetzen. Die meisten Tafeln heute handeln vom Dank über die Erfüllung eines Kinderwunsches. So gibt es in unserer Geschichte unter anderem ein Ehepaar, das keine Kinder bekommen kann. Und der Zuschauer erfährt, wie Äbtissin Irmengard diesem Paar beisteht. Als Gegenspieler Irmengards wird es einen Vogt geben, der sein Volk mit Schergen unterdrückt und ausbeutet. Insgesamt haben wir 24 Szenen, wobei wir das Zeit-Ziel haben, dass die gesamte Aufführung mitsamt einer Pause maximal drei Stunden dauert.

Frage: Ist das religiöse Stück nur für gläubige Katholiken oder ältere Leute?

Antwort: Jeder ist willkommen. Es ist ein Theater für Jung und Alt, mit einer zeitgemäßen Botschaft. Wir wollen kein verklärtes Heiligenbild schaffen, sondern ganz den Menschen, der aus der Kraft des Glaubens wirkt, zeigen. Dieses Ziel hat sich die Theatergesellschaft Bad Endorf seit vielen Jahren auf die Fahnen geschrieben. Insgesamt haben wir 60 Darsteller, davon sind 20 Kinder, das entspricht der Anzahl wie vor einem Jahr beim Auferstehungsspiel in Aschau. Dort hatten wir auch ein Musikensemble als Verstärkung für das Theater. Anlässlich des Jubiläums wird es auch bei Irmengard Profimusiker im Orchestergraben des Theaters in Bad Endorf geben.

Frage: Wann wird gespielt und wie kann man Karten erhalten?

Antwort: Premiere ist traditionell beim Volkstheater Bad Endorf am Pfingstmontag nachmittag (1. Juni). Weitere Aufführungen um 14 Uhr sind an den Sonntagen: 7. Juni/ 14. Juni/ 21. Juni/ 28. Juni und 5. Juli sowie um 20 Uhr an den Freitagen: 12. Juni/ 19. Juni/ 26. Juni und 3. Juli. Karten gibt es ab sofort bei Münchenticket oder in der Tourist-Information Bad Endorf sowie ab 20. April telefonisch unter 08053-3743. Nähere Informationen zum Volkstheater Bad Endorf gibt es im Internet unter www.theater-endorf.de.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Anton Hötzelsperger

Fotos: Bei den Proben: Hauptdarstellerin Barbara Bichler und Werner Hofmann

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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