Kirche

Am Grab von Malermeister Siegfried Fesl

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Im Alter von 89 Jahren verstarb der Priener Malermeister Siegfried Fesl. Bei der von Priener Blasmusikanten musikalisch gestalteten Trauerfeier auf dem Priener Friedhof gaben ihm die Angehörigen, Atzinger Nachbarn sowie viele Freunde und Weggefährten das letzte Geleit. Kaplan Stefan Leitenbacher erinnerte dabei an ein überaus bewegtes Leben des Verstorbenen, das 1929 mit der Geburt in Bernau begann. Schon bald kam Siegfried Fesl mit seinen Eltern und zwei Schwestern nach Prien und er begann eine Maler-Lehre bei der Firma Lindenmayer. Diese Ausbildung wurde jedoch unterbrochen, da er 1945 zur Grundausbildung nach Mindelheim gerufen wurde, erst nach dem Kriegsende und nach der Gefangenschaft kam er wieder nach Hause und konnte seine Lehre fortsetzen und beenden. „Höchst abenteuerlich war die Kriegsheimkehr von Siegfried Fesl, nach einem zweiten Fluchtversuch fand er Unterschlupf bei einem Bauern in Steingaden und von dort kehrte er nach vier Wochen Fußmarsch und total abgemagert zurück nach Prien“, so Kaplan Leitenbacher, der Siegfried Fesl als leidenschaftlichen Rennrad-Fahrer und Bergsteiger mit großen Erfolgen, unter anderem mehrmals in der Watzmann-Ostwand schilderte. Fesl war nach einiger Zeit der beruflichen Betätigung in München, nach der Hochzeit im Jahr 1952 mit seiner Ehefrau Ruth, nach bestandener Meisterprüfung und nach der Geburt seiner Tochter Gabi wieder nach Prien zurückgekehrt. 1958 übernahm er das väterliche Malermeister-Geschäft und für seine Familie baute er sich ein Haus in Atzing. Mit 65 Jahren konnte Fesl in den Ruhestand treten, er löste sein Maler-Geschäft auf und er konnte sich dann seiner Familie, den geliebten Radtouren, den Bergen und den Fernreisen widmen. Die starke Verbundenheit des Verstorbenen mit den Ortsvereinen zeigte sich an der Anwesenheit von drei Fahnenabordnungen sowie bei den Nachrufen. Hans Berger vom Rauchclub Prien dankte für 57 Jahre Mitgliedschaft einem guten Freund und Kameraden. Für den Trachtenverein Prien sagte stellvertretender Vorstand Klaus Löhmann Dank dafür, dass Siegi Fesl vor 50 Jahren dem Verein beigetreten war und dass er 1988 beim Bau des Priener Trachtenheimes wertvolle Malerarbeitsdienste leistete. Ehrenvorsitzender Michael Anner senior von der Krieger- und Soldatenkameradschaft sagte: „Siegi Fesl musste bereits mit 16 Jahren zur Wehrmacht, 50 Jahre gehörte er unserer Gemeinschaft an und er war uns immer recht zugetan“. Mit einem dreifachen Kanonensalut und mit dem Lied vom „Guten Kameraden“ wurde der Kriegsteilnehmer zusätzlich geehrt.

Sterbefoto: Siegfried Fesl

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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