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ARD-alpha: Zum 100. Geburtstag von Zeitzeugen Walter Grein

Wieso wählte der eigene Vater Adolf Hitler? Wie sah das Leben eines Jugendlichen in München während der NS-Zeit aus? Und: Wie konnte man sich inmitten der Nazi-Diktatur eine eigene Meinung bewahren? Der zur Zeit der Filmproduktion 98-jährige Dr. Walter Grein erzählt von seinem abenteuerlichen Leben voller Eigensinn, Glück und Zivilcourage. Anlässlich seines 100. Geburtstags sendet ARD-alpha “Zeuge der Zeit: Dr. Walter Grein”, am Sonntag, 3. Januar 2021, um 00.00 Uhr. Der Film ist auch in der BR Mediathek zu sehen.

Walter Grein war 17 Jahre alt, als er in der Nacht von 8. auf den 9. November 1938 Zeuge des Naziterrors während der Novemberpogrome wurde. In dieser Nacht entschied er, sich vom NS-System abzuwenden. Wie die meisten jungen Männer, wurde aber auch Walter Grein zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront geschickt. Dort erkrankte er an einer Amöbenruhr. Das war sein Glück: Von nun an wurde er vom Dienst befreit und studierte in München Medizin – im Umfeld der Mitglieder der Widerstandsgruppe “Weiße Rose“. Walter Grein war im Gerichtssaal anwesend, als Sophie Scholl, Hans Scholl und Christoph Probst am 22. Februar 1943 zum Tode verurteilt wurden.

“Während des Verhörs hat Sophie Scholl eine Zigarette geraucht. Und da hat der der oberste Richter geschrien: ´Machen Sie sofort ihre Zigarette aus! Eine deutsche Frau raucht nicht!´. Dann musste sie ihre Zigarette ausmachen. Dann war die Verhandlung, und sie wurden zum Tod durchs Schafott verurteilt. Sie waren unglaublich tapfere Menschen. Ich habe sie einfach bewundert.”

Walter Grein entging mehrmals selbst nur knapp einer Anklage wegen Hochverrats. 1944 rettete er einen von deutschen Flaks abgeschossenen Piloten der US-Armee, den fanatisierte Nazis lynchen wollten. Leben zu retten wurde seine Berufung: Nach Kriegsende wurde er Facharzt für Gynäkologe und Chirurgie, arbeitete als Arzt in Saudi-Arabien und ging für viele Jahre ins westafrikanische Togo, wo er eine Hebammenschule und die Gynäkologiestation aufbaute.

“Wenn ich keine Zivilcourage habe, kann ich auch keine Achtung vor mir selbst haben. Die Selbstachtung bedingt einfach, dass ich um der Gerechtigkeit willen auch bereit bin, mich einzubringen. Dann wird auch die Welt anders, wenn ich bereit bin, Verantwortung für andere zu übernehmen.”

Zur Reihe “Zeuge der Zeit”/”Zeugin der Zeit”:

Eines Tages werden sie verstummen: die Stimmen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die aus eigenem Erleben von den Verbrechen der NS-Zeit berichten. Wie wird sich die Erinnerungs- und Gedenkkultur verändern, wenn es keine Menschen mehr gibt, die ihre Leidensgeschichte aus erster Hand erzählen? Die Reihe “Zeuge der Zeit”/”Zeugin der Zeit” spürt dem Schicksal von Menschen nach, die als Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene den Terror des NS-Regimes erleiden mussten, und dokumentiert es für künftige Generationen.

Weitere Infos unter www.br.de/zeuge-der-zeit.

Text und Foto: Bayerischer Rundfunk

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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