Kirche

Arberberggottesdienst beim Bayerischer Waldgau

Welch wunderbarer ein Ausblick! Die sanfte Hügellandschaft des Bayerischen Waldes hat es in sich. Der kilometerweite Blick des Aussichtsberges weitet Herz, Geist und Seele. Auf dem höchsten Berg des Bayerischen Waldes, dem Großen Arber mit seinen stolzen 1 456 Metern fühlt man sich dem Himmel ein ganzes Stück näher. In einer Stunde ist man in der Regel (ab Brennes) zu Fuß auf dem Gipfel, auch, wenn man dabei ganz schön ins Schwitzen gerät, da der Anstieg eine gesunde Steigung aufweist. Gut, dass es da die Alternative gibt, mit der Gondelbahn bequem nach oben zu schweben.

Einen Gottesdienst der besonderen Art inmitten fast unberührter Natur erlebten am vergangenen Sonntag rund 80 Gläubige an der kleinen Arberkapelle. Die besonderen Umstände dieses Corona-Jahres hatten die traditionelle Durchführung der bei Gläubigen aus nah und fern äußerst beliebten Arberkirchweih (gefeiert immer am vorletzten Sonntag im August, heuer also am 23. August) unmöglich gemacht. Erstmals seit ihrer Wiedereinführung im Jahre 1965 wurde sie abgesagt. Dennoch wollten Bayerischer Waldgau, Bayerischer Waldverein und die Fürstlich Hohenzollnernsche Verwaltung dieses Ereignis nicht ungeachtet verstreichen lassen und beraumten eine Bergmesse in kleinem Rahmen an. Auch – oder gerade in Corona-Zeiten war diese Zusammenkunft ein eindrucksvolles Bekenntnis zu Gott und der angestammten Waldheimat. Umso wichtiger schienen deshalb die menschlichen Begegnungen, die hier oben auf dem Arber stattfanden.

Waldvereins-Präsident Staatsminister a. D. Helmut Brunner hieß bei angenehmer Witterung alle Anwesenden, die eigens geladen waren, mit einem herzlichen Grüß Gott willkommen. Die Messfeier fand am Ende des Touristenbetriebes, unter Einhaltung der Corona-Vorschriften und mit Genehmigung des Bischöflichen Ordinariats statt. Betriebsleiter Thomas Liebl von der Arber-Bergbahn und Pfarrer Bogdan Bogdanovski hatten aus bekanntem Grund Wert darauf gelegt, dass die Messfeier in einem beschaulichen Kreis stattfand. „Auch wenn wir heuer nicht mit 5000, 6000 oder 7000 Menschen feiern können, wollen wir doch nicht diese lange Tradition nicht unterbrechen lassen“, so Brunner, der seiner Hoffnung Ausdruck gab, dass man sich im nächsten Jahr wieder in ungezwungener Weise, in gewohntem Umfang und Ausmaß zur Arberkirchweih treffen könne. Sein Dank galt allen Ehrenamtlichen und Mitgliedern, die trotz der schwierigen Zeit den Vereinen die Treue halten, auch wenn das Ehrenamt sehr darunter leidet. „Das ländliche Leben verarmt, wenn das Vereinsleben so unter Druck gerät, wenn Traditionen und kulturelle Höhepunkte nicht mehr stattfinden können“. Er regte an, den Gottesdienst unter das Zeichen Corona zu stellen und darum zu beten, dass man sich in absehbarer Zeit wieder ungezwungen treffen könne zu Gottesdiensten und Festen.

Die musikalische Umrahmung übernahm das Gesangsduo Hans Neumaier („Hoamatland-Zwoagsang“) und Franz Mühlbauer (Bereitschaftsleiter Bergwacht Lam). Ihren markanten Stimmen, die die allseits bekannte Waldlermesse intonierten, schlossen sich die anwesenden Gottesdienstbesucher herzlich an. In der von Gauschriftführerin Regina Pfeffer vorgetragenen Lesung hörten die Gläubigen eine freie Übersetzung des achten Psalmes von der Liebe Gottes, die alles zum Guten wenden wird. Die in Mundart gehaltenen Fürbitten trug Gauvorsitzender Andreas Tax vor.

Als Evangelium hatte der Arberpfarrer die Verklärung Jesu aus dem Evangelium nach Matthäus gewählt. Überhaupt hätten alle ganz wichtigen Ereignisse des Volkes Israel und die Aufträge an die von Gott Auserwählten auf einem Berg stattgefunden, meinte er in der Predigt. Jahwe bat Gott um ein hörendes, kluges und weises Herz. Das Verständnis des Menschen ist, dass er vor dem Antlitz Gottes schwach, klein und ratlos ist, aber der Glaube helfe, die Höhen und Tiefen gut zu überstehen. Der Geistliche bat um den Schutz und Segen Gottes für alle Pilger und Wanderer, sowie für die hier arbeiten und für die Sicherheit der Menschen auf dem Berg sorgen. Die Vorstellung und Überzeugung der Menschheit auch in den alten Kulturen (z. B. der Inkas) war, dass der, zu dem man sich wenden soll, oben ist. „Möge Jesus Christus durch sein Wirken und seine Gnade unsere Herzen mit dem Vertrauen und Glauben erfüllen, dass sich trotz aller Schwierigkeiten alles zum Guten wendet“, endeten die Ausführungen des Priesters, der seit fünf Jahren an seiner derzeitigen Pfarrstelle in Bayerisch Eisenstein ist. Er plant eine monatliche heilige Messe am Arbergipfel. Ein gemütliches Beisammensein im Arberschutzhaus beschloss die Bergfeier. Die nächste traditionelle Arberkirchweih findet am 22. August 2021 statt.

Bericht und Fotos: Regina Pfeffer

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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