Gastronomie & Wirtschaft

Aschauer-Markt-Festwoche beginnt am 28. August

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Es ist schon etwas ganz besonderes mit diesem Markt in Aschau: Im Heiligen römischen Reich deutscher Nation trat Kaiser Karl V., „in dessen Reich die Sonne nie unterging“ von seinem Amt zurück, der Augsburger Religionsfriede brachte das Ende der Glaubenskriege der Reformationszeit, Amerika war gerade einmal 63 Jahre entdeckt und der große Martin Luther erst neun Jahre verstorben, da feierten die Aschauer schon das erste Mal ihren Markt am Kirchenbergerl. Am 1.August 1555 gab Herzog Albrecht von Bayern in München mit seinem Brief und Siegel dem damaligen Hohenaschauer Herrschaftsinhaber Pankraz von Freyberg die Erlaubnis, künftig alljährlich in Aschau einen Markt abzuhalten. So feiern die Aschauer in diesem Jahr das 464. Jubiläum und deutlich größer ist sie auch geworden, die kleine Stadt aus Holz und Tuch rund um den Kirchenberg. Rund 150 Fieranten aller Sparten werden auch in diesem Jahr ihre Waren anpreisen und versuchen, die Besucher von der Qualität ihrer Waren zu überzeugen, rund 100 Absagen muss die Gemeindeverwaltung Aschau jedes Jahr an weitere Interessenten versenden.

Die Bevölkerung des Chiemgaus, dazu die Veranstalter, Händler, Kaufleute, Marktschreier und Verkäufer freuen sich Jahr für Jahr auf diesen besonderen Markt, der für die Einheimischen aus der weiten Umgebung das Ende des Sommers und so etwas Ähnliches wie den Herbstanfang in der Region symbolisiert. Auch für die zahlreichen Touristen im Chiemgau stellt der Markt einen Anziehungspunkt dar, schließlich gibt es doch auf dem Markt fast nix, was es nicht gibt. Ein sonntäglicher Bummel mit der ganzen Familie durch die fast einen Kilometer langen, von Verkaufsständen gesäumten Marktstraßen, mit ihrem schier unerschöpflichen Warenangebot, die Brotzeit- und Spielestandl und natürlich der Besuch des bereits vom Mittwoch an bewirtschafteten großen Bierzeltes ist deshalb bei vielen am ersten Septembersonntag fest eingeplant.

An allen Ecken und Enden treffen die Besucher am Marktsonntag Verwandte, Bekannte oder Freunde auf „einem Haufen“, die förmlich zum „Ratschen“ animieren. So kommen die Besucher nur langsam von Hauseck zu Hauseck voran, aber niemand stört sich am Gedränge, das gehört einfach mit dazu. Auf dem Aschauer Markt muss man niemand suchen, hier finden sich alle Jahre alle Bekannten wieder ein. Bummeln und Promenieren, Anschauen und Geselligkeit, Sehen und Gesehen werden stehen beim Marktbesuch im Vordergrund. Dazu laden die Standl mit Waren aller Art zum Kauf ein, irgendetwas braucht ein jeder und nimmt es vom Markt mit heim, so ist es der Brauch. Zusätzlich kann man auch bei einer herzhaften Brotzeit an einem Standl oder im Festzelt den da und dort aufspielenden Musikanten lauschen.

Ein Duft von gebrannten Mandeln und Magenbrot liegt zwischen dem Aschauer Kirchenberg und der Schulstraße in der Luft, innig vermengt mit dem Geruch von Schweinswürstln mit Sauerkraut, von Curry und scharfen Gewürzen, von Lederwaren und Fischsemmeln und das I-Tüpferl auf dieses Geruchspotpourri setzt der Duft aus dem Festzelt an der Schützenstraße. Bananen und Ananas gibt es beim Marktschreier am Eck für fast nix, die Steige Pfirsiche und Weintrauben noch viel billiger, dazu noch Äpfel, Orangen und Melonen und für die verschiedenen Grünpflanzen vom Gärtnerwagen herunter muss man auch kaum etwas bezahlen. Der Passant denkt sich, wie die bloß auf ihre Kosten kommen mögen und nimmt sich eine ganze Steige vollreifer Pfirsiche und eine Schachtel voller Pflanzen für den Balkon zuhause mit.

