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75 Jahre CSU: Buchvorstellung und Webportal csu-geschichte.de

Der 75. Geburtstag ist ein einschneidendes Datum, das bei den meisten Menschen in großem Rahmen gefeiert wird. Im 21. Jahrhundert erreichen zwar immer mehr Mitbürger dieses Alter und noch weit höhere Werte, aber für Institutionen oder gar Unternehmen ist dies bei weitem nicht selbstverständlich. Dies gilt erst recht für die Politik in unserem Land, in dem das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren eine Zäsur gebracht hat, die die Entwicklung Deutschlands, Europas, ja der gesamten Welt bis heute prägt. Diese Zäsur als Folge des Zusammenbruchs des Deutschen Reiches und der nationalsozialistischen Diktatur brachte die Chance zur Wiedererrichtung einer parlamentarischen Demokratie in Deutschland. Die von den Westalliierten initiierte Neugründung der Demokratie in Deutschland (zunächst nur in den Westzonen) bot die Chance zum Aufbau neuer partizipativer Strukturen.

Gründung der CSU

Die bürgerlichen und christlich-demokratischen Kräfte nutzten die Chance zur Bildung einer neuen christlich-demokratischen Sammlungsbewegung, die in Bayern zur Gründung der CSU führten, die schon Ende des Jahres 1945 auch über mehrere regionale Initiativen in die Wege geleitet wurde. Im restlichen Westdeutschland formierte sich die CDU. Sie war also keine Gründung von oben, sondern entstand quasi als Graswurzelbewegung in verschiedenen Teilen Bayerns. Damit war der Grundstein gelegt für eine christlich-demokratische Partei in Deutschland, die in Bayern (und nur dort) als eigenständige Partei CSU auftrat. Daran hat sich auch im Jahr des 75. Geburtstags der CSU nichts geändert.

Diese neugegründete bayerische Partei hat für die vergangenen 75 Jahre eine in der deutschen Politik wohl beispiellose Erfolgsgeschichte aufzuweisen: Bis auf die wenigen Jahre von 1954 bis 1957 durfte die CSU immer Regierungspartei in Bayern sein – über viele Jahrzehnte hinweg in alleiniger Verantwortung. Darüber hinaus war sie über weite Strecken der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auch maßgeblich an Bundesregierungen beteiligt. Eine Regionalpartei mit bundes- und europapolitischem (und generell außenpolitischem) Anspruch ist die CSU im Laufe der Jahrzehnte geworden, auch wenn das bei ihrer Gründung so noch nicht abzusehen war. Dieser hohe Anspruch hat auch immer zu großen Erwartungen geführt, die die Bürger vor allem in Krisenzeiten an die führende Volkspartei CSU hatten. Nicht zuletzt wurde das in der Corona-Krise der letzten Monate deutlich sichtbar.

Neu erschienen: 75 „Enthüllungen über eine Partei” Was Sie über die CSU wissen sollten

Eine Publikation aus Anlass des 75jährigen Jubiläums der CSU muss die Entwicklung der Partei, aber vor allem ihre Politik, ihre Wirkung und ihre Leistungen beleuchten sowie ihre Rolle innerhalb der historischen, ökomischen und politischen Entwicklungen Bayerns und Deutschlands dieser Jahre aufzeigen. Sie will natürlich auch dokumentieren, was die Partei in Bayern für die bayerische und deutsche Politik erreicht hat. Es ist keine „Jubelbroschüre“ gefragt. Deswegen sind auch „sperrige“ Entwicklungen der Parteigeschichte thematisiert. In 75 „Enthüllungen“, mit dem Titel eine legendäre Serie von Wahlkampfmagazinen der 70er-Jahre aufgreifend, analysieren und bilanzieren mehr als 30 Autorinnen und Autoren ausgewählte Ereignisse, zentrale Wegmarken und wichtige politische Themen der Parteigeschichte. Die Experten aus Wissenschaft, Journalismus und dem politischen Umfeld erhellen und enthüllen in knappen, informativen Schlaglichtern Wirken und Wirkung der CSU und ihrer maßgeblichen Politikerinnen und Politiker. Die Artikel werden zudem in dem Webportal „Geschichte der CSU“ in einer elektronisch abrufbaren Fassung publiziert: www.csu-geschichte.de (online ab September 2020). Unser Dank gilt hier allen, die sich als Autoren haben einbinden lassen, an der Publikation mitgewirkt haben, aber vor allem Dr. Renate Höpfinger, die das Publikationsvorhaben konzipierte und leitete.

