An einem Tag auf dem Samerberg, wie ihn der Herrgott und Herbst nicht hätte schöner machen können, mussten überaus viele Leute in und bei der Kirche „St. Bartholomäus“ Trauer und Schmerz bewältigen. Wenige Monate nachdem der „Voggenauer-Hof“ in Schilding bei Rossholzen aufgrund eines technischen Defekts ein Raub der Flammen wurde und wenige Tage nachdem auf dem Samerberg der Oberbayerische Almbauerntag erfolgreich durchgeführt wurde, verstarb auf tragische Weise im Alter von nur 62 Jahren der Bezirksalmbauer Bartholomäus Mayer.

Beim Trauergottesdienst in der überfüllten Kirche stellte Diakon Günter Schmitzberger die Frage „Warum?“ an den Anfang seiner Gedanken. „Auch ich kann keine Antwort geben, sondern Euch alle nur bitten, dass wir zusammen Aushalten. Auch Jesus hat sich am Kreuz nicht untergehen lassen, er wurde aufgefangen und er ist auferstanden“, so der Diakon, der in seiner Predigt auf die Hoffnungslosigkeit und Sprachlosigkeit einging und er zitierte aus dem Korinther-Brief mit den Worten: „Das Leben ist ein Schatz in einem zerbrechlichen Gefäß“. In seinen weiteren Ausführungen charakterisierte Günter Schmitzberger den Verstorbenen als überaus hilfsbereit, als fürsorglichen Familienvater, als einen Bauern und Almbauern, dem in der Landwirtschaft und Tierhaltung das Göttliche besonders wichtig war. „Deswegen bat er mich bei der heurigen Hauptalmbegehung, dass diese mit einer Andacht beginnen möge“. Der Diakon sagte weiter: „Der Hofbrand machte Barthi Mayer immer kraftloser, er stand vor einem unüberwindbaren Berg, wir dürfen jetzt die Familie nicht alleine lassen, dann ist der nunmehrige Berg überwindbar. Helft zusammen und glaubt an Gott, den guten Hirten“. Bei den Nachrufen in der Kirche würdigte Bürgermeister Georg Huber den Verstorbenen als engagierten Gemeinderat, in dessen zwölfjähriger Amtszeit unter anderem die Errichtung der Grundschule, der Neubau des Sportplatzes und der Bau des Feuerwehrhauses in Rossholzen erfolgte. Auch im Tourismusverein brachte Mayer sein Wissen als Landwirt, Anbieter von Urlaub auf dem Bauernhof und Almbewirtschafter ein, unvergesslich ist ein großes Hoffest auf seinem Bauernhof in Schilding im Jahr 2005. Vielfache Verdienste erwarb sich Bartholomäus Mayer für den Leonhardiverein, dessen Vorsitzender und Motor er seit der Wiedergründung war, viele Leonhardiritte trugen die Handschrift von ihm. Vorstand Peter Sattlberger vom Trachtenverein Hochries-Samerberg erinnerte daran, dass Barthi Mayer bei der Gruppe der Historischen Samer und bei den bisherigen Freilichtspielen stets verlässlich dabei war. Georg Mair, Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) sagte nach gut einer Woche des gemeinsamen Erntedankfestes der Almbauern auf dem Samerberg: „Barthi Mayer war ein überzeugter Landwirt, Almbauer und Schnapsbrenner mit vielerlei Fähigkeiten, der viele Jahre auf der Seitenalm und bis zuletzt auf der Feichteckalm wirkte. Sein enormes Wissen gab er gerne an Interessierte, Gäste und Jüngere weiter“, so der AVO-Vorsitzende, der Mayer noch für seine verantwortungsvolle Aufgabe als Bezirksalmbauer für Samerberg und Nussdorf seit dem Jahr 2009 dankte. Weitere Dankesworte kamen von der Bergwacht Rosenheim-Samerberg, bei der  Barthi Mayer in den 70er Jahren mit einer Ausbildung begann und der er bis zuletzt als Förderer zugeneigt war. Bei der Gebirgsschützenkompanie Samerberg war Bartholomäus Mayer vor 40 Jahren Gründungsmitglied und sehr lange als Leutnant und Kassier der Vorstandschaft angehörig. „Bartholomäus Mayer war immer ein aufrechter Schütze und er stand immer  Gewehr bei Fuß, er hinterlässt eine unglaublich große Lücke“, so GSK-Hauptmann Fritz Dräxl, dessen Mitglieder als Sargträger und mit einem dreifachen Ehrensalut deutlich sichtbar machten, dass sie einen beliebten Kameraden verloren haben. Weitere Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung waren die vielen Fahnenabordnungen, dabei waren die Fahnen der drei Trachtenvereine Grainbach, Rossholzen und Nussdorf, die Abordnung der Rossholzener Feuerwehr, die Fahnen der GSK-Gruppen Neubeuern und Samerberg sowie die Standarten des GSK-Bataillons Inn-Chiemgau und des Leonhardivereins Rossholzen.  Die musikalische Gestaltung der Trauerfeierlichkeiten übernahmen Samerberger Bläser sowie der Kirchenchor Samerberg. Der Leonhardiritt, der für Samstag, 28. Oktober vorgesehen war, ist inzwischen abgesagt worden.

Fotos: Rainer Nitzsche – Trauerfeier auf dem Friedhof der Kirche „St. Bartholomäus“ in Rossholzen für Bartholomäus Mayer

Foto: Hötzelsperger – AVO-Vorsitzender Georg Mair bei seiner Würdigung in der Kirche „St. Bartholomäus“

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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