Wenn das alles auf engstem Raum zusammenkommt weiß ein jeder: Markt ist in Aschau! „Aschau is a Schau – der Aschauer Markt ist schon seit 464 Jahren die große Schau für die Aschauer und die ganze Region.“ Traditionsgemäß seit 464 Jahren feiern die Aschauer ihren Markttag am ersten Sonntag im September. Nicht nur die Kinder, auch die Erwachsenen in der weiten Umgebung freuen sich auf den Aschauer Markt, nicht um viel einzukaufen, aber irgendetwas bringt jeder vom Markt mit nach Hause, auch das ist schon lange Tradition.

Schreiend farbige Gewänder hängen in langen Reihen auf den Ständern, quietschbunte Wäschestücke türmen sich auf den Wühltischen, Ledergürtel und lederne Westernhüte dünsten unter den Planen vor sich hin, neues und gebrauchtes, die Händler laden zum Feilschen geradezu ein; hinterher sind beide Seiten davon überzeugt, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Und erst noch die Wundermittel, die es außer auf den Märkten im Handel nirgends zu kaufen gibt: „nie mehr mühsam Schuhe putzen, stets gepflegte Autositze haben, nie mehr umständlich Fensterputzen, Gemüse raspeln leicht gemacht“ – die dazugehörigen Utensilien sucht der Käufer das ganze Jahr im Fachhandel vergebens, auf den Märkten gibt es sie noch, diese Mittelchen für und gegen alles. Auf der großen Wiese gegenüber vom Festzelt ist die große Auto- und Landmaschinenausstellung aufgebaut. PS-starke Traktoren stellen sich vor und warten auf ihre neuen Herren, dazu kommen die neuen Maschinen, die die Arbeit auf Feldern und Wiesen erleichtern können.

Überall gibt es Brotzeiten oder zumindest kann sich jeder die Brotzeit seiner Wahl bei den Standlleuten zusammenstellen, frisches Bauernbrot am ersten Standl, niederbayerisches Bauerngeräuchertes am nächsten, einen rassen Allgäuer Almkas am dritten, dazu Gurken und Oliven aus Griechenland am vierten und alles andere, was es auf 1000 Kilometer rund um Aschau an Ess- und Trinkbarem gibt.

Die Kinder kaufen sich für ihre Marktzehnerl etwas zum Schlecken, etwa Türkischen Honig, Liebesperlen, Magenbrot oder gebrannte Mandeln, einen echten silbernen Schmuck, Ketten, Broschen und Ringe, eine echt goldene gängige Uhr, die mindestens bis zum Heimkommen läuft oder ein Spielzeug, das es so nur auf dem Markt gibt; stets sind an den vielen Spielzeugstandln die neuesten landwirtschaftlichen Maschinen im aktuellen Angebot, was heute der letzte Schrei auf den bäuerlichen Agrarmessen ist, kommt bereits morgen als Miniatur in Plastik oder Spritzguss in die Spielzeugläden und auf die Marktstandl. Doch nicht nur die Kleinen kennen ihre Standl: die jungen Burschen erwerben sich die Sympathie ihrer Dirndl mit „einem Präsentel“ und auch für alle anderen Besucher gibt es im großen Angebot der Händler und des Festwirtes etwas zu finden.

Es ist kein Wunder, dass es mit einer so langen Tradition von 464 Jahren keiner besonderen Werbung für diesen Markt bedarf, er ist einfach weit rundum in der ganzen Region bekannt: „Aschau is a Schau“ und diese Schau ist immer einen Besuch wert. Trotz seiner 464 Jahre „auf dem Buckel“ hat sich der Aschauer Markt durch die Jahrhunderte stets den Bedürfnissen seiner Kunden angepasst, er hat sein Aussehen verändert, aber dabei stets seinen Charakter gewahrt. Und so soll`s auch in den kommenden Jahren bleiben! Aschau bleibt auch für die kommenden Jahre „A Schau“.