Hanns-Seidel-Stiftung gratuliert

„Wir“: Das heißt die Hanns-Seidel-Stiftung. Diese hat 2020 zwar erst ihren 53. Geburtstag feiern dürfen und ist damit noch weit vom runden Jubiläum der CSU entfernt. Aber zur Gratulantin fühlen wir uns vor allem deswegen berufen, weil es ohne die Jubilarin auch die Stiftung nicht gäbe. Die politischen Stiftungen in Deutschland sind zwar dem Distanzgebot gegenüber den ihnen „nahestehenden“ Parteien verpflichtet. Andererseits dürfen und sollen sie im (partei)politischen Umfeld politische Bildung und Politikberatung im In- wie im Ausland betreiben. Und sie stehen zudem in der Pflicht, mit eigenen Archiven deren historische Überlieferung zu sichern, zu erschließen, zugänglich zu machen und eigene Forschungen vorzunehmen. Ziel ist eine möglichst umfassende Dokumentation der Entstehung und Entwicklung der Partei sowie der Tätigkeit ihrer Funktions- und Mandatsträger. Dem wollen wir mit unserem Archiv, dem Archiv für Christlich-Soziale Politik, mit zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen, eigenen und der Unterstützung externer wissenschaftlicher Forschungen und Veröffentlichungen, und nicht zuletzt mit dieser Publikation Rechnung tragen.

Zum 75. Geburtstag könnte man bei Menschen eine versicherungsmathematisch fundierte Rechnung über die wahrscheinliche weitere Lebensdauer anstellen, die ziemlich glaubwürdige Ergebnisse liefern dürfte. Bei Parteien ist das kaum möglich: Einerseits ist das politische System der Bundesrepublik Deutschland äußerst stabil und wird sich in den Grundzügen in den nächsten Jahrzehnten wohl kaum verändern. Die durch das Grundgesetz definierte Ordnung liefert für Legislative und Exekutive einen festen Handlungsrahmen, der auch die Rahmenbedingungen der Arbeit der politischen Parteien festlegt. Dies hat in der Geschichte der Bundesrepublik dazu geführt, dass das Parteiensystem sehr stabil war und sich nach 1949 (und vor allem nach der Bundestagswahl 1953) im Bund wie in den Ländern auf bestimmte Parteien konzentriert hat. Besonders genutzt haben das die Volksparteien, wobei die CSU als nur in Bayern antretender Volkspartei auch von ihrer Sonderrolle als „bayerische“ Partei profitiert hat. Profitiert hat sie aber vor allem deswegen, weil sie Akteur war und maßgeblich für die rasante ökonomische Entwicklung des Freistaats sorgte. Dieser Beitrag der CSU für ein Bayern an der Grenze zum eisernen Vorhang, das seinen Weg vom eher rückständigen Agrarland zum führenden High-Tech-Standort gegangen ist, wird in dieser Publikation in mehreren Beiträgen beleuchtet. Diese Entwicklung wäre ohne die Einbindung in ein stabiles politisches System in Deutschland, in ein friedlich zusammenarbeitendes Europa und in ein westliches Bündnis nicht möglich gewesen.

Andererseits darf der Blick in die Zukunft kein Blick in den Rückspiegel sein. Die Frage nach der künftigen Entwicklung ist auch eine nach der Stabilität der Rahmenbedingungen – in der nationalen wie der internationalen Politik, nach den ökonomischen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen in Bayern und in Deutschland. Auf der Angebots- wie der Nachfrageseite hat sich die Parteipolitik in unserem Land verändert: Die wachsende Mobilität im nationalen, aber auch grenzüberschreitenden Raum hat in den letzten Jahren zu einer schnelleren Veränderung der Zusammensetzung der Bevölkerung in unserem Land geführt, wodurch sich auch die Zusammensetzung der Wahlbevölkerung in Bayern verändert. Aber auch die Prozesse der Demografie oder etwa die von Teilen der Bevölkerung sehr kritische Begleitung etablierter politischer Strukturen als auch das Kommunikationsverhalten im Zeitalter des Internets haben zu Veränderungen, vor allem zu einer höheren Volatilität der politischen Einstellungen und des Wahlverhaltens geführt. Davon wird auch die CSU in den nächsten Jahren betroffen sein. Die bisherige Entwicklung, die sich in den Beiträgen dieser Publikation widerspiegelt, gibt aber genügend Anhaltspunkte dafür, dass auch die nächsten runden Geburtstage der Partei als Erfolgsgeschichte gefeiert werden können – am besten durch die Hanns-Seidel-Stiftung.

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Bericht und Fotos: Hanns-Seidel-Stiftung (www.hss.de)

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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