Land- & Forstwirtschaft

Aktuelles vom Hagelforschungsverein Rosenheim

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der Hagelforschungsverein Rosenheim besteht seit 25 Jahren, die Mitgliederversammlung fand nunmehr im Gasthof “Post”  in Rohrdorf statt.Mit rund 7.500 Mitgliedern ist der Hagelforschungsverein Rosenheim der größte Verein in der Region. 

Seit es Hagelabwehr gibt, wird sie von Zweifeln begleitet. Andreas Bernatzky, Student an der Fachhochschule Rosenheim, hat seine Masterarbeit der Wirksamkeit der Hagelabwehr gewidmet. Seine Ergebnisse stellte er auf der Mitgliederversammlung des Hagelforschungsvereins Rosenheim e.V. vor. Bernatzkys Fazit, „es gibt erkennbare Tendenzen, die für ein Wirken der Hagelabwehr sprechen.“ Im vollbesetzten Saal im Gasthof zur Post in Rohrdorf feierte der Hagelforschungsverein Rosenheim ein kleines Jubiläum. Den größten Verein in der Region gibt es inzwischen seit 25 Jahren. Der Vorsitzende des Vereins, der stellvertretende Landrat Josef Huber sagte in seiner Begrüßung, „die Kritiker werden leiser, weil sich die Wirksamkeit immer deutlicher abzeichnet, wenn Silberjodid zur richtigen Zeit am richtigen Ort ausgebracht wird.“ Masterstudent Bernatzky konnte für seine Arbeit auf eine ganze Reihe von Daten zurückgreifen. So standen ihm unter anderem Radarechos von Gewitterwolken, die gemeldeten Wetterdaten der Mitglieder des Hagelforschungsvereins, die aufgezeichneten Routen der Hagelflieger sowie die Daten von drei Versicherungen, insgesamt rund 57.000 Versicherungsschäden, zur Verfügung. Die Radardaten zeigten, dass ausgebrachtes Silberjodid, mit Ausnahme eines einzigen Falles, zu einem Rückgang der Wolken führte. Die Versicherungsdaten ermöglichten es Bernatzky, die Schäden in den von den Hagelfliegern betreuten Landkreisen Miesbach, Rosenheim und Traunstein mit den Schäden in den benachbarten Landkreisen zu vergleichen. Er kam zu dem Schluss, „je öfter der Hagelflieger flog und je mehr Silberjodid ausgebracht wurde, desto weniger Schäden gab es.“ Laut Bernatzky waren die Versicherungen von den Ergebnissen sehr angetan. Der Masterstudent hofft deshalb, noch konkretere Daten zu erhalten.

Für die Hagelflieger bilanzierte deren Chef Georg Vogl das zurückliegende Jahr. Er sprach vom dritttrockensten Sommer der letzten 30 Jahre und einer recht ruhigen Saison. Bei 17 Flügen an zehn Einsatztagen wurden insgesamt 160 Liter Silberjodid verbrannt. Der Mai war nass und kühl, sodass zum ersten Mal seit mindestens 20 Jahren kein Einsatz der Hagelflieger notwendig war. Die heftigsten Gewittertage erlebte die Region am 1. und 27. Juli. Schon ab Mittag zogen am 1. Juli schwere Gewitter über die Region hinweg. „Wir hatten Glück, weil nur Graupel und Kleinhagel niederging, aber keine großen Hagelkörner.“ Mehrfach erlebten die Hagelpiloten wie sich an verschiedenen Orten mächtige Gewitterwolken bildeten und innerhalb kurzer Zeit wieder zerfielen. „Es waren schwere Bedingungen für die Piloten, weil sich immer wieder neue Zellen bildeten“, meinte Vogl. Am 27. Juli entwickelte sich im Bereich des Sylvenstein Stausees ein Hagelgewitter der höchsten Kategorie, das langsam über Thiersee Richtung Kiefersfelden und Kufstein zog. Schwerpunkt am Ende wurde der Raum Kufstein, wo sich die Gewitterwolken am Kaisergebirge stauten. Heftigste Windböen entwurzelten mehrere Hektar Wald und hinterließen eine Schneise der Verwüstung. Durch die starken Niederschläge kam es zu Murenabgängen. „Da war richtig was geboten“, so Georg Vogl. Die Dramatik dieses Tages bestätigte auch Professor Walter Mayr, der Vorsitzende des Hagelabwehrvereins Tirol: „Am 27. Juli haben uns die Rosenheimer Freunde gerettet.“ Seit etwa 15 Jahren hat es nicht mehr stark gehagelt, berichtete Professor Mayr, trotzdem sind einige  Gemeinden nicht von der Hagelabwehr überzeugt. „Da müssen wir weiterhin Aufklärung betreiben“, sagte Mayr, der dazu auch auf die Ergebnisse der Masterarbeit von Andreas Bernatzky zurückgreifen möchte.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Hagelforschungsverein und der Hochschule Rosenheim wird weiter fortgesetzt. Im kommenden Jahr erhalten die beiden Hagelflugzeuge neue Computer. Dadurch können unter anderem der Silberjodid-Ausstoß registriert und bessere Bilder von den Einsätzen per Funk zur Verfügung gestellt werden. Neu ist zudem, dass die App der Hagelflieger demnächst auch für Apple-Geräte zur Verfügung steht.

Bericht und Foto: Landratsamt Rosenheim – Hagelflieger im Juni 2019 über Wasserburg am Inn

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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