In diesem Jahr beginnen die Veranstaltungen rund um den Aschauer Markt am Mittwoch, 28. August mit dem Festeinzug. Die Aufstellung des Zuges mit der Aschauer Musikkapelle, den Brauereigespannen und den Fahnenabordnungen der Vereine ist um 18.30 Uhr am Hans-Clarin-Platz. Der Zug führt über die Schul- und Schützenstraße zum Festzelt, hier zapft Bürgermeister Peter Solnar gegen 19 Uhr das erste Fass an. Am Donnerstag, 29. August beginnt um 14.30 Uhr der Seniorennachmittag im Festzelt, danach trifft man sich um 19.30 Uhr zum Bier- und Weinfest mit der Tegernseer Tanzlmusi und den Hallgrafen Musikanten. Am Freitag, 30 August kommen Stefan Kröll & Chaingang zum Kabarett Abend ins Festzelt, Einlass ab 18 Uhr, der Beginn ist um 20 Uhr.

Am Samstag, 31. August treffen sich ab 16 Uhr die Schafkopffreunde der Region zum Großen Preisschafkopfen; danach ist ab 19.30 Uhr ein gemeinsamer Heimatabend der drei Aschauer Trachtenvereine „D` Griabinga“ Hohenaschau, „Edelweiß“ Niederaschau und „D´ Geiglstoana“ Sachrang, es wirken mit die Aktiven Buam und Dirndln und die Kindergruppen, sowie verschiedene Musik- und Gesangsgruppen der beteiligten Vereine. Am Sonntag, 1. September ist der große 464. Aschauer Warenmarkt. Im Festzelt spielt zum Frühschoppen ab 10.30 Uhr die Söllhubener Blaskapelle, anschließend die Chiemgauer Blaskapelle; an der Metzgerei Angermann spielt die Zaunstemp´n Musi, bei Getränke Heinrichsberger gibt es Unterhaltungsmusik. Am Montag, 2. September folgt der traditionelle Tag der Vereine, Betriebe und Urlaubsgäste mit dem Kesselfleisch- und Giggerlessen ab 17 Uhr, es spielen die Aschauer Dorfmusikanten.

Mittwoch, 28. August

18 Uhr – Aufstellen zum Festeinzug am Hans-Clarin-Platz und Freibierausschank

18.30 Uhr – Festeinzug mit der Aschauer Musikkapelle und den Ortsvereinen.

19 Uhr – Bieranstich durch Bürgermeister Peter Solnar

Donnerstag, 29. August

14.30 Uhr – Seniorennachmittag im Festzelt

19.30 Uhr – Bier- und Weinfest mit der Tegernseer Tanzlmusi und den Hallgrafen Musikanten

 Freitag, 30. August

Kabarett-Abend mit Stefan Kröll & Chaingang; Einlass ab 18 Uhr, Beginn um 20 Uhr

Samstag, 31. August

ab 16 Uhr – Großes Preisschafkopfen,
19.30 Uhr – Gemeinsamer Heimatabend der drei Aschauer Trachtenvereine „D´ Griabinga“ Hohenaschau, „Edelweiss“ Niederaschau, „D´ Geiglstoana“ Sachrang.

Sonntag, 1. September – Marktsonntag

Ab 10 Uhr – 464. Aschauer Markt; Kleinwarenmarkt mit Musik – Brotzeit – Stimmung – Kinderangebot
ab 10 Uhr Unterhaltungsmusik

Festzelt – Frühschoppen mit der Söllhubener Blaskapelle,
anschl. mit der Chiemgauer Blaskapelle;

Metzgerei Angermann – Zaunstemp´n Musi;

Getränke Heinrichsberger – Unterhaltungsmusik

Montag, 2. September

Ab 17 Uhr Tag der Vereine, Betriebe und Urlaubsgäste.
Traditionelles Kesselfleisch- und Giggerlessen
mit den Aschauer Dorfmusikanten.

Bericht und Fotos: Heinrich Rehberg

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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